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Kokainmeere: Die Wege des weltweiten Drogenhandels

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Thomas Fuller berichtete während zehn Jahren für die New York Times aus Südostasien. Zurück in Nordamerika dachte er immer mal wieder an diese Zeit zurück und fragte sich, was er als besonders typisch, ja, als geradezu die Region kennzeichnend empfunden hatte. Die Straflosigkeit. In Asien ist es nämlich oft kein Geheimnis, wer für illegale Abholzungen verantwortlich ist oder wer im Drogenhandel sein Geld macht. Liest man Ana Lilia Pérez' Kokainmeere. Die Wege des weltweiten Drogenhande (Pantheon Verlag, München 2016), hat man den Eindruck, dass das weltweit gilt.

Die mexikanische Journalistin hat eine beeindrückende Fülle von Informationen über den weltweiten Drogenhandel zusammengetragen. Da werden Schlüsselfiguren von Kartellen namentlich erwähnt, da werden grausamste Praktiken beschrieben, da werden Rauschgifthäfen benannt etc. etc.. Woher weiss die Frau das alles?

Weil ihr "Seeleute und andere Kenner der Materie Zugang zu ihren Kreisen verschafften. Weil sie gegen die omertà, die Schweigepflicht verstiessen, um die Öffentlichkeit wissen zu lassen, wie lang der Arm der Mafia tatsächlich ist." Auch vom Zoll, der Polizei und der Marine hat sie Informationen erhalten.

Kokainmeere. Die Wege des weltweiten Drogenhandels ist ein höchst aufschlussreiches Buch. Sicher, von Kolumbien und Mexiko hat in Sachen Rauschgift jeder (und jede) schon mal gehört. Von Panama ebenso. Doch von Costa Rica? Mit seinem Zugang zum Atlantik und zum Pazifik sei das Land "zu einem wichtigen Umschlagsplatz des weltweiten Drogenhandels geworden", schreibt Ana Lilia Pérez.

Mehr noch: Costa Rica ist offenbar auch "ein Paradies für Zuhälter. Man nennt das Land auch das 'Taiwan Amerikas', weil hier insbesondere der berüchtigte Kindersex-Tourismus blüht. Zu seinen Hauptkunden gehören neben Schweizern und Österreichern vor allem betagte US-Amerikaner, die sich die Reisekosten nach Taiwan sparen wollen."

Brasilien - Das neue Paradies des Kokains

Die grösste Nachfrage nach Kokain herrscht in den Vereinigten Staaten. An zweiter Stelle steht Brasilien, das gleichzeitig auch Produktionsland und Durchgangsstation ist. "Belém und Manaos, die stark von der Mafia unterwandert sind, spielen wegen ihrer geografischen Lage eine Schlüsselrolle für die Narco-Routen."

Die Drogenindustrie im Amazonasbecken wächst und wächst. Die Grossgrundbesitzer, die den Eingeborenen einst ihr Land raubten, sind heute auch die Rauschgiftbarone. "Erst sind die Fremden in Brasilien eingefallen und nun die Rauschgifthändler", sagt die Nonne und Theologin Mercedes de Budalles Diez.

In weiten Teilen des Amazonasgebiets ist der Fluss der einzige Verkehrsweg. Der Drogenschmuggel ist umso leichter, je mehr Schiffe unterwegs sind. "Meist sind es keine riesigen Mengen, doch sie werden überall versteckt, sogar unter den Bänken der Fahrgäste. Obwohl jeder Bescheid weiss, wird nur höchst selten etwas beschlagnahmt, denn wegen des hohen Schiffsaufkommens ist es unmöglich. alle Schiffe zu kontrollieren."

90 Prozent des globalen Warenaustausch erfolgt heutzutage per Schiff. über die Weltmeere. Die Kontrollen seien geradezu lax, meint Ana Lilia Pérez, was es den bestens organisierten Kartellen erlaube, mehr oder weniger ungehindert ihren Geschäften nachzugehen.

Das Drogengeschäft ist nicht nur eine Wachstumsbranche, sondern auch eine recht sichere Einnahmensquelle. Gewiss, den Anti-Drogen-Einheiten gelingen immer mal wieder spektakuläre Coups. Und ja, die auf Plünderung von Rauschgifttransporten spezialisierten Piraten sind alles andere als ungefährlich. Doch auf das grosse Ganze bezogen, sind das lediglich kleinere Betriebsunfälle.

Dem riesigen Drogengeschäft mit Polizeimassnahmen beizukommen, ist eine Illusion. Viel zu viele Menschen sind darin involviert, freiwillig oder durch Armut, Gewalt und Erpressung gezwungen. Solange Drogen nicht entkriminalisiert werden, wird sich daran nichts ändern.