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MONTREAL JAZZ
Festival du Jazz 2012, Montréal. | Getty
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Wayne Jackson gehörte zu den meistbeschäftigsten Trompetern der Musikgeschichte. Jetzt ist der gefragte Studiomusiker in Memphis mit 74 Jahren gestorben.

Trumpet - Wayne Jackson. Wer, wie ich, seit den 70er Jahren die Creditlist der Studiomusiker verfolgt, stieß bestimmt unzählige Male auf diesen Namen: Wayne Jackson, der Trompeter. Immer und immer wieder sorgte der 1941 in Arkansas geborene und jetzt in Memphis, Tennessee, gestorbene Musiker für glanzvolle Bläsermomente - bei Elvis genauso wie bei Neil Diamond, Dusty Springfield, Sting, Peter Gabriel, Zucchero und, selbstverständlich, bei allen, aber schon wirklich allen angesagten Soul-Acts: von Al Green über Otis Redding und Aretha Franklin bis hin zu Sam & Dave. Auf 52 Nummer-eins-Hits und auf 116 Top-Ten-Alben ist das messerscharfe Trompetenspiel des 15-maligen Grammy-Gewinners festgehalten.

Nur gelegentlich verließ der begehrte Studiomusiker die Aufnahmeräume, um - glänzend bezahlt - auf Tournee zu gehen. Jimmy Buffett sicherte sich seine Dienste, aber auch Bluesman Robert Cray und auch die schrägen Country-Fusion-Vögel von den Doobie Brothers.

„Hier hängen alle meine Bühnenoutfits", sage Wayne Jackson im Mai 2014, als ich die unverhoffte Gelegenheit für ein Interview mit ihm hatte. Alle der Reihe nach auf einer Garderobenstange sorgfältig sortiert. Bunte Outfits, verpackt in durchsichtigen Klamottensäcken. Glitzernde Zeugen eines glamourösen Lebens ...

Er lebte in den letzten Jahren in einer neuen, schönen Wohnanlage in Memphis, nahezu direkt am Mississippi. Doch vom rollenden Fluss hatte er zu dieser Zeit nicht mehr viel. Ein Schlaganfall hat dem einst so umtriebigen Musiker seine Vitalität geraubt. Die Mobilität war dahin. Vor allem aber schmerzte ihn, dass die Zeit seines aufregenden Musikerlebens endgültig vorüber war. Es war: sein Leben. Er liebte es, mit den großartigen Kollegen der „Memphis Horns" Aufnahmen einzuspielen. Er liebte den schwitzenden, akzentuierten Drive des alten Soul. Und er liebte es, Aufnahmen mit wenigen punktierten Trompetennoten zu formen, zu prägen und vielleicht auch mal ein kleines bisschen zu verändern. Nicht aus Eitelkeit oder Selbstgefälligkeit. Sondern weil er einfach ein genialer und dazu kreativer Sideman war, der genau wusste, wann er sich zurücknehmen - aber auch wann er etwas beisteuern sollte. Ohnehin: Wayne Jackson spielte niemals für sich. Vielleicht niemals für seine prominente Kundschaft, sondern: immer nur für die Musik.

„I love talking to you", sagte er im Verlauf des gut einstündigen Gesprächs mehrfach. Jedes Mal tätschelte er dabei meine Hand. Und jedes Mal standen Tränen in seinen wasserblauen Augen. Tränen der Erinnerung. Wayne Jackson hat in seinen 74 Lebensjahren so viele unglaubliche Dinge erlebt, dass sie Bücher füllen: In einer dreiteiligen, gemeinsam mit seiner Ehefrau Amy geschriebenen Biografie hat er viele seiner Erlebnisse notiert. Die heute fast schon unglaublich klingenden Stories, wie er und sein „Memphis Horns"-Buddy Andrew Love vor dem angesagten Club in Memphis standen und rauchten, und wie Elvis sich zu ihnen gesellte. Wie die Freundschaft mit dem King begann, wie sie bei ihm in Graceland bis in die frühen Morgenstunden abhingen. Und wie er, Wayne Jackson, mit dem Flugzeug von Elvis gemeinsam mit einer Horde Partywilliger regelmäßig nach Las Vegas flog, um den King bei einem seiner Shows zu feiern. „Ich hatte ja einen Pilotenschein", kramte Wayne Jackson in seiner Erinnerung, „deshalb durfte ich die Maschine von ihm fliegen. Es war unglaublich ... unglaublich schön ..." Er meinte sein Leben, das am 21. Juni im Methodist University Hospital in Memphis nach einem Herzinfarkt zu Ende ging.

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