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Noch ein Brief an "Mutti"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANGELA MERKEL
Getty
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Liebe Mutti.

Seit meinem letzten Brief ist ja wieder mal viel passiert auf der Welt! Oder soll ich lieber schreiben: nichts passiert? Gehört oder gelesen habe ich ja leider nichts von Dir, aber gesehen habe ich Dich. Hast Du meine Briefe bekommen? Siehst und hörst Du immer noch so schlecht? Ja, manchmal will man auch nicht alles hören und sehen. Das kann ich verstehen. Onkel Geysir und Onkel Lindwurm habe ich mal was getwittert, aber die hören und sehen auch nichts.

Die Verwandtschaft: Es werden immer mehr!

Onkel Ed O`Wahn will ein großes Gefängnis bauen und alle darin einsperren, aber er hat nicht genug Geld für einen Knast, der groß genug ist. Dabei hast Du ihm doch schon so viel Geld geschickt, aber damit wollte er eine Bank in Deutschland kaufen. Ganz schön clever, der Onkel Ed. Schicke ihm anstelle von Geld doch den Rest von unserer alten Mauer aus dem Garten und einen CD-Player, dann ist Ruhe und er kann den Jailhouse Rock spielen - und ich muss mir das Gejaule nicht mehr anhören. Klingt komisch, ist aber so. Manchen Menschen darf man nicht viel Aufmerksamkeit schenken, dann nehmen sie sich auch nicht mehr so wichtig.

Da ist Onkel Doping ganz anders, weil er doch so tolle Vorschläge hat. Stell Dir vor: er will den Autofahrern noch mehr Geld abknöpfen, sagt ihnen aber, dass es nicht mehr kosten wird. Da habe ich in der Schule wohl etwas verpasst, liebe Mutti. Aber zum Glück haben wir ja unseren schlauen Onkel Wolfgang. Er will nun die Straßen, die ja uns gehören und die ihr nur für uns verwaltet, verkaufen. Auch ganz schön clever, der Onkel Wolfgang. Gut, dass ich in der Schule aufgepasst habe und weiß, dass man nicht einfach so etwas verkaufen kann, was einem nicht gehört. Tolle Ideen habt ihr! Das ist es, was Politik „auszeichnet" und in einem Unternehmen kaum machbar ist: etwas heraus posaunen und schauen, wie „der Pöbel" reagiert. Schämt ihr euch nicht?

Du gibst ja ganz schön viel Geld aus!

In der Schule haben wir neulich gelernt, unternehmerisch zu denken, liebe Mutti. Das hat mir sehr gut gefallen. Geld ausgeben, was man nicht hat, das geht nicht. Es sei denn, ein Vorhaben lohnt sich. Dann geht man zur Bank und leiht sich was. Aber die Menschlein auf der Welt werden zu klein gehalten, als dass sie über den Bankschalter reichen, liebe Mutti. Deswegen bekommen ganz viele große Leute immer mehr Geld und ganz viel kleine Leute Geld aus dem Harz - und zwar bis sie ganz groß und noch ärmer sind. Eine schöne Gegend ist das. Toll! Wann bekomme ich denn mal was ab, damit ich einen gemeinnützigen Verein für hilfsbedürftige junge und alte Menschen gründen kann? Wäre ich Politiker, würde ich auch unternehmerisch handeln und erst einmal die vielen Onkel abschaffen. Dann brauchen die auch keine Schaufeln mehr.

Onkel Wladimir, Onkel Ed O`Wahn und Onkel Donut.

Onkel Barack verlässt das große Haus. Dafür zieht dort Onkel Donut ein. Wusstest Du das? Ich habe ihn im Fernsehen gesehen. Er ist wohl Zahnarzt und ich bin gespannt, welche Zähne er der Welt ziehen wird. Reiten kann er auch. Reitet der künftig mit Onkel Wladimir und Onkel Ed zusammen? Ich bin gespannt, denn nicht nur Baltikum deutet ja schon so einiges auf ein Treffen hin - und zwar auf eines mit ganz viel Feuerwerk. Spart euch lieber das Geld. Ich will kein Feuerwerk. Gebt das Geld lieber den armen Menschen aus dem Harz. Es ist ein Jammer, dass ihr es mit dem Feuerwerken so eilig habt!

Onkel Wladimir ist ständig unterwegs. Er spielt mit ganz großen Krachern, die er an die Menschen verschenkt, indem er sie überall abwirft. Das gibt es ja noch nicht einmal im Kindergarten. Friedensbemühungen sehen anders aus. Ihr werdet wohl nie erwachsen. Ich finde, auch er sollte sein Geld lieber an die Menschen geben und woanders spielen gehen.

Die Onkel mit den Schnurrbärten.

Im letzten Jahr habe ich Dir ja von den Menschen mit den Schnurrbärten berichtet, liebe Mutti. Das werden ja immer mehr - und das nicht erst seit der Wahl in Berlin! Woran mag das wohl liegen? Als ich schrieb, ob die krank wären, lag ich ja wohl nicht so falsch. Vielleicht eine Epidemie? Dagegen gibt es doch bestimmt was von Justitia. Ihr solltet euch mehr Profis holen, also wirklich, liebe Mutti!

Die Armut bekämpfen. Für Freiheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit sorgen.

Weißt Du liebe Mutti, ich glaube euer Problem liegt darin, dass ihr euch alle schwer damit tut, Einigkeit und Frieden auf der Welt zu praktizieren. Das ist aber gar nicht so schwer, liebe Mutti. Wenn das politische System für Einigkeit und Frieden nicht ausreichend ist, muss das politische System reformiert werden - weltweit. Ich weiß, daran sollten (müssen) wir alle arbeiten. Das alles geht nicht nur die Politik etwas an, es betrifft uns alle und es gibt ganz gewiss kluge Leute auf der Welt, die gerne daran mitarbeiten möchten. Nur nach „oben" schauen und die Politik dafür verantwortlich machen gilt nicht. Es gilt, eine Führungsmannschaft als Regierung aufzustellen, die mit Weisheit, Weitblick und gesundem Menschenverstand das politische System reformiert. Dann spiele ich vielleicht auch mit.

Wir fangen jeden Tag neu an - und aus klein wird groß!

Ich weiß, dass Veränderungen zu mehr Miteinander mühselig sind, aber sie lohnen sich. Verbietet Lobbyismus, schaut zu dass ihr neue Freunde findet, die gemeinsam mit euch neue Strukturen aufbauen, die Armut bekämpfen und für soziale Gerechtigkeit sorgen. Ein weltweites Gesetz unter Beachtung von Menschenrechten und Demokratie wäre ein guter Neubeginn. Da können alle mitmachen, die diese Werte beachten. Habt ihr schon? Was hindert euch daran, das umzusetzen. Der Zaster? Ausreden, liebe Mutti. Stellt ihr eben neue Gesetze auf.

Wir schaffen das? Weiter so? Lass und lieber sagen: So machen wir das!
Du kennst ja meinen Slogan: Es geht immer was, wenn alle wollen!

Dein Hans

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