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Was wir ein Jahr später über den Stumpfsinn von Pegida sagen können

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PEGIDA
dpa
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Frei nach Kurt Schumacher (23. Februar 1932 im Reichstag):
„Die ganze Pegida-Agitation ist ein dauernder Apell an den inneren Schweinehund im Menschen!"

2014 schrieb ich noch, die Pegidisten haben nach 25 Jahren immer noch nicht begriffen, wie dieser Staat funktioniert. Damit zielte ich auf den Kern dessen ab, was Patzelt gestern folgend beschrieb:

("6) Ohnehin nähren die Organisatoren von Pegida sowie gar nicht wenige Pegida-Demonstranten eine sie in die Sackgasse führende Fehlvorstellung: nämlich die, unser Staat wäre so etwas wie die DDR vor der Friedlichen Revolution. Das ist aber keineswegs so".

2014 sah ich die Bewegung noch als Gemisch aus tatsächlicher Unwissenheit, Dummheit und dumpen Einflüssen von Ewiggestern und Gestern. Zwischen hartem Kern und unwissenden sorgenvollen Mitläufern suchte nicht nur ich zu unterscheiden. Auch deshalb war es so wichtig, dass Politiker und Parteien sich zumindest der mitlaufenden dicken Schale kommunikativ annehmen würden.

Was zum Beispiel Sigmar Gabriel Anfang 2015 auch tat. Viele Gespräche zuerst in Dresden, wenig später in Leipzig folgten. Die Schale konnte sich auskotzen. Das alles ist bekannt und Studien gibt es inzwischen genügend.

Der harte Kern und seine harte Schale

Ein Jahr später wissen wir alle wesentlich mehr. Diejenigen, denen auch ich vor einem Jahr noch relative Unkenntnis über das freiheitliche demokratische System zu attestieren gewillt war, laufen schon lange nicht mehr in Dresden oder Leipzig mit. Übrig geblieben sind der harte Kern und seine harte Schale. Das Gemisch kennt das freiheitliche demokratische System und lehnt dies in Kenntnis von dessen zivilisatorischen Leistungen klar ab.

Die Möglichkeiten des parlamentarischen Systems werden genutzt, um dieses abschaffen zu können. Das 1989 errungene Demonstrationsrecht wird das erste sein, welches im Erfolgsfall dieser Bewegung fallen wird. Deren Grundverständnis ist nicht demokratischer Diskurs. Der ist zu kompliziert und bietet nicht die Gewähr, dass die Bewegung immer recht bekommt.

Ich halte den Pegida/Legida-Mix für ein Gemisch aus Reichsbürgern, alten und neuen Nationalsozialisten, früheren SED- und Kommunismusgläubigen, Trägern der KGB/MfS-Denkschule über das Weltfinanzjudentum, Antidemokraten, Ablehnern westlicher Werte und aus alledem folgend Putinsympathisanten/-anhängern. Hinzu kommt die Untertanenvorstellung, wonach Politik reine populistische Dienstleistung ist und ohne eigenes Engagement zu laufen hat. Pöbeln muss schlicht genügen.

Mutige Demonstranten gegen das System?

Den Vogel schießen diese Leute ab, wenn sie sich als mutige Demonstranten gegen das System darstellen. Ein mehr als schlechter Witz, das mit dem Mut! Die Leute werden von der Polizei geschützt! Das genau ist das Gegenteil zu wirklich mutigen Demonstranten in Diktaturen, die von der Polizei und den Geheimpolizeien verfolgt und drangsaliert werden.

Hier drängt sich die Annahme auf, dass viele der Pegidisten, die behaupten bereits in der Friedlichen Revolution demonstriert zu haben, dies aber damals erst als Nachzügler taten, als die Polizei offenkundig keine Gefahr mehr darstellte. Sie lernten damals Polizei nur als Hingucker kennen und heute haben sie die Polizei sogar als Beschützer. Dies wäre eine von vielen Erklärungen.

Die kennen nur das Abziehbild eines Mutes, der in der freien und geschützten Demokratie stänkern lässt. Der Pegida-„Mut" unter Polizeischutz zu demonstrieren und die Feigheit als pöbelnde Masse auf Schutzsuchende Gewalt auszuüben sind schäbige Geschwister.

Was diesen fragwürdigen Mut angeht, sind diese Leute durchaus mit den 68ern und den Linksradikalen vergleichbar. Die 68er mussten damals auch "gewaltigen" Mut aufbringen, in der Demokratie Steine zu werfen.

Extrem dümmliches Sendungsbewusstseins

Dies mit dem tatsächlichen Mut der Demonstranten in Diktaturen gleichzusetzen ist genauso Ausdruck extrem dümmlichen Sendungsbewusstseins.

Gestützt wird dieses Sendungsbewusstsein durch den KGB-Einfluss einer künstlich aufgebauten Gegenwelt. Rot ist Grün und Plus ist Minus.

Kommunikation ist eigentlich nicht mehr möglich. Die Worte ähneln sich, die Inhalte dieser Worte sind gegenteilig.

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