BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Gunter Weißgerber Headshot

Völkerwanderung (?) ins Fluchtziel Europa

Veröffentlicht: Aktualisiert:
FLUECHTLINGE
Getty
Drucken

Millionen Menschen Nordafrikas und des Nahen Osten sind gegenwärtig auf der Flucht. Sie flüchten vor Krieg, grauenhaften Morden, Verfolgung, religiöser Despotie, Hunger, Armut, Perspektivlosigkeit in ihren Flüchtlingslagern.

Sie glauben und hoffen, in Europa Schutz vor diesen Bedrängnissen zu haben. Sie glauben, Europa ist ein Fels, der allen Widerwärtigkeiten zu trotzen vermag. Sie wissen nicht, dass in Europa Religion staatlich geschützt ist, jedoch nicht über den Gesetzen steht. Ein gleiches gilt für das, was viele Menschen in der islamischen Welt unter Ehre, Familienehre und Ungleichheit der Geschlechter verstehen.

Primär kann und muss ihnen dies alles jetzt egal sein, sie wollen ihr Leben retten, ihre Familien und Freunde schützen. Sie haben ein Recht auf Leben und sie haben ein Recht auf Asylschutz vor Verfolgung. Dies gehört zu unserem westlichen Grundverständnis, welches in der Charta der Vereinten Nationen, in den Grundlagenverträgen der EU und im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in den Ewigkeitsartikeln festgelegt ist. Punkt und Basta!

Wer aber ist verfolgt und fällt unter das Asylrecht? Momentan rechnen wir allein für Deutschland in diesem Jahr mit 800 000 Flüchtlingen, eventuell werden es sogar noch viel mehr. Niemand kann es genau wissen. Viele dieser Ankömmlinge sind von vornherein als verfolgt anzusehen.

Darunter fallen sämtliche christliche und alevitische Syrer, auch die Jesiden aus dem Nordirak. Sicher kommen auch viele Muslime, die sich der Diktion des IS oder Al Kaida widersetzen zu recht in der Hoffnung, Schutz zu bekommen.

Doch, wir wissen es ehrlicherweise nicht, können es gar nicht wissen, wer diese Gründe für sich zu berechtigt reklamiert und wer sich dieser Begründungen in täuschender Weise bedient, um in Europa zu leben oder im Falle von eingeschleusten Salafisten/IS-Terroristen Europa in die Knie zu zwingen.

Deshalb müssen wir um unser selbst und der Sicherheit der zu uns Kommenden willen, alle Flüchtlinge registrieren und im geordneten europäisch harmonisiertem Asylverfahren beurteilen.

Flüchtlinge, die sich dem einem gesunden Menschenverstand folgenden Prozess entgegenstellen, müssen sich die Frage gestatten lassen, wie dies mit dem Recht ihrer europäischen Gastgeber auf zivilisiertes und weiterhin gefahrenfreies Zusammenleben in Einklang steht.

Das Recht auf Integration und Sicherheit in Europa darf und muss nur Flüchtlingen zuerkannt werden, die sich in die bestehende Rechtsordnung und Gesellschaft einordnen wollen. Wir müssten geradezu verrückt und selbstmörderisch sein, würden wir diese lebenswichtigen Details nicht individuell aufklären wollen.

Die europäischen Regierungen tragen nicht nur für die Sicherheit der Flüchtlinge Verantwortung. Sie sind gleichermaßen und sogar primär für die Bevölkerungen verantwortlich, für die sie Regierungsverantwortung ausüben.

Vom hohen Ross aus lässt sich das alles nüchtern beschreiben. In vielen emotionalisierenden Einzelfällen oder gar vor dem Hintergrund der aktuellen tragischen Auseinandersetzungen an der ungarisch-serbischen Grenze wird es sofort schmerzhaft schwieriger.

Dennoch erfüllen die Ungarn wacker die Schengenregeln und fühlen sich im Stich gelassen von Freunden, die einfach nur weiter weg und auf dem hohen Ross Haltung zelebrieren.

Inzwischen fand vor dem Hintergrund der Flüchtlingsströme das Bild der antiken Heimsuchung durch die Völkerwanderung in das Imperium Romanum Eingang in viele Politikerstatements. Die damaligen Gründe der Bewegung vieler Menschen waren zum Teil andere als heute, auch kamen sie bewaffnet.

Ursachen waren die Klimaverschlechterung im Norden, waren Hunger und die (militärisch durchzusetzende) Hoffnung auf ein besseres Leben (auf Kosten des Imperiums). Unbesehen der zum Teil anderen Ursachen waren die Relationen der Menschenmassen in „Bewegung" zur Gesamtbevölkerung des Imperiums den heutigen Relationen, Chancen und Risiken durchaus ebenbürtig.

Rom ging bekanntlich aber nicht nur daran zu Grunde. Der frigide christliche Fundamentalstaat ab Konstantin verhinderte unter der einseitigen klerikal-kaiserlichen Despotie das Aufkommen kreativer Kräfte (so wie es in jedem fundamentalistischen Staat immer ! abläuft), auch waren die reichen nordafrikanischen Provinzen nach 429 (Geiserich) endgültig für den Fiskus und damit für die Bezahlung von Verwaltung und Militär verloren. Das Imperium konnte sich einfach nicht mehr bezahlen und bald war es weg vom Fenster.

Die siegreichen Barbaren zertrümmerten fortan die hochentwickelte römische Zivilisation und legten sich für die nächsten Jahrhunderte sozusagen neben die kaputten Wasser-, Abwasserleitungen und Fußbodenheizungen in den Schlamm der kommenden Jahrhunderte, um sehr viel später erst wieder den alten Stand ihrer vernichteten Gegner zu erreichen.

Rom stemmte sich dieser Entwicklung entgegen. Was damals Limes hieß, muss heute Schengenaussengrenzen heißen. Wir wissen heute mehr als die Römer, unsere Ressourcen sind stärker und besser abrufbar.

Anders als die Römer haben wir eine bessere Chance, unsere Zivilisation zu schützen, Flüchtlinge zu integrieren, notleidenden Regionen zu helfen und uns ein modernes Einwanderungsrecht zu geben, welches sowohl den Fachkräftezuzug als auch das Recht auf Asyl krisenfest regelt. Europa ist und wird keine Festung. Doch ist Europa verpflichtet, sich zu erhalten - im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen und den selbstverständlichen Eigeninteressen.

Limes Auszug Wikipedia:
Die römischen Grenzanlagen waren nicht zur Abwehr von größeren Angriffen gedacht und dazu auch meist nicht geeignet. Sie sollten primär die Kontrolle bzw. Kanalisierung des täglichen Waren- und Personenverkehrs und eine schnelle Nachrichtenübermittlung zwischen den Wachposten gewährleisten.

Der Limes war nicht nur eine militärische Markierung, sondern vor allem die Grenze des römischen Wirtschaftsgebietes. Neben der Funktion als militärisches „Frühwarnsystem" dienten die limites als Zollgrenzen und ihre Grenzübergänge als „Marktplätze" für den Außenhandel mit dem Barbaricum. Die Grenzanlagen prägten in ihrer fast fünfhundertjährigen Geschichte zahlreiche Kulturlandschaften und bilden die Keimzelle vieler bedeutender Städte.

Die bekanntesten Limites sind der Obergermanisch-Rätische Limes in Deutschland, mit 550 km das längste Bodendenkmal Europas, und der Hadrianswall in Großbritannien.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Hier geht es zurück zur Startseite