BLOG

Warum ich an meinem 21. Geburtstag keine Shots trinken werde

10/01/2016 14:34 CET | Aktualisiert 10/01/2017 11:12 CET

Heute ist mein 21. Geburtstag, ein Tag, auf den ich mich nun seit einiger Zeit gefreut habe. Aufgrund einen Vorfalls, der sich vor etwa sechs Monaten ereignete, werde ich heute keine Geburtstags-Shots trinken oder mich heute Abend betrinken. Stattdessen werde ich mit meinen engsten Freunden und meiner Familie zu Abend essen und vielleicht ein Glas Wein trinken.

Ich schreibe das, weil ich nicht wusste, wie wichtig es ist, verantwortungsvoll zu trinken, bis ich aus dem Koma aufwachte. Und ich will nicht, dass irgendjemand das durchmachen muss, was ich und meine Familie durchgemacht haben. Ich bitte euch, das mit euren Freunden, Familien oder jemanden, der davon profitieren könnte es zu lesen, zu teilen. Wenn ich auch nur einer Person helfen kann, indem ich meine Erfahrung teile, wäre ich absolut glücklich.

hanna lottritz krankenhaus

Reno, Nevada - 26. Juli 2015: Ein Foto aus der Notaufnahme, eine Stunde nach dem ich im Renown Krankenhaus angekommen bin. Zu diesem Zeitpunkt reagierte ich auf keinerlei verbale oder körperliche Stimuli und die Maschine atmete für mich. Ich war vollständig unansprechbar.

27. Juli 2015: Das erste, an das ich mich erinnern kann, ist wie meine Mutter meine Hand hielt und mir sagte, dass alles gut wird. Ich dachte ich träume. Alles war neblig. Ich verlor in den nächsten Stunden immer wieder das Bewusstsein. Ich wachte gerade aus einem 24-stündigen Koma auf.

Am Morgen des 25. Juli 2015 dachte ich, ich würde einen lustigen Tag und Abend mit meinen Freunden auf dem Country Music Festival in Yerington, Nevada verbringen. Ich wachte auf, frühstückte und startete in die wohl schlimmsten 48 Stunden meines Lebens.

Der erste Teil des Tages war sehr gut. Wir trafen viele neue Leute, spielten Kicker und hatten eine wirklich gute Zeit. Nach dem Abendessen gingen wir zu dem Konzert von Joe Nichols und Jake Owen. Dort trank ich zwei Bier. Viele der Leute, mit denen ich abhing, tranken schon den ganzen Tag und waren bereits richtig gut drauf. Ich hatte erst nach dem Abendessen angefangen zu trinken und fühlte mich etwas hinten dran.

Meine Probleme fingen nach dem Konzert an. Ich spürte ein leichtes Dröhnen und driftete von den Leuten, mit denen ich auf dem Konzert war, ab. Letztendlich kam ich auf einen Zeltplatz, auf dem ich einige meiner alten Freunde wieder fand.

Ich bin von Natur aus ein wetteifernder Mensch und versprach (aus irgendeinem Grund), dass ich die Gruppe, die fast ausschließlich aus Jungs bestand, unter den Tisch trinken zu können. Um etwa 23.30 Uhr wetteten ein Freund und ich, wer von uns das meiste aus einer Flasche "Black Velvet Whiskey" auf Ex trinken kann.

26. Juli 2015: Alles was sich nach Mitternacht abspielte, beruht auf den Informationen, die ich von Freunden habe, denn ich habe absolut keine Erinnerungen mehr daran. Anscheinend habe ich, nach dem ich von der Flasche getrunken hatte, einen ganzen Becher "Black Velvet Whiskey" geext.

Direkt danach sagte ich meinen Freunden, dass es mir gut ginge und etwa fünf Minuten später brach ich zusammen. Ich atmete nicht. Meine Freunde trugen mich zum Ärzte-Zelt. Dort wurde ich intubiert und ins Renown Krankenhaus in Reno, Nevada per Hubschrauber geflogen. Währenddessen tauchte die Polizei bei meinen Eltern auf, um ihnen zu sagen, dass ich im Krankenhaus sei.

Ich war in einem kritischen Zustand, litt unter einem akuten Atemversagen und einer Alkoholvergiftung. Mein Blutalkoholwert betrug 0,41 Prozent, also etwa vier Promille, als ich im Krankenhaus ankam. Das ist etwa fünf mal höher als die Promillegrenze. Die Ärzte dachten ich sei hirntot, weil ich nicht ansprechbar war. Meine Pupillen reagierten nur träge, ich hatte keinen Lidreflex und reagierte nicht auf verbale oder körperliche Stimuli.

Ich wachte schließlich 24 Stunden, nachdem ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde, auf. Ich hatte einen Schlauch im Hals und meine Hände waren festgebunden, so dass ich ihn nicht rausziehen konnte. Ich konnte mit dem Schlauch im Hals nicht reden, so dass ich weder meinen Eltern noch den Schwestern sagen konnte, dass ich mich extrem unwohl fühlte. Ich musste einen Atemtest machen, um zu beweisen, dass ich alleine atmen konnte, bevor sie ihn entfernten. Ich schaffte den ersten Test nicht, so dass ich einige Stunden warten musste, um einen zweiten machen zu können.

Als ich den zweiten Test bestand und sie den Schlauch entfernten, sagten mir die Schwestern und Ärzte, wie glücklich ich sein konnte, dass ich am Leben sei. Sie erzählten mir, dass sie dachten ich würde die Nacht nicht überleben. Sie fragten mich, ob ich ich mich damit umbringen wollte, so viel zu trinken. Diese Frage traf mich am meisten.

In meinem Krankenhausbett in der Intensivstation, wurde mir erstmals klar, wie ernst man den unverantwortlichen Umgang mit Alkohol nehmen sollte. Als ich am nächsten Tag aus dem Krankenhaus entlassen wurde, realisierte ich, dass sich meine Einstellung gegenüber Alkohol für immer verändert haben würde.

hanna lorritz handgelenke

Reno, Nevada - 5. August 2015: Blutergüsse, die durch die Handfesseln entstanden, die mich davon abhalten sollten, den Beatmungsschlauch rauszuziehen. Das Bild wurde einige Tage, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde aufgenommen.

Ich hörte einige Gerüchte darüber, was mir passierte. Ich hörte ein Gerücht, dass ich eine Überdosis Drogen genommen hätte (Die Bluttests wiesen keinerlei Drogen in meinem Körper nach). Jemand erzählte einem Freund sogar, ich sei gestorben. Ich erhielt Nachrichten von Leuten, die mich fragten was passiert sei und ob es mir gut ginge.

Dieses Ereignis zeigt mir, wer für mich da ist, weil er sich wirklich Sorgen macht und wer sich nur meldet, weil er neugierig ist, was passiert ist. Neben der Handvoll Menschen, die sich nicht wirklich sorgten, gab es so viele Menschen, die sich aufrichtig um meine Gesundheit und Sicherheit sorgten. Ich schätze jeden dieser Menschen und kann ihnen gar nicht genug danken.

Laut der Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Jugendliche und junge Erwachsene "Kenn dein Limit" wird das Rauschtrinken oder auch "Komasaufen" ab etwa vier bis fünf Getränken bei einem Anlass definiert. Starkes Trinken wird bei Männern ab 15 Getränken pro Woche, bei Frauen ab acht oder mehr Getränken pro Woche festgestellt.

Die Kampagne schreibt auch: "Sehr hohe Konzentrationen von Alkohol im Körper kann zum Versagen von wichtigen Gehirnregionen führen, die die Atmung, Herzfrequenz und die Körpertemperaturen regeln und so zum Tode führen können."

In Deutschland sterben täglich etwa 202 Menschen an den Folgen von riskanten Alkoholkonsum. Ich bitte euch nicht für immer und ewig auf Alkohol zu verzichten, denn das wär unsinnig, aber bitte versucht das "Komasaufen" oder exzessives Trinken zu vermeiden, denn die daraus resultierenden Folgen sind es nicht wert.

Die Situation hätte so viel schlimmer sein können. Zu meinem Glück hatte ich tolle Menschen um mich, als all das passierte. Ich hätte sehr leicht ausgenutzt werden können, als ich das Bewusstsein verlor. Ich hätte allein gelassen werden können, um meinen "Rausch auszuschlafen". Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe: "Lasst sie ihren Rausch ausschlafen, morgen früh gehts ihnen wieder gut." Ich bin heute nur am Leben, weil mir meine Freunde geholfen haben.

Geht kein Risiko ein, wenn ihr einen Freund seht, der bewusstlos wird, weil er zu viel getrunken hat. Besorgt ihm so schnell wie möglich Hilfe. Ich bin sehr froh, dass ich mich vollständig erholt habe, aber ich weiß, dass es andere gibt, die nicht so viel Glück hatten.

Also bitte, trinkt verantwortungsvoll und schaut, dass eure Freunde es auch tun. Achtet auf Freunde, Familie oder auch Fremde und kümmert euch um sie, wenn ihr den Verdacht habt, sie könnten eine Alkoholvergiftung haben. Kennt die Symptome und seid vorsichtig.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Huffington Post US und wurde von Katharina Geiger ins Deutsche übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Video: Hunderttausende Opfer von Alkohol und Tabak: Legale Drogen töten mehr Menschen als Heroin oder Crack

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft