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Was bringt die Digitalisierung?

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DIGITAL ARBEITSPLATZ
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Zwei unterschiedliche Ebenen sind hierbei entscheidend: zum einen Arbeitsprozesse, zum anderen die Auswirkungen auf den Alltag. Wenn wir heute unsere Wohnung per Smartphone öffnen, sogar die Heizung regulieren und gleichzeitig die spielenden Kinder überwachen können, ist die Digitalisierung bereits im Alltag angekommen.

Sie wird dort angewendet, wo ein klarer Nutzen zu erkennen ist und natürlich, um das Leben zu vereinfachen. Hier scheint sich auch eine wichtige Entwicklung für die Zukunft abzuzeichnen: das Verschwimmen von privat und Beruf. Zeigte man früher sein Einkommen oder Wohlstand durch Statussymbole wie teure Autos oder Uhren, zählt dies für die Generation der unter Vierzigjährigen nicht mehr in dem Maße.

Da gelten denn eher die Tage im Homeoffice als Statussymbol oder ein neues technisches Gimmick, das die Arbeit erleichtert, als State oft he Art. Aus diesem Grund ist gerade diese Generation Weiterentwicklungen gegenüber aufgeschlossen - vom E-Auto bis zum Smarthome.

Digitalisierung bewegt

Die Treiber der Entwicklung möchten etwas bewegen. Die Arbeitsumwelt soll angenehm gestaltet werden, aber auch Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen werden entwickelt, die Mensch und natürlich der Umwelt langfristig nutzen. So muss man im Bildungsbereich auch in Deutschland nicht mehr täglich in die Uni gehen, um sich Lerninhalte einzuverleiben oder sich einfach nur in ein spezielles Thema einzuarbeiten.

Das ist auch über Online-Kurse möglich. Auch für die Wartung von Geräten muss heute seltener jemand ins Haus oder Büro kommen, es gibt Fernwartung per PC. Im optimalen Fall bereits so verknüpft, dass das Gerät selbst die Wartung veranlasst. Aber die Digitalisierung verläuft nicht ganz ohne negative Folgen, wenn nicht aufgepasst und gegengesteuert wird.

Aus einem Interview, das die Bertelsmann-Stiftung mit dem ehemaligen Arbeitsminister der Clinton-Administration, Robert Reich, führte, geht die Sorge mit gleichzeitiger Mahnung einher. „Wer will schon in einer Volkswirtschaft leben, in der Roboter alles erledigen, was sich verlässlich im Voraus programmieren lässt und in der alle Gewinne an die Eigentümer der Roboter fließen? Die Menschen erledigen dann nur die Arbeit, die unvorhersehbar ist" [...] Das Problem ist in der Tat, dass es nicht nur um das reine Ersetzen der Arbeitskraft gehen darf.

Es kommt darauf an, dass hinter der Entwicklung auch immer ein klarer Nutzen stehen muss, für alle Beteiligten, sonst wird Digitalisierung irgendwann in den Ruf kommen, zwar viele Probleme gelöst, aber auch erst einige neue geschaffen zu haben. Insofern ist der Einsatz richtig, gleichzeitig bedarf es aber auch der gezielten Weiterbildung von Mitarbeitern, damit diese auf die Veränderungen durch „Industrie 4.0" vorbereitet sind. Durch die Digitalisierung werden sich nicht nur Arbeitsinhalte, sondern auch die Anforderungen ändern.

Deshalb ist auch Weiterbildung einer der wichtigsten Faktoren bei einer erfolgreichen Umsetzung, wodurch nicht zuletzt auch die Akzeptanz bei Arbeitnehmern erhöht wird. Ziel all dieser Maßnahmen sowohl im Bereich Technik wie auch der Weiterbildung ist eine Effizienzsteigerung, direkt durch Beschleunigung und Systematisierung von Abläufen. Aber nicht nur das: Auch die Schonung von Ressourcen ist ein wichtiges Element.

Zwar wird dies derzeit verstärkt für den Gebrauch im privaten Umfeld diskutiert, siehe Smart Metering, dies ist jedoch genauso auf Unternehmen anzuwenden, auch dort können die Effekte ganz erheblich sein. So können Maschinen „mit Gedächtnis" so konzipiert werden, dass sie genau ihren Bedarf an Rohstoffen oder Strom kennen und diesen exakt regulieren können.

Allerdings ist gerade bei der industriellen Produktion noch nicht ganz klar abzusehen, wie groß der Einsparungseffekt tatsächlich ist, hierzu fehlen noch entsprechende Studien, die die Potenziale auch genau darlegen.

Digitalisierung für den Mittelstand

Gerade mittelständischen Unternehmen bietet die Digitalisierung gute Chancen, neues Terrain zu erobern. Doch bevor man sich für Maßnahmen entscheidet, sollte der Markt nach den Möglichkeiten oder nach guten Beispielen „gescannt" werden. Wichtig ist, die Wertschöpfungsketten von Lieferanten, Produktion bis hin zu Abnehmern genau zu analysieren. Arbeitsabläufe sind ebenso entscheidend wie die eingesetzte Technik und eventuell bereits vorhandene digitale Elemente beispielsweise im Bereich der Produktion.

Die grundsätzliche Frage lautet dann: Weiterentwicklung oder Entwicklung neuer Geschäftsmodelle? Dabei muss geprüft werden, inwieweit digitale Aktivitäten in den existierenden Geschäftsprozess integriert werden können. Dies hängt vom Wettbewerb und von den Kundenwünschen ab.

Häufig reicht eine Weiterentwicklung aus, dabei sollten Optimierungspotenziale sowohl in der Produktion wie in der Administration erkannt und ausgeschöpft werden.

Digitalisierung kann dann nicht nur im werbewirksamen privaten Umfeld, sondern auch gerade bei Industrie, Handel oder Dienstleistungen neue Potenziale freisetzen.

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