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Am Ende das Nichts? Über Auferstehung und Ewiges Leben

05/08/2017 07:59 CEST | Aktualisiert 05/08/2017 07:59 CEST

„Im Titel dieses Buches klingt eine Alternative durch: am Ende das Nichts - oder die Auferstehung der Toten. Es wäre gut, wenn diese harte Alternative heute das Nachdenken über den Tod beherrschen würde. Leider ist das nicht der Fall." So beginnt Gerhard Lohfink sein Am Ende das Nichts? Über Auferstehung und Ewiges Leben (Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2017), dem er dieses Zitat von Nicolás Gómez Dávila vorangestellt hat: „Gott ist das unendlich Nahe und das unendlich Ferne; von ihm lässt sich nicht aus mittlerer Distanz sprechen."

Der Autor war Professor für neutestamentliche Exegese an der Universität Tübringen. Er lebt und arbeitet jetzt als Theologe in der Katholischen Integrierten Gemeinde. Der Frage aller Fragen, „Was kommt nach dem Tod?", nähert er sich mit einem Blick auf Grabsteine. Dass er dabei (und bei Denkern, die sich mit dem Tod auseinandergesetzt haben) vorwiegend auf Wunschvorstellungen stösst, erstaunt nicht, schliesslich ist die Palette dessen, was der Mensch alles zu glauben vermag, so recht eigentlich unerschöpflich.

Anlass zu diesem Buch gaben Fragen wie „Wann beginnt die Auferstehung?" und „Was steht in der Auferstehung eigentlich auf?". Antworten darauf suchte Gerhard Lohfink „nicht in meiner privaten, sehr bedürftigen Weisheit. Ich suche sie im Alten und Neuen Testament, in der Tradition des christlichen Glaubens und in dem, was die grossen Theologen der Vergangenheit und der Gegenwart gedacht haben. Ich suche sie aber auch in der Vernunft, also in einer der höchsten Gaben, die Gott dem Menschen geschenkt hat."

Herausgekommen ist ein überaus anregendes Werk von sprachlicher und gedanklicher Klarheit, das - glücklicherweise - nicht nur auf sogenannt gelehrte Ausführungen Bezug nimmt, sondern auch auf den Krimi-Autor Lee Child oder den Filmregisseur Woody Allen. Dabei macht der Autor deutlich, wofür er steht. „Ich schreibe als christlicher Theologe, das heisst, als einer, der das Wort Gottes auszulegen hat."

Im ersten Teil argumentiert er vorwiegend historisch, im zweiten Teil beschäftigt er sich hauptsächlich mit der theologischen Auslegung von Glaubensfragen, die Basis dafür bildet die Auferstehung Jesu. „Das christliche Wissen um die Eschata, um die 'letzten Dinge', ist nichts anderes als eine Extrapolation dessen, was in der Auferweckung Jesu geschehen ist."

Für den christlichen Theologen Gerhard Lohfink ist klar: „Der Tod wird zur Begegnung mit Gott." Diese sei jedoch nicht nur Fest und Vollendung, sondern auch Gericht. Die Begegnung mit Gott im Tod werde die Begegnung mit der Wahrheit werden, „der Wahrheit über Gott, der Wahrheit über die Anderen, der Wahrheit über die Welt und vor allem der Wahrheit über uns selbst."

Ganz besonders angesprochen haben mich des Autors Ausführungen zur Ewigkeit, die er nicht in weiter Ferne, sondern in der Gegenwart verortet. Die Definition des spätantiken Philosophen Boethius - „Ewigkeit ist der vollständige und zugleich vollkommene Besitz unbegrenzten Lebens" - findet er genial. „Das Geniale an dieser Definition? Es besteht darin, dass hier der Begriff der Ewigkeit unabhängig von der Zeit gedacht wird. Ewigkeit ist die vollkommene und unbegrenzte Fülle von Leben: das reine Sein."

Die Ewigkeit beginnt also Jetzt, Hier und Heute. „In jedem sich anbetenden Verweilen beginnt schon jetzt die Ewigkeit. Und es beginnt eine Ewigkeit, die sich der Welt gerade nicht entzieht, sondern sich ihr ganz und gar öffnet."

Engagiert, eloquent, scharfsinnig und mit Humor nimmt Gerhard Lohfink den Leser mit auf eine hellsichtige Gedankenreise. Am Ende das Nichts? Über Auferstehung und Ewiges Leben ist eine Lektüre, die lohnt.

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