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Die Wahrheit über weibliche Depression

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Weibliche Depression? Gibt es die überhaupt? Gibt es nicht einfach nur Depression, männliche wie weibliche? Das und mehr habe ich mich gefragt, als ich Die Wahrheit über weibliche Depression zur Hand nahm. Und erfuhr dann vor allem Grundlegendes über Depressionen, die bei Frauen doppelt so häufig vorkommen wie bei Männern.

"Eine Depression ist ein Symptom, ein Anzeichen dafür, dass an irgendeiner Stelle im Körper eine Unausgewogenheit oder ein Problem besteht, das in Angriff genommen werden sollte." Sie sei eine mentale Erkrankung, doch weder ein ausschliesslich psychologisches noch ein rein neurochemisches Problem, so die Psychiaterin Kelly Brogan.

Konkret: Die mittlerweile landläufige Vorstellung, dass die Depression eine Krankheit sei, die im Kopf entstehe und chemische Antidepressiva das Heilmittel darstelle, hält Kelly Brogan für "meilenweit von der Wahrheit enfernt". Denn Antidepressiva sind gegen Depressionen nicht wirksamer als ein Placebo, ein Scheinmedikament. Doch Placebos wirken, jedenfalls kurzfristig, auf Grund der Erwartungshaltung der Patienten.

Antidepressiva helfen nicht gegen die Depression

Antidepressiva helfen nicht nur nicht gegen die Depression, sie sind potentiell gefährlich. "Das schmutzigste kleine Geheimnis ist die Tatsache, dass Antidepressiva zu den Wirkstoffen gehören, von denen man am schwersten loskommt, schlimmer noch als Alkohol und Opiate." Mehr noch: sie führen "bei der Einnahme über einen längeren Zeitraum zu einer chronischen, hartnäckigen und therapieresistenten Depression."

Antidepressiva werden übrigens "nicht nur bei den klassischen Anzeichen einer Depression eingesetzt, sondern bei einem Sammelsurium unterschiedlichster Störungen." Vom prämenstruellen Syndrom über Zwangsstörungen bis zur Anorexie. Ja sogar bei Arthritis und Migräne. Kurz und gut: die Verschreibung von Antidepressiva ist vor allem lukrativ.

Nur eben: Entgegen dem, was die Bezeichnung Antidepressivum suggeriert, gibt es keine spezifischen Medikamente gegen die Depression. Doch was ist mit dem Serotonin-Ungleichgewicht, von dem man immer wieder hört? Bewiesen worden ist dieses nicht, doch wie viele falsche Vereinfachungen war (und ist) dieses Modell ein beeindruckendes Ergebnis von Marketing.

Laut Kelly Brogan ist die Depression ein Zustand, der oft von Entzündungsvorgängen ausgelöst wird, und keine chemische Mangelerscheinung. "Der machtvollste Weg zum Gehirn - und zum Seelenfrieden - führt durch den Darm", behauptet sie.

Alles ist vernetzt

Doch sie schreibt auch: "Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Das engmaschige Netz, zu dem Darm, Gehirn, Immun- und Hormonsystem gehören, ist schwer zu entwirren. Solange wir diese komplexen Beziehungen nicht vollumfänglich verstehen, sind wir ausserstande, einer Depression vorzubeugen oder sie wirksam zu behandeln."

Was also ist zu tun? Das Übliche. Also das, was einem der gesunde Menschenverstand sagt: sich richtig ernähren, genügend schlafen, sich bewegen etc. "Kaum hatte ich meine Ernährung komplett umgestellt, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel hinzugefügt und begonnen, mich regelmässig zu bewegen und zu meditieren, als meine Symptome dank gesunder Antikörper- und Schilddrüsenwerte völlig verschwanden."

Kelly Brogan plädiert für eine grundlegende, heilsame Veränderung unserer Lebensweise. Dafür erforderlich ist eine neue Sichtweise, die nicht auf Medikamente vertraut, sondern ganzheitlich orientiert ist. Es geht darum, die Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen. Anregungen und Anleitungen, wie das möglich ist, finden sich in Die Wahrheit über weibliche Depression. Warum sie nicht im Kopf entsteht und ohne Medikamente heilbar ist (Beltz Verlag, Weinheim Basel 2016) zuhauf.