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Das geheime Leben der Bäume

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TREES WOOD FILTER
Ron Bambridge via Getty Images
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Bäume empfinden Schmerz, haben ein Gedächtnis und tauschen Nährstoffe aus. Sie sind soziale Wesen. Aus denselben Gründen, aus denen auch menschliche Gesellschaften soziale Organismen sind: Gemeinsam geht besser.

Als Kind war mir klar, dass wenn man einem Baum einen Ast ausriss, ihn damit verletzte, ihm weh tat. Heute, im fortgeschrittenen Alter, weiß ich es auch. Instinktiv. In den Jahren dazwischen jedoch habe ich kaum einmal einen Gedanken daran verschwendet.

Gut also, dass es Peter Wohllebens Das geheime Leben der Bäume (Ludwig Verlag, München 2015) gibt, das kenntnis- und detailreich beschreibt, was im Wald so alles geschieht. So erfahre ich etwa, "dass Wälder Superorganismen sind, also ähnliche Gebilde wie etwa ein Ameisenhaufen."

Und ich lerne, dass die dicken Stämme alter Bäume zu begehrten Wohnungen werden können. Spechte hacken Löcher in den Stamm. Dann besiedeln Pilze die Öffnungen, zersetzen das Holz und schaffen so Raum für zahlreiche Käferarten.

Peter Wohlleben, geboren 1964, studierter Forstwirtschaftler und über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung, gewährt vielfältige Einblicke in ein Universum, von dem ich kaum etwas weiß, das mich jedoch zunehmend interessiert.

Nehmen wir den Boden. "In einer Handvoll Walderde stecken mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt. Ein Teelöffel voll enthält allein über einen Kilometer Pilzfäden. All diese Wesen wirken auf den Boden ein, formen ihn um und machen ihn für die Bäume so wertvoll."

Doch was ist eigentlich ein Baum? Laut Duden handelt es sich dabei um ein Holzgewächs mit Stamm, aus dem Äste wachsen. Die Größe ist nicht entscheidend, die Zwergbäume der Tundra werden manchmal in 100 Jahren nicht höher als 20 Zentimeter.

Besonders wichtig ist die Wurzel. "Möglicherweise sitzt hier so etwas wie das Gehirn des Baums. Gehirn? Ist das nicht ein wenig zu weit hergeholt? Möglicherweise, doch wenn wir wissen, dass Bäume lernen können, mithin also Erfahrungen abspeichern, dann muss es dafür auch einen entsprechenden Ort innerhalb des Organismus geben. Wo er sich befindet, weiß man nicht, doch die Wurzeln wären zu diesem Zweck am besten geeignet."

Wenn also Bäume lebende Wesen sind und wir sie fällen und benutzen, töten wir sie dann? "Wir nutzen lebende Wesen, die für unsere Zwecke getötet werden, da gibt es nichts zu beschönigen." Doch ist das verwerflich?

Da wir Menschen Teil der Natur sind und "nur mithilfe der organischen Substanz anderer Arten überleben können" (eine Notwendigkeit, die wir mit allen Tieren teilen), stellt sich so recht eigentlich nur die Frage, "ob wir uns über das notwendige Mass hinaus aus dem Ökosystem Wald bedienen und ob wir Bäumen dabei, analog zur Tiernutzung, unnötige Leiden ersparen."

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