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Auf der Suche nach dem wirklich Wichtigen im Leben

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Robert Kisch hat sich auf die Suche nach dem wirklich Wichtigen im Leben gemacht. Dafür ist er durch Deutschland gereist und hat sich mit sehr unterschiedlichen Menschen über Sinnfragen ausgetauscht. Nicht esoterisch abgehoben, sondern realitätsnah. Dabei herausgekommen ist Glück. Ein Tatsachenroman (Droemer Verlag, München 2016).

Robert Kisch, so die Verlagswerbung, sei das Pseudonym eines preisgekrönten Journalisten. Und da fragt man sich natürlich (jedenfalls frage ich mich), weshalb jemand, der einen oder mehrere Preise verliehen bekommen hat und diese Tatsache erwähnt haben will, sich hinter einem Pseudonym versteckt. Nun gut, vielleicht wollte das der Verlag, der Autor selber nicht. Was das Ganze noch etwas eigenartiger macht, ist, dass der Autor sein Pseudonym anlässlich des Erscheinens von Glück gelüftet hat, was für diese Besprechung jedoch ohne Belang ist.

Wie gesagt, Robert Kisch ist Journalist und er tut, was Journalisten meist so tun. wenn sie sich kundig machen wollen - sie interviewen erfolgreiche Menschen. So besucht er etwa einen berühmten Unternehmensberater, der ihm unter anderem erläutert, "dass das Thema Spiritualität im beruflichen Kontext vor zwanzig Jahren undenkbar war und heute eher schon ein Gütesiegel ist." Kisch, der sich an seine Zeit als Angestellter eines Möbelhauses erinnert, hat andere Erfahrungen gemacht - im Möbelhaus war Spiritualität eher ein Schimpfwort.

Glück. Ein Tatsachenroman zeichnet sich wesentlich dadurch aus, dass hier einer nicht nur einfach Leute befragt, sondern das Gesagte jeweils eigenständig und mit Bezug auf eigene Erfahrungen bedenkt und kommentiert. Das finde ich spannend, wenn auch nicht immer verständlich: "Stille ist nicht die Abwesenheit von Krach, denke ich, sondern die Abwesenheit meines Unbewussten." Da ich mir des Unbewussten nicht bewusst bin, kann ich mir seine Abwesenheit auch nicht vorstellen.

Robert Kisch ist ein ständig reflektierender Mann, voll der besten und zu vieler Vorsätze. Vorgenommen hat er sich etwa, sich gedanklich auf sein Ende vorzubereiten, sein Sterben zu erlernen, indem er dankbar ist. Er bemüht sich, strengt sich an, geht höchst bewusst durchs Leben, denkt ohne Unterbruch - "denke ich" ist die häufigste Wendung in diesem Buch.

Er ist voller Selbst-Ermahnungen. Schweigen will er können. Es gelingt selten. Viel zu viele Gedanken stehen ihm ständig im Weg. Doch er gibt nicht auf. Und manchmal gelingt es ihm. "Aber immer dann, wenn ich es tatsächlich schaffe, ist das, was da ist, genau das, was ich will."

Von einem Physiker, den er dokumentieren will, weil er über den Dingen steht und sein Leben nach dem wirklich Wichtigen ausrichtet, lernt er (und ich), dass das, was diese Welt zusammenhält, Energie ist, "ein Konzept, das man als solches nicht beobachten kann." Er glaube nur, was er sehe, zitiert Kisch ironisch den beliebten Skeptikerspruch. "Ja", sagt der Physiker und lächelt, "aber ich habe noch nie einen Gedanken gesehen."

Bei einem Fest trifft Kisch auf Edina, die ihn von früher kennt. Sie ist verheiratet, die beiden beginnen ein Verhältnis. Er verschweigt ihr, dass er ohne feste Arbeit und Klient beim Arbeitsamt ist. Wohl ist ihm nicht in dieser Beziehung, er führt sie trotzdem weiter, denn so eine Leidenschaft hat er noch nie erlebt. Was dem Autor sehr überzeugend gelingt, ist das Nebeneinander von sehr detaillierten, witzigen und oft selbst-ironischen Schilderungen aus dem Alltag einerseits und seiner spirituellen Suche andererseits.

Glück. Ein Tatsachenroman ist gut erzählt, anregend und reich an hilfreichen Einsichten. Wenn er das tue, was gerade im Moment zu tun sei, so der Unternehmensberater, dann mache ihm das keinen Stress. "Stress entsteht dann, wenn ich daran denke, was noch zu tun ist."

Und die Zen-Meisterin erklärt, dass man lernen müsse, das anzunehmen, was ist. "Sonst ist man immer damit beschäftigt zu sagen: So, wie es jetzt ist, passt es nicht. Der Geist möchte immer springen, er möchte es immer anders haben, als das Leben gerade ist."