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Feuilleton, bitte aufwachen!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CLAUS KLEBER
ASSOCIATED PRESS
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Kennen Sie den Witz über Sudel-Ede (Karl-Eduard von Schnitzler), in dem der Erzähler immer nur bis "Schni ..." kam, wenn dessen Sendung "Schwarzer Kanal" angesagt wurde? Weil er dann immer sofort auf den nächsten Sender umstellte.

So ähnlich geht es mir inzwischen leider mit Claus Kleber vom ZDF. Ich komme nur noch bis "Kle ..." und zappe sofort weiter. Schnitzler und Kleber eint eigentlich nichts. Schnitzler war ein Ganove in der Diktatur, Kleber ist ein honoriger Mann des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens in der Demokratie.

Und dennoch schalte ich ihn ab. Wieso das? Weil ich bei Schnitzler die perverse Indoktrination zutiefst ablehnte und Herrn Klebers erzieherische Attitüde so brauche, wie einen umgestürzten Eimer Wasser.

Jüngst leitete Claus Kleber einen Beitrag über die bevorstehende Schlacht um Mossul dergestalt ein, dass nun wieder das Gegenteil von Fluchtursachenbewältigung beginnen wird. Hä? In welchem Film leben wir eigentlich? Soll der IS nicht aus Mossul vertrieben werden?

Ist dessen Morden es nicht wert, beendet zu werden? Oder ist für Herrn Kleber der Kampf gegen den IS gleichbedeutend mit Assads Bombardierung der Zivilbevölkerung, die zur Massenflucht aus Syrien führte?

Nicht nur Herr Kleber, das gesamte Feuilleton muss sich fragen, ob die allgemeine Jubel- und Erziehungslyrik inzwischen nicht längst vor den Baum gefahren ist. In einer Demokratie sucht sich das Wahlvolk eigene Lösungen und die sind nicht immer die vom Feuilleton heiß und drängend empfohlenen.

Es gibt Zeiten, da geht das drängende Empfehlen sogar nach hinten los. In Zeiten etwa, in denen die amtierende Bundeskanzlerin ohne parlamentarische Grundsatzdebatten und entsprechende Entschließungsanträge Millionen Zuwanderer unkontrolliert einlässt und dies mit der These krönt, die EU-Außengrenzen seien ohnehin nicht zu kontrollieren - dabei den Loyalitätspakt mit dem Staatsvolk brechend: "Ich, der Staat, gebe Dir Sicherheit und Du, das Staatsvolk, gibst mir im Gegenzug deine Loyalität!"

Wenn es so etwas wie Erosion des Grundvertrauens von Bürgern in ihren Staat gibt, dann war Frau Merkel 2015 an diesem Prozess als Aktivistin katalytisch gut beteiligt.

Der Schriftsteller Jörg Bernig, der seit geraumer Zeit einen Ruf als Romanautor und scharf beobachtender Essayist erwirbt, hielt als wahrer Sohn der Aufklärung am 7. September eine nachdenkliche Rede im Rahmen der Kamenzer Lessingrezeption. Es ist die Rede eines Menschen, der diese Demokratie bewahren will. Es geht ihm um die Bevormundung der Bürger und die Selbstherrlichkeit des Feuilletons.

Diese Rede verdient eine breite Öffentlichkeit.

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