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Könige, Killer und ein Wolf im Wolfspelz

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So recht eigentlich mag man von dem Mann ja wirklich nichts mehr hören. Alles scheint gesagt, bis zum Abwinken. Und überhaupt: Wer geistig und seelisch einigermassen gesund bleiben will, befasst sich möglichst wenig mit einem, von dem offensichtlich ist, dass er all das nicht ist..

Von Donald Trump ist die Rede, über den der freie Journalist Mathias Bröckers König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron (Westend Verlag, Frankfurt am Main 2017) geschrieben hat, einen Text, den ich trotz meines Überdrusses an diesem Ego-Rüpel mit Gewinn gelesen habe.

Mathias Bröckers tritt einen Schritt zurück und erkennt, dass das Verwirrende und Irritierende, das uns aus Washington erreicht, nichts anderes als der alte Kampf um die Macht ist, der nach den immer gleichen Mustern von Intrige und Verrat abläuft, „es ist ein Real Game of Thrones."

Die herrschenden Kreise, die sich in einem Einparteiensystem mit einem demokratischen und einem republikanischen Flügel organisiert hatten, fürchteten einen schweren Machtverlust und bekämpften den Herausforderer im Wahlkampf an allen Fronten. Dieser präsentierte sich als Aussenseiter, der er gar nicht war, denn schon immer hatte er der Elite-Liga angehört, doch eben einem anderen Club.

Kein Kandidat ums Präsidentenamt wurde je so angefeindet wie Donald Trump. Bei Mathias Bröckers klingt das so: „Noch nie war ein Herausforderer im Kampf um den Thron von den Herolden und Einpeitschern so bösartig heruntergeputzt worden wie Donald. Selbst der völlig unterbelichtete König George, den alle nur W. nannten und der ohne Teleprompter keine drei Sätze geradeaus sprechen konnte, war nicht derart angegangen worden, als er einst König Clinton, genannt 'Free Willy', im Amt ablöste."

Ein Buch über Trump ist natürlich auch immer ein Buch über seine Gegner. Und über die ist wenig Erfreuliches zu berichten. Über Obama liest man etwa: „Auch wenn er in seinem letzten Amtsjahr 26,172 Bomben abwerfen liess und damit einen persönlichen Mord-Rekord aufstellte, galt er ja als friedlicher Kerl ...". Es sei voraussehbar gewesen, so Mathias Bröckers, dass Trump diese Barbarei fortsetzen würde. Geändert habe sich eigentlich nur, „dass die Fassade des politisch korrekten Gefasels von 'Werten' und 'Menschenrechten', hinter der sich der alte Imperialismus in neoliberalem Gewand tarnte, verschwunden ist."

Der Kaiser ohne Kleider

König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron handelt wesentlich davon, dass die Politik noch immer ist, was sie seit jeher gewesen ist - ein Kampf um die Herrschaft, der mit allen Mitteln geführt wird - mit dem Unterschied, dass dieses Mal alle sehen können, dass der Kaiser keine Kleider trägt.

Natürlich, es gibt Unterschiede, und die liegen nicht zuletzt in der Persönlichkeit des neuen Königs, diesem „mega-narzisstischen Egomanen" mit rassistischen und sexistischen Tendenzen, von manchen „Donald der Dünnhäutige" genannt. „Doch auch wenn König Donald den tiefen Teller nicht erfunden hat, also mehr dem Machertum als der Demokratie zugeneigt war und letztlich eher auf einen Ganoven als auf ein Genie herauskam, war er natürlich nicht blöd. Er wusste im Voraus, dass der 'Sumpf' der Hauptstadt, dem er im Kampf um den Thron den Krieg angesagt hatte, sich nicht kampflos ergeben würde."

Mathias Bröckers macht auf viele Ungereimtheiten aufmerksam, die mir bislang gar nicht aufgefallen sind. Etwa auf diese: „Tiefenpsychologen und Gehirnwäsche-Experten rätseln nach wie vor über die Frage, wie eine solche Massenhysterie durch einen 'Moslem-Bann' ausgelöst werden kann, während die Bomben auf Moslems diese Massen kalt liessen, obwohl damit in den letzten 15 Jahren 1,5 Millionen Menschen ermordet worden waren. Welche mentalen Verschiebungen, Verdrängungen, Projektionen dazu führen, dass permanenter Massenmord keine Empörung auslöst, aber befristete Einreiseverbote riesiges Entsetzen, haben die Forscher bisher noch nicht herausgefunden."

König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron ist überaus witzige, smarte und ausgesprochen nützliche Aufklärung, die nicht zuletzt klar macht, dass Trumps Gegner sich von diesem und seinen Methoden wenig unterscheiden. Doch wer will schon der Realität ins Auge blicken, wenn man auch benebelt durchs Leben gehen kann? „Mundus vult decipi" nannten das die alten Römer, „Die Welt will betrogen werden."