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Linke Lebenslüge: Tendenz zum Unrechtsstaat Teil 6

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NACHKRIEGSZEIT
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VIII

Versuch einer psychologischen Betrachtung der nach 1945 handelnden Kommunisten Ulbricht, Pieck und Co. waren in der Sowjetunion nicht nur Zeuge von Massenterror, -hinrichtungen, -denunzierungen, sie waren dort auch Handlanger und Täter.

Überlebt hatten meistens die schlimmsten Wölfe. Nur wenige, wie Wehner es bspw. von sich behauptete, denunzierten Leute, die ohnehin bereits verloren waren.

Man kann getrost davon ausgehen, dass an den Händen Ulbrichts, Piecks, Gyptners, Fischers u.v.a. Blut klebte. In Verbindung mit ihrem religiösen Pathos einer „historischen Mission" fielen diese Morde und Mordkomplotte sicher sehr leicht.

Politische Intrigen in Verbindung mit der psychischen und physischen Vernichtung vermeintlicher oder tatsächlicher Widersacher gehörten zur Normalität. Mit Fug und Recht kann davon ausgegangen werden, dass die Verwaltung der SBZ und der Aufbau der DDR maßgeblich in diesem Sinne von ethisch völlig gewissenlosen Verbrechern durchgesetzt wurde.

Sozusagen eine RAF an der regulären Macht: Die Straße wird nicht mehr für den eigenen Terror benötigt, sie gehört ab sofort zum geschützten Besitz. Und Andersdenkenden wird die Straße selbstverständlich brutal verwehrt.

Das Interesse an Destabilisierung des Staates weicht mit der Machtübernahme durch Extremisten augenblicklich einer repressiven Stabilisierung und Ordnung der neuen staatlichen Machtverhältnisse.

Hierin unterscheiden sich Rechts-, Links- und Islamextremismen weltweit nicht. Auch diese Erkenntnis muss von RotRotGrün in Thüringen erwartet werden! Nur Demokratien schützen politische Pluralität und Meinungsäußerung mit den Mitteln des Rechtsstaates.

Zu keinem Zeitpunkt waren in der SBZ/DDR zwischen 1945 und 1989 legale Demonstrationen möglich. Die latente Bedrohung mit Gulag, mit den vormaligen Konzentrationslagern der Nazis als wiedereingerichtete Lager der Kommunisten, Bautzen, Waldheim u.v.a. Gefängnissen und Zuchthäusern, NKWD, MWD, Deutsche Verwaltung des Inneren/K5, die Hauptverwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft, das MfS (ausdrücklich ohne Kontrolle durch das Scheinparlament), die Deutsche Grenzpolizei und Transportpolizei als originäre Bestandteile des MfS erstickten von vornherein jeden Gedanken an Freiheit.

Menschliche wunderbare Ausnahmen wie Wolfgang Leonhard, der deshalb auch nie zum Innerzirkel der Ober-Kommunisten gehörte, waren die Ausnahme und verließen den pathologisch-absurden Käfig lebend, falls sie Glück hatten.

Hier empfiehlt sich die Lektüre des Biographischen Namensverzeichnisses im „Archipel Gulag" von Alexander Solschenizyn. Die Liste der gewaltsam zu Tode Gekommenen oder im Exil verstorbenen Kommunisten lässt den paranoiden, heute putinesken Apparat und das schlagend/kriecherische Leben der Zahnräder und -rädchen recht gut erahnen.

Wer in Verbrechen denkt und lebt, der kann nicht in der Lage sein, Freiheit und Demokratie aufzubauen. Das Leben in einer Parallelwelt bietet nicht die Phantasiemöglichkeiten. So wie weiland Spartakus ebenfalls keine bessere Welt vor Augen hatte, sondern sich nur die Umkehrung der Verhältnisse zu seinen Gunsten vorstellen konnte.

Diese Gedankenführung lässt heute auch Rückschlüsse auf Putins Denken und Handeln zu. Für ihn sind Freiheit und Demokratie nur Taktik und Strategie seiner vermeintlichen Gegner. Dass es uns tatsächlich um Freiheit und Demokratie geht, dies ist außerhalb seines Denkvermögens.

Die Thüringer Linksaußenkoalition muss spätestens an diesem Punkt ansetzen, will sie Aufarbeitung tatsächlich ernst nehmen. Es waren Stalin und die Gruppe Ulbricht, die dem Osten Deutschlands die Diktatur, den Unrechtsstaat von Anfang an aufdrückten.

Nie gab es das Ziel der neuen Machthaber, auf die Bajonette der Roten Armee gestützt, auch nur in Teilen Freiheit und Demokratie eine Chance zu geben. SBZ und DDR waren genau das, was sich Stalin, Ulbricht, Honecker und Co. unter einer sozialistischen Diktatur des Proletariats vorstellten.

Die ostdeutschen Kommunisten hatten gemäß ihres Bildes eines sozialistischen Staates nichts falsch gemacht. Wer „seine" Bevölkerung auf ein einziges Maß nivellieren will, muss enteignen, wegnehmen, muss Eigenständigkeit kanalisieren bzw. unterbinden, muss geheimpolizeilich überwachen, muss drohen und einsperren, muss den Weg in die Freiheit zumauern, muss aus seinem Staat ein Gefängnis machen und an seinen Grenzen töten.

Auch nur die kleinste Abweichung von einzelnen dieser Zwänge führt zur Erosion des Gebildes „Diktatur des Proletariats".

Quod erat demonstrandum 1989: Die SED hoffte nach dem Leipziger Volksaufstand vom 9. bis 16. Oktober 1989 mittels der Dialoge, dem Laufenlassen der Demonstrationen, mit der zugelassenen Demonstration am 4. November in Berlin ihren Staat retten zu können. Was in einen grandiosen Schiffbruch überging.

Diktatur des Proletariats und Freiheit waren und sind wesensfremde Gebäude. Sobald ein Unrechtsstaat Freiheit und Demokratie zulässt, beendet er sein Leben als Unrechtsstaat.

Gemäß diesen Erkenntnissen versucht Putin aktuell, die sich demokratisierende Ukraine mittels Expansion und Destabilisierung in die Vergangenheit zurückzuschießen.

Fortsetzung folgt



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