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Hannes Schleeh Headshot

Google Glass Reparatur - erweckt Frankenstein Datenbrille zu neuem Leben

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 Meine Google Glass nummer 2.JPG

Meine erste echte Google Glass habe ich am 15. Mai 2015 persönlich beim Verkäufer in der Nähe von Mannheim abgeholt. Ich hatte ja 2013 schon eine aus dem 3D-Drucker auf der re:publica 13 getestet. Die erste war nur noch ohne echte Brillengläser, die ich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht brauchte.

Erstes Bild mit Google Glass Nummer 1.JPG

Leider hat sie nur bis Juni 2015 gehalten. Durch einen Bruch der Leiterbahn zur Batterie hat der vordere Teil keine Energie mehr bekommen. Alle Wiederbelebungsversuche inklusive eines sechsmonatigen Aufenthalts an der Technischen Hochschule Ingolstadt konnten die Hightech-Brille nicht wieder zum Leben erwecken.

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In dem Blogpost "Gebrauchte #GoogleGlass wird zum teuren Elektronikschrott- kein Austausch keine Reparatur!" hab ich meinem Unverständnis über die Verweigerung einer Reparaturmöglichkeit freien Lauf gelassen. Google ist ein Software und Algorithmen Unternehmen und kann einfach nicht mit Hardware umgehen.

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Die Möglichkeiten, die man mit einem Smartphone auf der Nase hat, machen dann doch ein wenig süchtig! Also musste eine neue Google Glass her. Wie schon bei der ersten, wurde ich am 28. August 2015 zum zweiten Mal auf Ebay-Kleinanzeigen fündig. Bei nur fünf Euro mehr kam das "neue" Modell mit einem zusätzlichen Brillengestell. Inzwischen hatte ich auch meine erste richtige Brille vom Optiker bekommen und deshalb konnte eine zweite "richtige" Brille nicht schaden.

Echte Brillengläser für Google Glass Nummer 2.JPG

Auch für das Optik Studio am Lenbachplatz in Schrobenhausen war es die erste Datenbrille, die dort mit echten Brillengläsern ausgestattet wurde.

Mit derGoogle Glass in China unterwegs.JPG

In China war die Datenbrille der Renner und hatte sich auf der Delegationsreise im November 2015 zu meinem Markenzeichen entwickelt, wie ich im März 2016 aus den vielen Nachfragen unserer chinesischen Freunde nach der Datenbrille entnehmen konnte.

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Im Juni 2016 ging es wieder einmal nach Peking. Dort habe ich für die Jesuitenausstellung in Ingolstadt den dortigen Jesuitenfriedhof mit meiner neuen 360° Kamera erfasst. Wie man auf den 360° Bilder sehr schön sehen kann hat es geregnet wie aus Eimern. Juni ist kein guter Monat für Datenbrillen! Da muss ich in diesem Jahr wohl besser aufpassen!

Bildschirmfoto 2017-02-04 um 17.53.35.jpg

Ich habe niemals gedacht, dass das meiner Google Glass was ausmachen könnte. Robert Scoble hat die schließlich unter der Dusche aufgehabt und der ist nichts passiert.

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Aber nach über einer Stunde im strömenden Regen war die Datenbrille aus. Ich konnte sie danach zwar wieder einschalten, bekam aber nur noch einen komplett grünen und später blauen Bildschirm. Weder ein Bild noch ein Ton waren dem naß geregnetem Teil zu entlocken.

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Diese Woche habe ich es dann gewagt. Sieben Monate ohne Google Glass waren lange genug. Eine dritte kaufen kam nicht infrage. Also entweder zwei zerlegte defekte Datenbrille oder eine die funktioniert.

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Zwei Stunden Operation am offenen Herzen unter der Lupenlampe. Da muss man schon etwas Gewalt anwenden, um die verklebten Plastikteile ab zu bekommen. Wie man die Google Glass auseinander nimmt, konnte ich sehr gut auf der Internetseite catwig.com  nach vollziehen.

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Die Jungs haben Pionierarbeit geleistet. Mit den hoch auflösenden Bildern der Seite konnte ich an die defekten Teile heran kommen. Einen kurzen Schreck musste ich hinnehmen, als ich erkennen musste, dass meine erste Google Glass ein Mainboard aus 2013 und die Wassergeschädigte aus 2014 war.

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Daher passten nicht alle Anschlüsse und einer blieb unverbunden. Denn ich habe den hinteren Teil (Akku und Knochenschall-Lautsprecher) der neuen Google Glass mit dem vorderen Teil der älteren verbinden. Auch die WLAN Antenne musste ich etwas kappen, da ich den Batteriebügel nicht öffnen wollte. Man bekommt ihn hinterher nicht mehr ordentlich zu.

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Meine Erwartung an ein mögliches Ergebnis waren sehr gering. Aber die fertige Frankenstein Google Glass konnte sich sogar optisch sehen lassen. Nur unten am Bügel ist eine leicht aufgebogene Stelle im Plastik, die aber niemand sehen kann, wenn ich die Brille aufhabe.

Frankenstein Google Glass Januar 2017 22.jpg

Dann der Versuch die Brille anzuschalten. Spannung hoch drei! Siehe da es kommt ein Bild von einer roten Batterie im Display. Klar, die Batterie war nach so langer Zeit vollständig entladen. Also ran an das Original Google Glass USB-Kabel und warten bis genügend Saft im Akku ist. Dann konnte ich die Datenbrille problemlos einrichten.

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10210107986068479&set=a.3032528644538.2138560.1002554470&type=3

Dr. Thomas Schwenke hat mich mit seinem Kommentar dann noch richtig zum Lachen bekommen. Seine Doktorarbeit hat er über das recht im Zusammenhang mit Datenbrillen geschrieben. Ich durfte auch einen kleinen Teil dazu beitragen.

kommentar-dr-thomas-schwenke

Wer die sehr interessante und tief gehende Doktorarbeit von Thomas lesen möchte, kann sie sich kostenlos auf seiner Internetseite herunterladen. Einfach auf das Bild klicken!

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So jetzt noch ein Vignettenbild von mir eben im Auto dann muss die gute Frankenstein Google Glass wieder an das Ladegerät. So ein klitzekleiner Akku hält halt nicht ewig!

Hannes Schleeh im Rückspiegel Selfie mit der Frankenstein Google Glass.jpg

Crosspost von schleeh.de

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