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Die 10 Prinzipien der Konzentration von Reichtum und Macht

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„Wie viele Träume ist auch der amerikanische Traum zu einem nicht unerheblichen Teil ein Mythos", schreibt Noam Chomsky in seiner Vorbemerkung zu Requiem für den amerikanischen Traum (Verlag Antje Kunstmann, München 2017), in dem er die Ursachen der heutigen extremen Ungleichheit aufzeigt.

Der Traum vom Aufstieg - hart zu arbeiten und es nach oben zu schaffen - hat zu einem gewissen Grad durchaus der Wahrheit entsprochen. Doch das war einmal, er ist längst in sich zusammengebrochen. Doch kann man dazu noch Neues schreiben? Ja, wenn man z.B. die Ausführungen der Citigroup zur Plutonomie zu Rate zieht oder über historisches Wissen verfügt.

Dass wer viel hat, immer mehr will, weiss jeder. Etwas weniger bekannt ist, wie eine Minderheit alles tut, damit es auch so bleiben wird. Noam Chomsky weist in seinem Requiem für den amerikanischen Traum auf 10 Prinzipien hin, welche die Konzentration von Reichtum und Macht gefördert haben und nach wie vor fördern.

Eines dieser Prinzipien lautet: Demokratie einschränken. So hat in den USA seit jeher der Senat die grösste Macht, „war jedoch am weitesten von der Bevölkerung entfernt." Ein anderes Prinzip nennt Chomsky: Ideologie bestimmen. So benutzt man etwa den Vorwurf des "Antiamerikanismus", um missliebige Meinungen abzuqualifizieren. Auf diese Art wird eigentlich nur in totalitären System „argumentiert", man denke zum Beispiel an den Begriff „antisowjetisch", in der vormaligen Sowjetunion der schlimmste Vorwurf überhaupt.

Die Prinzipien, die Noam Chomsky an- und ausführt, werden ergänzt durch Quellen. Darunter finden sich etwa Auszüge aus Aristoteles' „Politik", Malcolm Xs „Demokratie ist Heuchelei" und Adam Smiths „Die Theorie der ethischen Gefühle". Anders gesagt: Hier geht es um die grossen Fragen, die sehr grundsätzlich und sehr einleuchtend abgehandelt werden.

Wir leben in Zeiten des Finanzmarktkapitalismus. In den 1950er-Jahren beruhte die US-Wirtschaft vor allem auf der Produktion. Der Finanzsektor war verhältnismässig klein, die Banken stark reguliert, Finanzkrisen gab es keine. Das änderte sich in den 1970er-Jahren als die Kontrollen abgeschafft wurden, die Produktion eine immer geringere Rolle spielte und der Finanzsektor eine immer grössere.

„In den 1980er-Jahren konnte General Electric mehr Profit mit Finanzspekulationen erzielen als mit seiner Produktion in den USA. Heute ist General Electric im Wesentlichen ein Finanzinstitut. Die Hälfte seiner Profite erzielt das Unternehmen schlichtweg dadurch, dass es auf komplizierte Weise Geld hin und her schiebt. Es ist sehr zweifelhaft, dass das Unternehmen damit einen substanziellen Beitrag zur Volkswirtschaft leistet."

Dass unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem die Reichen reicher und die Armen ärmer macht, ist bekannt. Wie genau dies geschieht, beschreibt Noam Chomsky eindringlich und überzeugend. So propagiert man etwa den Eigennutz und die Eigenverantwortung, will jedoch vor allem die menschliche Solidarität zerstören, denn diese könnte den Herrschenden gefährlich werden. Zudem werden grösste Anstrengungen unternommen, grundsätzlich rationale Menschen zu irrationalen Konsumenten zu machen, denn solche sind harmlos.

Was dieses Buch von anderen zu diesem Thema abhebt, ist die ungemein breite Bildung und aussergewöhnliche Informiertheit des Autors. Da werden Zusammenhänge aufgezeigt, die den Spezialisten verborgen bleiben und man stellt mit Verblüffung und Bewunderung fest, dass es auch heute noch Universalgelehrte gibt.

Requiem für den amerikanischen Traum ist ein nützliches und hilfreiches Buch. Und allerbeste, dringend notwendige Aufklärung!