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Die Kunst des spielerischen Scheiterns: Wahres Selbstvertrauen gewinnen mit der Clownmethode

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SAD CLOWN
Dick Luria via Getty Images
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Mit "Wie Sie wahres Selbstvertrauen erwerben" ist das erste Kapitel von Michael Stuhlmillers Die Kunst des spielerischen Scheiterns (Kailash Verlag, München 2016) überschrieben. Tipps und Tricks genügen nicht, man muss lernen bei sich zu sein. Und das meint zuallererst: Nicht dauernd daran zu denken, was wohl die anderen von einem halten.

Das wissen wir so recht eigentlich alle, doch wie macht man das praktisch? Zum Beispiel mit Hilfe des Atems: "Wir schaffen uns Luft, indem wir kräftig Luft holen." Schauspieler praktizieren das vor dem Auftritt, denn so kommt man physisch zu sich, entsteht Selbstvertrauen.

"Der Weg zu wahrem Selbstvertrauen geht über den Körper und die Gefühle", behauptet Michael Stuhlmiller und beginnt deswegen seine Kurse "gerne mit einem Tänzchen. Das lockert nicht nur die Stimmung, sondern verschafft allen Teilnehmern die Möglichkeit, Atem zu schöpfen."

Dass man mittels mentaler Einsichten sein Verhalten selten ändern kann, haben womöglich alle schon erlebt. In Stresssituationen versagen regelmässig auch die besten Vorsätze und positivsten Affirmationen. Was also ist zu tun im Konflikt?

"Während sich unser Gegenüber mit hochrotem Kopf in einem Zustand der Auflösung befindet, können wir ihm helfen, seine Achse wieder zu stabilisieren. Das machen wir mithilfe der Zwillingstechnik, also indem wir alles, was er tut, verdoppeln und wiederholen."

Die Kunst des spielerischen Scheiterns ist voller praktischer Hinweise, wie wir uns zentrieren können, damit wir bei uns und möglichst unabhängig von äusseren Ereignissen bleiben. Hier einer der für mich nützlichsten: "Ich habe es mir angewöhnt, stets aufmerksam zu sein, ob ich noch meine Füsse wahrnehme - und damit den Kontakt zum Boden - indem ich ab und zu die Zehen bewege. Sie können davon ausgehen, wenn Sie Ihre Füsse vergessen haben, dauert es nicht mehr lange, bis Sie auch Ihre innere Achse verlieren."

Ziel der Clownmethode ist es, eine stabile innere Achse zu bilden, denn mit einer solchen sind wir imstande, Druck auszuhalten und brauchen ihm nicht auszuweichen. Manchmal gelingt es auch, einen vermeintlichen Nachteil in einen Vorteil zu verwandeln. Dann nämlich, wenn wir einen Perspektiven-Wechsel erfahren.

Hilfreich dabei ist das Prinzip "Legen Sie nicht gleich los". Das kann man üben. Läutet etwa das Telefon, springen Sie nicht gleich auf, sondern lassen es drei oder vier Mal klingeln, bevor Sie antworten. Nicht das Telefon, sondern Sie selber sollen bestimmen, wie Sie sich verhalten wollen.

Auch wenn Michael Stuhlmiller in Die Kunst des spielerischen Scheiterns viele hilfreiche Techniken vorstellt, so geht es ihm letztlich um Grundsätzliches: "Die Clownmethode als Lebensstil." Für ihn ist der Clown nämlich "ein Verwandler, der dafür sorgt, dass wir unsere Sicht aufs Leben ins Positive verwandeln und uns dabei mit innerer Freude und Heiterkeit verbinden."

Dass der Clown sich ganz unbedingt als Verwandler eignet, ergibt sich übrigens auch daraus, dass für ihn die Welt insgesamt beseelt ist. "Er macht keinen Unterschied zwischen Mensch, Handlung und Objekt und ähnelt damit einem Schamanen. Für ihn befindet sich alles in einem ständigen Wechselspiel, das die unterschiedlichsten Dinge miteinander verwebt."

Darüber staunt er. Und wer staunt, verbindet sich mit sich und der Welt. "Staunen führt uns zu der Erkenntnis, dass das, was uns bewegt, auch andere bewegt."

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