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Schiller's Erfolgs-Formel

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Christopher von Deylen, der Mann der hinter dem Musikprojekt „Schiller" steht, sagt: „Je mehr jemand erreicht hat, je prominenter die Person ist - desto gelassener und umgänglicher ist sie auch. Das ist", meinte er kürzlich schmunzelnd im Interview, „eine geradezu mathematische Formel." Wenn das so ist, dann heißt das nach Adam Riese im Umkehrschluss: Je weniger die Person oder die Band erreicht hat und je weniger bekannt sie ist, desto weniger gelassen ist sie auch.

Umgängliche Stars - divenhafte Newcomer

Nach meinen Erfahrungen kann ich von Deylen und Adam Riese nur zustimmen. Während sich Phil Collins, Mark Knopfler, Natalie Cole und sogar Mariah Carey als launige, unkomplizierte, mitunter zu Späßen aufgelegte Gesprächspartner erwiesen, zeigten sich viele ihrer jungen Kolleginnen und Kollegen - vor allem wenn sie erstmals in die Top-40 der Charts reingeschnuppert haben - als kapriziöse, wortkarge Diven, die verbissen an ihren Allüren arbeiteten. Die meisten von ihnen waren dann aber doch so schnell von der Bildfläche wieder verschwunden, dass sie mit ihrem Pseudo-Star-Gehabe niemanden mehr auf die Nerven gehen konnten. Tja, Erfolg ist eben nur zu einem gewissen Teil eine Talentfrage sondern vor allem ein Charaktertest.

Stressige Manager

Was für Musiker und Musikerinnen gilt, gilt auch, vielleicht sogar vor allem, für die Klientel der Manager. Dies bestätigte kürzlich der Interessensvertreter einer jungen, schwedischen Formation. Das Trio kann durch ihre handwerklichen Fähigkeiten durchaus bestechen, ihre Videos auf Youtube erfreuen sich sechsstelliger Klickzahlen. Nur: Einen echten Hit landete das Trio noch nicht. Und auch der Bekanntheitsgrad der Band hält sich in eher bescheidenen Grenzen. Als Autor für ein Musikmagazin war ich dennoch an einem Interview mit der Band interessiert und nahm Kontakt mit dem Management der Band auf. Was dann folgte, war ein reger, zweiwöchiger Emailverkehr: Wo das Interview erscheinen soll, wie hoch die Auflagen der Magazine sind, ob ich ihm Links zu den Magazinen schicken könne, ob es ein Phoner oder Face-to-Face-Interview sein soll, wie viel Zeit ich benötige und so weiter. Jeder Antwort meinerseits folgte eine weitere Frage seinerseits. So lange bis mir der eifrige Manager schließlich mitteilte, dass jetzt doch kein Interesse an dem Interview bestehe; dass ich mich aber im Herbst, wenn das neue Album heraus kommt, gerne wieder bei ihm melden darf. Auf das großzügige Angebot werde ich bestimmt verzichten. Da warte ich lieber bis die Neulinge vielleicht doch noch echte Stars werden. Denn dann müssten sie, laut Schillers mathematischer Formel, umgänglicher sein. Vielleicht haben sie dann auch einen anderen Manager? Man würde es ihnen wünschen.