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Die Haut, unser grösstes Organ

09/05/2017 08:11 CEST | Aktualisiert 09/05/2017 08:11 CEST

"Sie ist knapp zwei Quadratmeter gross und umhüllt alles, was wir in uns tragen. Die Haut ist unsere Verbindung zur Aussenwelt. Unsere Antenne. Sie kann senden und empfangen, und sie füttert unsere Sinne. Sie ist ein Objekt der Begierde, unsere Grenzschicht, ein faszinierendes Gefäss, in dem unser Leben steckt - und zugleich ein gigantisches Biotop für Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten." Mit diesen Worten beginnt der Dermatologin Yael Adler ihr Hautnah: Alles über unser grösstes Organ (Droemer Verlag, München 2016).

Bereits diese wenigen Sätze machten mir klar, wie beschämend wenig ich von der Haut weiss. Nicht einmal, dass es sich um ein Organ handelt, war mir klar. Neu war mir auch, dass sie ein Gefäss ist. Und so ging ich denn Hautnah: Alles über unser grösstes Organ neugierig und gespannt an. Und wurde vielfältig belohnt.

So lernte ich etwa, dass die Haut uns wie eine Backsteinmauer mit Säurebeschichtung vor Krankheitserregern, Giften und Allergenen schützt und gleichzeitg als Klimaanlage fungiert, also dazu schaut, dass wir weder überhitzen, auskühlen noch austrocknen. Und ich erfuhr, dass die Haut in Epidermis, Lederhaut und Unterhaut unterteilt wird, die alle ihre eigenen Funktionen haben. So verdanken wir etwa der Lederhaut sowohl die zähe Reissfestigkeit als auch die Elastizität unserer Haut.

Hautnah: Alles über unser grösstes Organ ist nicht nur ein informatives, sondern auch ein hilfreiches Buch. Ich jedenfalls werde fortan nicht mehr barfuss in die Sauna gehen, ich werde das tun, was Dermatologen tun. "Die Latschen vor der Sauna abzulegen und barfuss ein paar Meter über den warmen und feuchten Boden zu staksen, auf dem bis zu 1500 infektiöse Partikel liegen, ist für uns Kenner der Fusspilzszene ein absolutes No-Go."

Und Fussinfektionsduschen werde ich künftig auch meiden, nicht nur, weil sie die schützende Hautbarriere auslaugen, sondern weil sich in der Umgebung dieser Duschen viele Pilzsporen finden, "weil niemand die erforderliche Einwirkzeit von etwa fünf Minuten einhält, sondern seine Zehen gerade mal fünf Sekunden darunterhält. So können die Mittel aber nicht wirken, gleichzeitig können Resistenzen gefördert werden."

Hautnah: Alles über unser grösstes Organ gibt unter anderem auch Tipps zur Körperpflege. "Tägliches Duschen ist erlaubt, wenn Sie dabei hauptsächlich Wasser verwenden. Wasser hat einen neutralen pH-Wert und trocknet die Haut weniger aus als Seife. Wenn wir eine Waschsubstanz, sprich ein Duschgel, verwenden möchten, sollte es auf keinen Fall duften, möglichst kaum schäumen und nicht farbig sein."

Überhaupt empfiehlt es sich, in unseren Zeiten des Makellosigkeitsirrsinns gelegentlich den Verstand einzusetzen. So kann etwa die dezente Anwendung von Botulinumtoxin wunderbare Resultate bringen (die Betonung liegt auf dezent), hingegen ist bei Tattoos vor allem Eines angeraten: "Think before you ink!" Unter anderem deswegen, weil Tätowierfarben oft Schwermetalle, Gifte sowie allergieauslösende und krebserregende Stoffe enthalten können.

Unsere Haut verrät ganz viel über uns und oft mehr als uns lieb ist. So lassen sich etwa Gänsehaut oder Schamesröte nicht bewusst auslösen. Auch Stress äussert sich an der Haut als Irritationen, Stresspickel oder Hautinfektionen. Um die Stressanspannung "abzuleiten", greifen einige auch zum Ritzen.

Die Haut wirkt übrigens auch völkerverbindend. Man denke etwa an die erogenen Zonen, die Yael Adler so kommentiert: "Erogene Zonen scheinen weder Sozialisation, sexuelle Orientierung noch Nationalität zu kennen. Es ist also möglich, beim Liebesspiel international erfolgreich seinen Partner zu beglücken, ohne vorher einen Einführungskurs zum Thema regionale Gepflogenheiten besuchen zu müssen."