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Deutschlandausdehnung der CSU und die politische Waage der Bundesrepublik

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HORST SEEHOFER
Getty
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Das mit der Deutschlandausdehnung der CSU ist eine Schimäre. Wer sollte denn außerhalb Bayerns in den Wahlkreisen und Landesverbänden die CSU darstellen? Nur Bayern? Eine witzige Vorstellung. Machen wir uns nichts vor. Das Personal dafür ist nicht vorhanden. Allerdings kann es passieren, dass die AfD sich zu so was entwickelt, sollte das Grundgesetz stärker in- und Putin aushaliert werden. Dann wäre aber das geschehen, was CDU und CSU bisher erfolgreich verhinderten: Die bundesweite Konkurrenz untereinander. Das war jedenfalls bisher ein Erfolgsmodell. Da die CDU mit vielen Positionen faktisch eine sozialdemokratigrünierte Partei geworden ist und dieser Zustand eine neue Geschäftsverteilungsgrundlage zwischen CDU und CSU bzw. zwischen deren bisherigen Wählerschaften darstellt, könnte jetzt die Stunde der gegenseitigen Konkurrenz auf Deutschland abzüglich Bayerns in den Farben CDU-CSU-AfD kommen.

Stellen wir uns eine Wippe vor. Bis zum 13.3. 2016 drängelten sich auf der linken Balkenseite Linksaußen, Grüne, SPD, zwei Drittel CDU. Ab dem Kipppunkt in der Mitte saßen Richtung demokratisch rechts ein Drittel CDU und mit beträchtlichem Abstand einsam und allein die kleine CSU am Ende der rechten Wippseite.

Die Folge war klar: Eine stark nach links geneigte Wippe mit erheblicher Rutschwirkung auf Grund der Gravitationskräfte, die selbst die Grünen und Merkel als Metaphysiker nicht überlisten können. Sie beten zwar dafür, doch stellt sich der Erfolg nicht so recht ein. Im Gegenteil, Linksaußen, Grüne, SPD und CDU sind gerutscht und Teile von Ihnen sitzen seit dem 13.3. 2016 nicht mehr auf der Wippe sondern hängen mit ihren Händen am Wippende.
Seit dem 13.3. 2016 sitzt die ungeklärte AfD ganz rechts auf der Wippe und zieht dieselbe durch ihr Gewicht wieder etwas in die Waage, was die Absturzhöhe der am linken Ende Hängenden vergrößern dürfte, ändern sie nicht ihre Position in die Mitte hinein. Woran ich nicht glauben kann. Die Einstimmigkeit des Baden-Württemberger SPD-Landesvorstands in der Ablehnung der Deutschland-Koalition aus SPD-CDU-FDP beweist dies nachdrücklich.

Meine These: Die Neigung der Wippe steht im Gegensatz zur politischen Meinungsvielfalt in der Bevölkerung. Die Wahlbevölkerung wird die Wippe wieder in Waage bringen, vielleicht sogar mit fataler Rechtsneigung. Pendelschläge dieser Art sind nie auszuschließen. Es sei denn, die Kellerluft schnuppernden Parteien begreifen die Situation praktisch und werfen "tote Ladung" ab, wie es Willy Brandt auf dem Wege zu Godesberg der SPD schon einmal empfahl (1954 "Ich möchte nicht von Ballast abwerfen reden. Aber der Kapitän entledigt sich toter Ladung, wenn er dadurch lebendes Gut erhalten kann." (aus Peter Koch/Willy Brandt, Bastei Lübbe 1989 S. 232).

Das Basteln eines linken Lagers am linken Wippende wird diese Wippe jedenfalls nicht in die Waage bringen. Das ist Physik, nicht Metaphysik.

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