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Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas

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Im Juni 2001 erhielt der Wirtschaftswissenschaftler und langjährige Umweltminister Indonesiens, Emil Salim, einen Anruf von James Bond, dem ehemaligen Leiter der Bergbauabteilung der Weltbank. Ob er bereit wäre, einer unabhängigen Kommission vorzustehen, die prüfen sollte, "ob die Projekte der Bank im Bereich der Förderung der extraktiven Industrien - Öl, Gas, Bergbau - ihrem Mandat entsprachen, die weltweite Armut zu verringern"?

Salim und seine Rechercheure machten sich an die Arbeit und "fanden heraus, dass arme Länder mit grossen Rohstoffvorräten zwischen 1960 und 2000 zwei bis drei Mal langsamer gewachsen waren als die, die keine besassen (...) Während der 1990er Jahre ging es jedem Land, das von der Weltbank Kredite bekam, umso schlechter, je stärker es von extraktiven Industrien abhängig war", schreibt Tom Burgis in Der Fluch des Reichtums (Westend Verlag, Frankfurt am Main 2016).

Mit anderen Worten: Salim und seine Mitarbeiter konstatierten eine Plünderungsallianz zwischen Regierenden und Rohstoffindustrie, die über die Menschen, die an den Orten leben, wo Öl und Mineralien im Boden vorkommen, einfach hinwegtrampeln. Und sie empfahlen, "nur in solche Projekte zu investieren, bei denen die Einnahmen nicht durch korrupte Politiker und Beamte einkassiert oder ins Ausland geschafft würden." Neun Monate später liess das Weltbankmanagement verlauten, es habe die Empfehlungen 'ernsthaft geprüft' ... und natürlich passierte dann so ziemlich gar nichts.

Reiche Ressourcen: Nicht Rettung, sondern Fluch

Dass Afrika reich an natürlichen Ressourcen ist, weiss jeder (und jede). Dass die meisten Afrikaner nicht reich sind, ist genauso bekannt. Tom Burgis ist zum Schluss gekommen, "dass Afrikas reiche Vorräte an natürlichen Ressourcen nicht seine Rettung sind, sondern sein Fluch." Doch wie kommt das? In seinem Buch Der Fluch des Reichtums, in dem er eine beeindruckende Fülle von Informationen verarbeitet hat, ist er dieser Frage nachgegangen.

Dabei hat er herausgefunden, dass rohstoffreiche Länder nicht zu Krieg, Hunger und Korruption verdammt sind (man denke etwa an Norwegen). Und dass es diese Phänomene auch in rohstoffarmen Ländern gibt. Nur eben: In den Ländern, in denen das Öl- und Minengeschäft dominiert, wird die übrige Wirtschaft deformiert. "Die Einkünfte, die die Regierungen aus den Ressourcen ihrer Länder beziehen, werden nicht verdient. Die Staaten tun nichts weiter, als ausländischen Unternehmen die Lizenz zur Förderung von Öl und dem Schürfen nach Erzen zu geben."

Man kann sich füglich fragen, ob man da überhaupt von Staaten sprechen kann. Diese gründen schliesslich wesentlich darauf, dass die Herrschenden zur Finanzierung von Staat und Regierung auf die Besteuerung und damit auf die Zustimmung der Menschen angewiesen sind. Das ist jedoch in Ländern, in denen sich die Herrschenden wie in einem Selbstbedienungsladen aufführen, nicht der Fall.

Guanxi

Neben den Warlords, Konzernen und Schmugglern, gehört das kommunistische China zu den einflussreichsten Kräften auf dem afrikanischen Kontinent. Das chinesische Geschäftsprinzip heisst Guanxi. Das bedeutet einerseits, gut vernetzt zu sein, geht aber andererseits darüber hinaus. Guanxi ist wesentlich die Kunst, sich gegenseitig zu verpflichten. Man erweist jemandem einen Gefallen, mit der Absicht, diesen bei Gelegenheit erwidert zu bekommen.

So schlugen die Chinesen der Regierung von Niger vor, Strassen, Häfen und Ölraffinereien zu bauen. Als Gegenleistung erwarteten sie den Zugang zu Öl, Mineralien und Märkten. "Die chinesische Botschaft kam bei den Leuten in Niger gut an. Obwohl es dieselben Klagen über die chinesischen Unternehmen gab wie überall in Afrika - sie importierten ihre eigenen Arbeitskräfte, und wenn sie örtliche Arbeitskräfte beschäftigten, waren Bezahlung und Arbeitsbedingungen schlecht - , gab es daneben auch deutliche Anzeichen, dass China seine Versprechen in konkrete Taten im Land umsetzte."

Der Fluch des Reichtums zeigt eindrücklich, wie ein Kontinent, nicht zuletzt dank des Fehlens funktionierender Nationalsstaaten, im Namen unserer Konsum-Gier (günstige Handys, billiges Benzin etc.) geplündert wird. "Wenn aber statt Wertgegenständen etwas Unerwünschtes aus Afrika bei uns eintrifft, ist das Geschrei gross." Man denke an die Migranten.