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Aus Software wird Service

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Thomas Barwick via Getty Images
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Was hat SEPA mit Software as a Service zu tun? Auf den ersten Blick rein gar nichts, auf den zweiten Blick sehr viel. Die Umstellung der Kontendaten war eine Herausforderung für Unternehmen. Für Geschäftskunden galt eine Umstellungsfrist bis August 2014, für Privatkunden bis Februar 2016.

Geschäftsleute mussten in diesem Zeitraum große Datenmengen anpassen, dies betraf nicht nur die Finanzinstitute, sondern auch viele Händler, Berater, Servicedienstleister und auch Industrieunternehmen. Die SEPA-Umstellung war also eine große Herausforderung, gerade um die Lastschriftumstellungen zu bewerkstelligen, und hier kommt Software as a Service (SaaS) ins Spiel.

So baute die Firma TIS aus Walldorf ihre Cloud-basierte Zahlungsplattform mit einem Kundenverwaltungstool aus. Mit diesem System war es relativ einfach möglich, seine Kundendaten gemäß SEPA umzustellen, ohne dass dies die gesamte Kundenverwaltung negativ beeinflusste. Damit wurde ein erheblicher Mehraufwand bei der Umstellung reduziert. Dies anschauliche, wenn auch komplexe Beispiel zeigt, wie gut heute die Synchronisation von Daten über SaaS erfolgen kann.

Was ist Software as a Service?

Allerdings ist dieser Serviceansatz nicht völlig neu. Bereits 1999 gab es die ersten Dienstleistungen dieser Art, auch wenn noch mit einfacheren Lösungen - sie liefen unter dem Kürzel ASP (Application Service Providing). Seitdem wurde grundlegend weiterentwickelt, und mit der Cloudentwicklung setzten sich auch erweiterte Dienstleistungen wie SaaS durch.

Software as a Service verzeichnet einen kontinuierlichen Aufschwung, so zeigt der Informationsdienstleister Statista.de ein klares Wachstumsbild auf. Seit 2010 verdreifachte sich der Umsatz dieser Dienstleistung weltweit. Lag der Umsatz im Jahr 2010 noch bei rund 10,7 Mrd. Dollar, so stieg er bis 2015 auf 31,4 Mrd. Dollar. In diesem Jahr soll der Umsatz etwa 37,7 Mrd. Dollar erreichen.

Der Erfolg dieses IT-Trends liegt in der einfachen Lösung für komplexe Sachverhalte. Dem Kunden werden Standardsoftwarelösungen für einen bestimmten Zweck zur Verfügung gestellt. Dabei erwirbt dieser keine Lizenz, sondern mietet die Softwarelösung mit der dazugehörigen Cloud. Das Verfahren ist mit der Benutzung einer Mautstraße zu vergleichen. Es fällt nur eine Gebühr an, wenn diese auch befahren wird.

So gesehen leistet der Kunde also eine Nutzungszahlung, wenn ein Software-as-a-Services-Prozess durchgeführt wird. Diese nutzungsabhängige Preisgestaltung schafft eine große Transparenz und erleichtet auch die Preiskalkulation, wenn wiederkehrende Prozesse ausgelagert werden sollen. Im Gegenzug ist der Anbieter für die Wartung inklusive aller Updates und den einwandfreien Zugriff durch das Unternehmen zuständig.

Eigentlich braucht das nutzende Unternehmen heute nur noch einen PC einen Internetzugang und einen Webbrowser, um die Softwarelösung anwenden zu können. Hier sollten Firmen aber immer darauf achten, ob auch eine kostenfreie Mehrfachbenutzung möglich ist.

Was bietet Software as a Service?

Eigentlich eignet sich SaaS für viele Anwendungen. Besonders stehen hier jedoch standardisierte Abläufe im Fokus, die sich gut auslagern lassen. Das schafft dann zeitliche Freiräume für die Kernkompetenzen des Unternehmens. So gesehen profitieren besonders kleinere Unternehmen und Mittelständler von Software as a Services.

Dies entlastet die meist nur kleinen IT-Einheiten eines Betriebes. Ein typisches Einsatzfeld ist das Kundenmanagement als CRM-Lösung. Die Alternative zu Software as a Service sind reine Lizenzmodelle, die Entwicklung einer Individualsoftware oder das Outsourcing von Prozessen. Aber so gut, wie sich Softwarelösungen über Software as a Service zunächst anhören, es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Zum einen liegen bei CRM-Anwendungen die Daten auf dem Server eines anderen Unternehmens, vielleicht sogar in den USA, so eine Lösung kann dann unter datenschutzrechtlichen Aspekten problematisch sein. Schließlich ist auch die Öffentlichkeit hinsichtlich des Datenschutzes sensibilisiert, denn jeder vertraut darauf, dass Kundendaten im Unternehmen verbleiben.

Auch ist der Einfluss auf die Entwicklung von Features kaum möglich. Ändern sich die Ansprüche, muss unter Umständen ein neuer Anbieter gesucht oder doch eine Individuallösung gefunden werden. Insoweit hat SaaS auch seine Grenzen. Zudem stellt sich die Frage, was passiert, wenn der Anbieter insolvent, respektive die Sparte eingestellt wird? Was geschieht dann mit der Software, ist sie noch verfügbar? Wird sie noch weiterentwickelt?

Dies ist für den Nutzer jedoch entscheidend, schließlich wünscht er einen langfristigen Service. Dieser bleibt gerade bei einer Insolvenz jedoch auf der Strecke und das Risiko, dass dann ungeplante Ausgaben für eine eigene neue Lösung entstehen, liegt hoch.

Vielmehr scheint SaaS seine Grenzen bei der Nutzung zu haben. Unternehmen fahren häufig besser mit eigenen Softwarelösungen, die auch den Bedarf in der Zukunft berücksichtigen können. Und: Die Daten verbleiben im Unternehmen, sodass auch dieser Punkt immer unter Kontrolle bleibt.

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