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Wunderstoffe: Zehn Materialien, die unsere Zivilisation ausmachen

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Was macht eigentlich unsere Zivilisation aus? Stoffe! Beton, Glas, Textilien, Metall und viele andere Materialien, so lerne ich in Mark Miodowniks faszinierendem Buch Wunderstoffe: Zehn Materialien, die unsere Zivilisation ausmachen (DVA, München 2016). Ohne diese Stoffe wären wir den Elementen genauso ausgeliefert wie alle anderen Tiere.

"In gewisser Weise werden wir zum Menschen erst durch unsere Kleider, unsere Häuser, unsere Städte und das ganze Zeug, das wir mit unseren Gewohnheiten und unserer Sprache zum Leben erwecken. (Das wird besonders deutlich, wenn man einmal ein Katastrophengebiet besucht)." Wir haben uns die stoffliche Welt erschaffen, sie ist Teil von uns geworden und macht uns umgekehrt, zu dem, was wir sind.

Bevor ich dieses Buch zur Hand nahm, war mir die Wichtigkeit der Materialien überhaupt nicht bewusst, dabei hätten schon die Namen, mit denen wir die verschiedenen Epochen der menschlichen Zivilisation bezeichnen, einen klaren Hinweis darauf geben können: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit - eine Abfolge immer härterer Legierungen.

Das 19. Jahrhundert wurde durch den Stahl bestimmt, erst dieser ermöglichte den Bau von Brücken, Eisenbahnen, Dampfmaschinen und Passagierschiffen. Das 20. Jahrhundert gilt als Silizium-Zeitalter, nach dem Material, das den Computerchip und die Informationsrevolution ermöglichte. Natürlich gab es noch ganz viele andere Materialien, die das 20. Jahrhundert prägten: von den massenproduzierten Glasscheiben zu den Polymeren (aus denen das Zelluloid, der Grundstein fürs Kino, hergestellt wurde) bis zur Keramik, ohne die Ärzte und Zahnärzte heute nicht mehr auskommen.

Wunderstoffe, so der Autor, sei ein Buch für alle, die die stoffliche Welt verstehen wollen, die wir geschaffen haben. Und die darüber hinaus wissen wollen, woher diese Stoffe kommen, wie sie funktionieren und was sie über uns aussagen.

Papier und Beton

Nehmen wir das Papier. Ich denke dabei automatisch an Schreibpapier, an Klopapier jedoch nicht, obwohl der Name doch schon darauf hinweist, dass es sich um Papier handelt. Und so recht eigentlich hätte es nahegelegen, daran zu denken, schliesslich erinnere ich mich noch an Zeiten, in denen es in der Klosterschule, die ich besuchte, üblich war, sich den Hintern mit Zeitungspapier abzuwischen.

Auch Banknoten bestehen bekanntlich aus Papier. Aus sehr speziellem allerdings, um Fälschungen zu verhindern. Konkret: normales Papier besteht aus Zellulose, Banknotenpapier hingegen aus Baumwolle. "Damit ist es nicht nur widerstandsfähiger und überlebt Regengüsse und Waschmaschinen, sondern es hat auch einen anderen Klang: Das frische Knistern des Scheins ist eines der hervorstechendsten Merkmale."

Oder nehmen wir den Beton, ein ungeheuer machtvolles Material. Pulverisiertem Gestein wird Wasser beigemischt und damit wieder in Gestein verwandelt. "Es ist nicht nur eine Bautechnik, sondern eine ganze Philosophie. Es ist der Schlusspunkt eines Kreislaufs, der beginnt, wenn aus dem Erdmantel Berge von Gestein aufsteigen, das wir erst abbauen und dann wieder in künstliche Berge verwandeln, die wir selbst gestalten und in denen wir leben und arbeiten."

Wunderstoffe, so die Verlagswerbung, sei ein Buch, dass uns die Dinge um uns herum mit neuen Augen betrachten lasse - und Begeisterung wecke für die Welt der Kristallgitter, Moleküle und wundersamen Mixturen. Und genau so ist es!