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Diese Beispiele zeigen, wie die Digitalisierung unser Leben in Zukunft verbessern wird

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Beim Stichwort "Digitalisierung" spuckt Google in 0,7 Sekunden fast zehn Millionen Ergebnisse aus. Scheint, als wüssten wir gut Bescheid über sämtliche Aspekte der Transformation.

Leider ist dem nicht so. Bei Gesprächen mit mittelständischen Unternehmen kristallisiert sich oft heraus, dass Digitalisierung mit Prozessverbesserungen gleichgesetzt wird, mit Automatisierung, mit der Cloud, IoT oder Big Data.

Ohne Zweifel, das sind wichtige Zutaten der digitalen Transformation. Aber sie erschöpft sich nicht darin. Digitalisierung ist auch mehr als die Summe aus Produkt plus intelligenter Software.

Der Kunde im Mittelpunkt

Das physische Produkt - und sei es noch so erstklassig und technisch überzeugend - wird in Zukunft an Bedeutung verlieren. In gleichem Maße gewinnen Daten, Beratung, Service an Bedeutung für die Wertschöpfung.

Wenn jetzt selbst von Weltmarktführern und Vorzeigebranchen wie dem Maschinenbau gefordert wird, die eigene Produkt-Bubble zu verlassen, signalisiert das ein wichtiges Umdenken.

Denn nicht mehr das technisch Machbare wird künftig die Innovations-Messlatte sein, sondern die Wünsche der Kunden. Mit der Digitalisierung müssen sich Ingenieure wie Entwickler fragen, was dem Kunden bei dessen Wertschöpfung hilft. Welche Ansprüche er an das Produkt hat. An welchen digitalen Services er Interesse hätte.

Anders als frühere Modernisierungswellen wie etwa die Automatisierung rückt die digitale Transformation den Kunden ganz konsequent ins Zentrum.

Die Digitalisierung ist ein ganzheitliches Projekt, das die Art, wie wir leben und arbeiten und die Spielregeln der Wirtschaft komplett verändert. Ob Branchenprimus oder Kleinunternehmer, alle müssen ihr Geschäftsmodell und ihre Strukturen überdenken - von der Führung über die Organisation bis zu den Prozessen.

Digitale Kasse: ein SAP für Kleinunternehmen

Wie so eine strikte Kundenorientierung aussehen kann, demonstriert das Beispiel Enfore, das vierte Startup von Star-Division- Gründer Marco Börries.

Er bringt ein "digitales Kassensystem" für kleine Geschäfte und Unternehmen auf den Markt und die Telekom kooperiert mit ihm. Börries bietet ein Cloud-Betriebssystem samt Software, das alles abdeckt: von der Kasse über das Warenwirtschaftssystem bis hin zur Lagerhaltung.

Er hat damit eine Art SAP für kleine Unternehmen entwickelt. Denen sind die großen Komplettlösungen zu teuer und komplex, sie benötigen einen digitalen B2B-Dienst, der auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Mehr zum Thema: "Die digitale Revolution fängt gerade erst an": Warum wir jetzt einen Digitalminister brauchen

Weil sich Enfore so konsequent am Kundenwunsch orientiert, könnte die Innovation bei kleinen Unternehmen wie Gastronomiebetrieben, Shops und Hotels eine digitale Revolution auslösen.

Ich bin sicher, dass sie von diesem Digitalisierungsschritt profitieren werden, wie all jene Unternehmen, die auf dem Transformationsweg schon weiter vorangekommen sind. Laut McKinsey erzielen jene Unternehmen, die ihre digitalen Strategien erfolgreich umgesetzt haben, um bis zu 15 Prozent höhere Gewinnspannen.

Die EU-Kommission schätzt, dass die Digitalisierung der europäischen Industrie in den kommenden fünf Jahren jeweils 110 Milliarden Euro zusätzlicher Erlöse jährlich einbringen könnte. Und die Analysten von Roland Berger haben die digitalen Effekte am Beispiel eines Automobilzulieferers berechnet. Resultat: Die Digitalisierung erhöht die Profitabilität eines Unternehmens von 6 auf 13 Prozent.

Digitale Dividende: Transformation zahlt sich aus

Die Studienliste ließe sich natürlich weiter fortsetzen. Aber schon die wenigen Beispiele zeigen: Die Digitalisierung zahlt sich aus. Das ist gerade für mittelständische Unternehmen eine wichtige Botschaft, denn die haben kein Geld zu verschenken.

Ihre Investitionen müssen sich auszahlen. Bei der digitalen Transformation steht unterm Strich eine Digitale Dividende.

Der erzielte Mehrwert ist dabei abhängig vom jeweiligen Transformationsschritt: Die Unternehmen steigern ihren Absatz oder die Produktivität, sie verbessern ihren Service oder die Zusammenarbeit - zwischen Mitarbeitern oder mit Partnern und Lieferanten.

Die Transformation rechnet sich für alle

Aber nicht nur die Unternehmen profitieren von der Transformation. Egal ob ich, du, wir: Eine Digitale Dividende streichen auch Einzelpersonen oder die Gesellschaft als Ganzes ein.

Etwa, wenn Beschäftigte ihre Arbeit künftig flexibler und selbstbestimmter gestalten können oder in ihrem smarten Zuhause komfortabler und sicherer wohnen.

Wenn sich Dorfbewohner fernab der großen Kliniken mit einem Arzt zur Videovisite verabreden können. Die Digitalisierung stärkt unsere Partizipationsmöglichkeiten und zielt immer häufiger auch auf den Umweltschutz ab.

Laut der Studie "Smarter 2030" der Global e-Sustainability Initiative (GeSI) können digitale Technologien die globalen CO2-Emissionen bis 2030 gegenüber jetzigen Prognosen um 20 Prozent senken.

Mehr zum Thema: "Ich bin sehr besorgt": Unternehmer Frank Thelen verrät, was in naher Zukunft auf Deutschland zukommen wird

Zum Beispiel mit dem Smart Metering: Hier helfen intelligente Messsysteme dabei, das schwankende Stromangebot aus erneuerbaren Energien mit der Stromnachfrage in Einklang zu bringen. Und mit NarrowBand IoT entfällt sogar das Auslesen der Zählerstände vor Ort, weil die neue Funktechnologie selbst dicke Kellermauern durchdringt.

Auch viele Landwirte "ernten" bereits ihre Digitale Dividende. Wetter-Apps, Drohnen und andere Datenmanagementsysteme helfen, Boden- und Ernteverfahren zu optimieren. Dank M2M-Lösungen senken die Bauern mit smarten Bewässerungs- und Düngesystemen ihren Wasserverbrauch und bringen 30 Prozent weniger Düngemittel auf ihren Feldern aus.

Das spart Geld und schont die Umwelt. Kein Wunder, dass laut einer gemeinsamen Studie von BITKOM und Bauernverband bereits 53 Prozent der Landwirte digitale Lösungen nutzen.

Digitalisierungswege unterscheiden sich

Die Digitalisierung hat viele Aspekte. Das macht sie stark. Aber diese Unübersichtlichkeit bereitet vielen Unternehmen Probleme. Denn es gibt für sie kein digitales Patentrezept.

Jedes Unternehmen muss sich genau überlegen, was es mit der Transformation erreichen will. Und dann die notwendigen Schritte auswählen. Nur so kann man sicher sein, dass die Digitalisierung kein Gadget bleibt. Und dann heißt es: Loslegen. Mit kleinen Schritten.

Auf dem ganz eigenen Transformationsweg. In kleinen Unternehmen bringt schon eine Suchmaschinen-optimierte Webseite mehr Sichtbarkeit, andere brauchen eine Online-Plattform, über die sich Mitarbeiter mit Partnern und Kunden austauschen oder sie setzen einen
Webshop auf.

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Natürlich ist die Digitalisierung kein Selbstläufer. Sie ist eine Kraftanstrengung. Wer den digitalen Break Even erreichen möchte, muss seine Unternehmenskultur überdenken.

Sollte Neues zulassen, aus Fehlern lernen und für die Kollegen ein weiterbildungsorientiertes Arbeitsumfeld schaffen. Durchregieren war gestern. Die Transformation setzt auf Offenheit, Transparenz und Eigenverantwortung.

Auch Henning Kagermann, ehemaliger SAP-CEO und heutiger Präsident der Wissenschaftsakademie acatech, plädiert dafür, in Sachen Digitalisierung auf die Innovationskraft der Beschäftigten zu setzen:

"Entscheidend wird sein, dass wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr zutrauen und dass sie als mündige Menschen den Wandel aktiv und selbstbestimmt mitgestalten können."

Denn eins gilt selbst in Roboterzeiten: Gute Digitalisierungsstorys werden von Menschen gemacht.

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