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Werden Sie doch einmal Asylant!

03/07/2015 15:42 CEST | Aktualisiert 03/07/2016 11:12 CEST
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Lieber Leserinnen und Leser.

Mit meinem heutigen Artikel möchte ich nicht auf politische Diskussionen, Recht oder Unrecht eingehen oder gar Lösungsvorschläge zur Integration von Asylbewerbern unterbreiten. Ich möchte „ganz einfach" zum Thema berichten und Sie bitten, abschließend doch mehrmals über meine Ausführungen nachzudenken.

Wenn Sie mögen, dann lesen Sie doch auch meine Artikel „Machtmenschen", „Die Macht der Gemeinschaft" und „Die kleinen Menschlein". Alle meine Artikel finden Sie unter Hans Hermanns.

Die Asyldebatte spaltet die Nation, bedauerlicherweise immer noch!

Als ich kürzlich die Tageszeitung las, verschlug es mir die Sprache und ich dachte, den Asylgegnern „brennt der Helm".

Kurz zum Inhalt des Artikels: In dem neutral gehaltenen Artikel einer seriösen Tageszeitung ging es um die sachliche Berichterstattung über die Integration von Asylbewerbern und die Radikalisierung von Protesten der Asylgegner.

Eine journalistisch korrekte Berichterstattung - keine Frage. Es wurde auch darüber berichtet, dass vor allem im Internet in den vergangenen Tagen teils offen zur Hetze und Gewalt gegen Asylbewerber aufgerufen wurde und „Pegida"-Gründer Lutz Bachmann die Stimmung auf Facebook noch weiter angeheizt hat. Mit dem Artikel wurde ein Foto veröffentlicht, das einen mit einem Plakat beklebten Baum zeigte.

Auf dem Plakat stand: „Asylwahnsinn Stoppen", „Nein zum Heim" und „Wutbürger"!

Ich habe mich ganz schnell vergewissert, dass das Datum des Artikels (konkret: auf das Foto bezogen) korrekt war, nicht aus den 30er-Jahren stammte und ich nicht in einem „DeLorean" saß - und war erleichtert, dass nicht auch noch ein Mann mit Schnurrbart auf dem Plakat abgebildet war.

Ein paar Tage später las ich die Schlagzeile: „Am linken und rechten Rand immer brutaler - In Deutschland steigt die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte - vor allem im Osten".

„Liebe" Asylgegner: Schämen Sie sich nicht?

Ich habe mich gefragt, was das wohl für Menschen sein mögen, die sich „Wutbürger" nennen und deren Wut sich gegen Menschen richtet, von denen sie nichts - oder kaum etwas - wissen. Lassen Sie mich vorwegnehmen, dass solche Menschen in meinem Freundeskreis nichts, aber auch gar nichts, verloren haben.

Den Asylgegnern möchte ich folgendes empfehlen:

Packen Sie schnell Ihre nötigsten Habseligkeiten, lassen Sie alles hinter sich, reisen Sie zu Fuß ab, lassen Sie Pass und Geld zuhause. Suchen Sie sich ein Land, das möglichst weit weg liegt, am besten eines, in dem Sie weder Sprache noch Kultur verstehen, wo Sie sich nicht verständigen können - und wo Sie auch noch beschimpft oder gar verprügelt werden.

Es findet sich vermutlich auch ein TV-Sender, der Sie auf Ihren Weg begleitet (ohne Sie zu unterstützen). Nach ein paar Jahren berichten Sie dann darüber, wie es Ihnen ergangen ist - falls Sie es dann noch können.

Sie meinen, ich soll das mal machen?

Das habe ich schon erlebt - zwar nicht auf diese dramatische Art und Weise, wie es diese bedauernswerten Menschen derzeit erleben, aber ich habe meine Erfahrung. Von den Erlebnissen meiner Eltern, die Anfang der 40er-Jahre als Flüchtlinge im Kindesalter quer durch das eigene Land geschickt wurden und nirgends willkommen waren, mag ich erst gar nicht berichten.

„Liebe" Asylgegner, es geht um Menschen und Menschlichkeit! Können Sie sich vorstellen, wie sich diese Menschen fühlen?

Offensichtlich nicht! Aber Sie wollen doch auch menschlich behandelt werden, oder nicht? Ja? Dann verhalten Sie sich bitte auch so. Unterstützen Sie sich gegenseitig mit mehr Menschlichkeit - und hinterfragen Sie erst einmal Situationen, bevor Sie urteilen. Bestimmt benötigen Sie eines Tages auch Hilfe und sind froh, wenn Sie diese bekommen - oder nicht?

Lassen Sie uns gemeinsam umdenken! Wir haben es alle nicht einfach im Leben, aber wir können es einfacher machen und somit Verbesserungen in der Gesellschaft herbeiführen!

Diejenigen, die bereits erkannt haben, dass es uns allen mit mehr Miteinander, Menschlichkeit und Wertschätzung besser geht, bitte ich um mehr Zivilcourage. Wertschätzen Sie bitte alle Menschen - unabhängig von Nationalität, Herkunft und Konfession. Geben Sie diesen Menschen das Gefühl, angekommen zu sein. Wir können alle voneinander lernen, frei von Vorurteilen.

„Wir dürfen die Menschen, die von rechtsextremer Gewalt bedroht sind, nicht alleine lassen" (Zitat von Frau Irene Mihalic, Grüne).

Mit meinem Slogan „Es geht immer was, wenn alle wollen!" möchte ich meinen Artikel schließen und wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, gutes Geschick für eine bessere und konstruktivere Zukunft mit mehr Miteinander.


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