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Ich bin im achten Monat schwanger - und gefangen in der Hölle von Aleppo

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ALEPPO CHILDREN
Hosam Katan / Reuters
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Normalerweise ist es meine Aufgabe, Kindern Sicherheit zu bieten. Jetzt muss ich um die Sicherheit meines eigenen Babys fürchten. Ich bin die Leiterin der Nothilfe-Kita der SOS-Kinderdörfer und sitze in Aleppo fest.

Jeden Tag mache ich mir Sorgen um mein ungeborenes Kind: Wo werde ich es zur Welt bringen können, in einer Stadt, in der die Bomben selbst vor Krankenhäusern nicht Halt machen? Und selbst, wenn ich eine Klinik finde, könnten die ständigen Stromausfälle das Leben meines Babys aufs Spiel setzen. Denn die Inkubatoren funktionieren häufig nicht, sodass bereits viele Neugeborene gestorben sind.

Ich werde meinem Baby kein normales Leben bieten können

Aber auch nach der Geburt werde ich meinem Baby kein normales Leben bieten können: Wo soll ich Windeln und Nahrung herbekommen? Auch wenn es irgendwo welche gäbe, wären sie wahrscheinlich unbezahlbar.

Momentan kann ich ab und zu noch Obst und Gemüse kaufen, aber es ist sehr teuer und schwer, für ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zu sorgen. Ich lebe zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Hier fallen nicht ganz so oft Bomben, aber ich lebe in ständiger Angst.

Im Juni sind mein Mann und ich nur knapp dem Tod entkommen, als in einem Supermarkt, in dem wir einkaufen wollten, eine Granate landete und viele Menschen tötete. Wären wir einige Minuten früher hineingegangen, wären wir jetzt auch tot.

Wir sind nirgends sicher. Aber wir sind nun mal in Aleppo eingesperrt und müssen uns deshalb der Situation anpassen. Eine der größten Herausforderungen im Alltag ist die Versorgung mit Trinkwasser.

Wie soll ich mein Kind im Krieg versorgen?

Das Wasser, zu dem wir in Aleppo Zugang haben, verursacht körperliche Beschwerden, wie zum Beispiel Bauchschmerzen. Vor allem die Kinder haben damit zu kämpfen. Sie bekommen davon Ausschläge. Und ich denke mir: Wenn ich mir noch nicht mal sauberes Wasser leisten kann, wie soll ich dann mein Kind versorgen?

Vielleicht ist mein Baby auch schon krank: Immer wieder höre ich, dass in Aleppo Giftgas eingesetzt wird. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber ich habe Angst, dass dieses Gift auch schon die Lungen meines Kindes erreicht haben könnte.

Der Klang von Bomben und Schüssen begleitet uns Tag und Nacht. Vor zwei Wochen landete eine Patrone in meinem Schlafzimmer und ich konnte zum Glück mein Baby strampeln spüren und wusste: Es lebt noch!

Mein Baby soll kein Kind des Krieges werden

Der Klang des Krieges lässt mich zittern und erinnert mich ebenso wie Krankenwagensirenen jede Sekunde daran, wie leicht man in Aleppo sterben kann. Ohne Gnade werden die Menschen umgebracht!

Ich wünsche mir, dass ich mein Kind gesund zur Welt bringen kann - außerhalb von Aleppo. Es soll kein Kind des Krieges werden, sondern die Chance auf ein normales Leben bekommen.

Seitdem ich 18 Jahre alt bin - also seit über zwölf Jahren - habe ich bei den SOS-Kinderdörfern dafür gesorgt, dass Kinder ihr Recht auf Unversehrtheit leben können. Dieses möchte ich jetzt auch meinem Baby garantieren. Es soll glücklich und sicher aufwachsen - alles andere ist unwichtig!

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

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