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Warum mein Kind mit den Händen essen darf

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Mit 6 Monaten haben wir angefangen, unserem Baby Beikost anzubieten. Nicht in Form von traditionellem Brei, sondern als Fingerfood. Er isst also mit den Händen. Mit dem richtigen Hochstuhl ist das kein Problem, auf dem Tablett kann er rummatschen und Sachen fallen lassen.

Ich hatte das für ganz normal gehalten. Nun sind wir seit 2 Monaten in der Kita und essen gemeinsam mit anderen Kindern zu mittag. Und plötzlich ist der Rubbelbatz der einzige, der diese riesen Sauerei am Mittagstisch macht.

Mein Kind isst mit den Händen - ein Problem?Alle anderen Kinder essen mit dem Löffel

In unserer Kita, wo wir gemeinsam mit anderen Kindern und Eltern zu mittag essen, sind alle Kinder entweder älter oder sehr viel jünger als er. Bis auf ein Mädchen - und ratet mal, die isst mit Löffel und Gabel. Und zwar bemerkenswert gut.

In einem Vier-Augen-Gespräch wies mich dann auch eine der Erzieherinnen darauf hin, dass mein Kind nun alt genug sei, um mit dem Löffel essen zu lernen. Ich müsse ihm nur konsequent verbieten, mit den Händen ins Essen zu fassen. Sie habe das bei vielen anderen Kindern in dem Alter beobachtet. Ich war erst einmal perplex.

Bisher wäre ich im Traum nicht auf die Idee gekommen, ihm das zu verbieten. Ich bedankte mich für den Rat, wies aber auch gleich darauf hin, dass ich das wahrscheinlich nicht machen werde.

Die Hände als natürliches Werkzeug

Tatsächlich ist es in der natürlichen Entwicklung meines Wissens nicht vorgesehen, irgendwann mit Besteck zu essen. Es gibt Kulturen, da lernen Kinder das nie, weil es kein Besteck gibt. In anderen wird mit Stäbchen gegessen. Das Essen mit dem Löffel ist also eine kulturelle Errungenschaft, die zudem sehr viel Feinmotorik erfordert.

Die Hände dagegen sind dem Menschen angeboren und ein Kind lernt auf natürliche Weise und im eigenen Tempo, sie richtig zu benutzen. Im Gegensatz zum Löffel sind die Finger mit sensorischen Zellen ausgestattet.

Das heißt, was wir mit der Hand berühren, das fühlen wir. Wir können es be-greifen im wahrsten Sinne des Wortes. Für eine gesunde Entwicklung von Kindern ist es wichtig, ihre Umgebung - und dazu gehört auch das Essen - begreifen zu können. Sie möchten ihre Umgebung mit allen Sinnen erfahren und kennen lernen.

Mit den Händen essen macht Spaß

Auch der Spaß am Essen wird auf diese Weise fast garantiert. Denn selbst, wenn das Kind kein großer Esser ist, es wird trotzdem eine positive Beziehung zu Nahrungsmitteln aufbauen können, wenn es damit spielen darf. Welchen Grund gibt es also, dass ich meinem Kind diesen Spaß verwehren sollte? Mir fällt nur ein einziger ein: Gesellschaftliche Zwänge.

Es wird von mir erwartet, dass es mir unangenehm ist, wenn mein Sohn eine solche "Sauerei" macht beim Essen. Und ratet mal: als gutes, angepasstes Mitglied der Gesellschaft ist es das auch manchmal!

Trotzdem möchte ich ihm das Essen mit den Händen nicht verbieten. Ich möchte nicht meine sozialen Bedürfnisse über seine Entwicklung und sein Wohlbefinden stellen. Denn ich weiß, dass er eines Tages lernen wird, mit Messer und Gabel zu essen, ohne dass die Hälfte auf der Hose landet. Warum er das lernen wird? Kinder lernen am Vorbild und - es wird euch überraschen - mein Mann und ich essen mit Besteck.

Das war übrigens auch meine verabschiedende Aussage an die Erzieherin: "Er wird lernen, mit Besteck zu essen, das kann ich dir versprechen." Und bis dahin putze ich gerne seinen Platz nach dem Mittagessen.

Ab wann kann ein Kind mit Besteck essen?

Laut Dr. Google ist es physiologisch und entwicklungsgemäß so, dass ein Kind mit 16 Monaten nur in Ausnahmefällen mit dem Löffel essen kann. Die Handgelenksknochen härten erst mit ca. 18 Monaten komplett aus. Vorher kann mein Kind das Handgelenk nur schwer so abknicken, um den Löffel richtig zum Mund zu führen. Ab ca. 15 Monaten tun das viele Kinder zwar schon (auch unserer), allerdings drehen sie den Löffel vor oder im Mund dann um. Im Ergebnis ist das eine größere Sauerei, als die Hände zu nutzen.

Erst mit ca. 2 Jahren sind Kinder dann so weit, dass sie gut mit dem Löffel essen können. Bis 2,5 Jahre ist es ganz normal, dass sie weiterhin gerne mit den Händen ins Essen fassen. Einfach, um zu spüren, wie es sich anfühlt.

Ob man das dann verbietet oder nicht, muss jeder selbst wissen. Ich werde das situationsabhängig machen - d.h. im Restaurant oder bei Freunden möchte ich das vielleicht weniger, bei uns zu Hause kann er dagegen so lange experimentieren, wie er möchte. Denn der Satz "Mit Essen spielt man nicht" ist für mich längst überholt. Als Kind spielt man mit Allem. Punkt.

Erst wenn ein Kind 3 Jahre alt ist, lohnt es sich übrigens, Tischmanieren konsequent einzufordern. Vorher vergessen die Kleinen viele Dinge einfach wieder, z.B. Hände vorher waschen, gemeinsam anfangen, keine unappetitlichen Anblicke für andere.

Wie macht ihr das bei euren Kindern? Ab wann haben sie "sauber" gegessen? Verbietet ihr irgendwann, dass sie mit den Händen ins Essen fassen?

Dieser Beitrag ist im Original erschienen auf Rubbelbatz.de.

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