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Abwarten, Tee trinken, weiterreisen!

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TRAVEL ENGLAND
Getty Images
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Als ich im walisischen Cardiff meinen Magister in Journalistik absolvierte, meinte James, mein Mitbewohner in den Studentenunterk├╝nften auf dem Campus, in Taiwan w├╝rde man sich unter Gro├čbritannien ein hoch entwickeltes Industrieland vorstellen. Doch was die ├Âffentlichen Transportmittel anlange, so seien diese in Taiwan wesentlich moderner und vor allem bequemer.

Daran musste ich denken, als ich las wie Billy Bryson den Bus beschrieb, mit dem er von Bognor Regis ├╝ber Littlehampton nach Brighton unterwegs war. "Es handelte sich um einen ├╝berf├╝llten, stickigen Eindecker mit harten Metallkanten und Plastikschalensitzen: ein Vehikel, wie man es erwarten w├╝rde, wenn man von einem Gef├Ąngnis zum anderen transportiert wird."

F├╝r alle, die es noch nicht wissen: "Bill Bryson ist der witzigste Reiseschriftsteller auf Erden." Nicht nur gem├Ą├č The Times, f├╝r die, es soll nicht unerw├Ąhnt werden, er einmal gearbeitet hat, sondern auch gem├Ą├č meiner eigenen Einsch├Ątzung. ├ľfter, lauter und heftiger habe ich jedenfalls schon lange nicht mehr gelacht als bei It's teatime, my dear! (Goldmann Verlag, M├╝nchen 2016).

"Wieder reif f├╝r die Insel"

Der Untertitel hei├čt ├╝brigens "Wieder reif f├╝r die Insel" und ist eine Anspielung aufs erste Bryson-Buch ├╝ber England und die Engl├Ąnder, das, vor mehr als zwanzig Jahren erschienen, ein Bestseller war.

Seither ist der geb├╝rtige Amerikaner Bryson auch englischer B├╝rger geworden, wusste also unter anderem (eine der Aufgaben der Einb├╝rgerungspr├╝fung) auch "Jenson Burton zu identifizieren, (Es hat keinen Sinn zu fragen warum)."

It's teatime, my dear! ist auch eine Reise in die Vergangenheit und eine solche ist nicht immer eine gute Idee, weil sich seither nicht nur ganz viel ver├Ąndert hat (das Haus in Bournemouth, das er einmal mit seiner Frau zusammen bewohnte, war derart umgestaltet worden, dass er es zuerst gar nicht erkannte), sondern noch viel mehr g├Ąnzlich verschwunden ist: Metzgereien, Gem├╝seh├Ąndler, Fischgesch├Ąfte und Eisenwarenhandlungen sind an britischen Hauptstra├čen kaum mehr zu finden.

"Das Schlimmste am ├älterwerden ist die Erkenntnis, dass es in Zukunft nur noch bergab geht. So schlecht es mir heute gehen mag, ich bin topfit im Vergleich dazu, wie es mir n├Ąchste oder ├╝bern├Ąchste Woche gehen wird."

Was im Falle von Bill Bryson auch mit dem Älterwerden einher geht, ist eine klar deklarierte Abneigung gegenüber Prominenten, "deren gemeinsamer Nenner winzige Gehirne, riesige Brüste und die Gabe, sich auf bedauernswerte Beziehungen einzulassen, zu sein schien."

Von Idioten umzingelt

├ťberhaupt geht diesem Grantler ziemlich viel (und h├Ąufig nachvollziehbar) auf den Geist (etwa dass die Vorg├Ąrten in London verschwinden, um Autos Platz zu machen), auch w├Ąhnt er sich h├Ąufig von Idioten umzingelt.

Er regt sich derma├čen oft auf, dass er ohne seinen Humor wohl schon l├Ąngst wahnsinnig geworden w├Ąre. Was ihm auch hilft, nicht vom seinem "krankhaften Geschimpfe" aufgefressen zu werden, sind Spazierg├Ąnge in der wundersch├Ânen Landschaft.

Neben ganz viel Informativem (etwa dass der Mount Everest nach einem Mann benannt ist, der diesen Berg gar nie gesehen hat), ist es Brysons Sinn f├╝r die Absurdit├Ąten und Zuf├Ąlligkeiten des menschlichen Lebens, die It's teatime, my dear! auch zu einer wertvollen Lekt├╝re macht.

Dabei fallen dem Mann Sachen auf, die anderen offenbar entgehen. Etwa den Plan des Landschaftsarchitekten Geoffrey Jellicoe, ausgerechnet in Motopia einen Ort ohne Autos zu schaffen.

Ein lehrreiches Buch

It's teatime, my dear! ist ein ausgesprochen lehrreiches Buch. Mir jedenfalls war vollkommen neu (Bill Bryson ├╝brigens auch), dass K├╝he gef├Ąhrlich sind und viel mehr Menschen t├Âten als etwa Stiere. Oder dass Gilbert Whites Verherrlichung der Natur, "The Natural History and Antiquities of Selborne", das am vierth├Ąufigsten ver├Âffentlichte Buch in englischer Sprache ist.

Haben Sie sich schon einmal ├╝ber britische Ausspracheregeln gewundert? Nehmen wir "ein Wort wie colonel, das eindeutig kein "R" enth├Ąlt, aber trotzdem so ausgesprochen wird, als w├╝rde es eines enthalten."

Laut Bill Bryson ist unsystematisch zu sein, den Briten eigen und "verleiht dem Leben eine Vielfalt und Unvorhersehbarkeit, die selbst das simpelste Unterfangen zu einer Herausforderung mit ungewissem Ausgang macht."

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