BLOG

Warnsignale gab es genügend - die Brüsseler Oberlehrer müssen endlich lernen!

24/06/2016 10:58 CEST | Aktualisiert 25/06/2017 11:12 CEST
dpa

Was die Briten gestern entschieden, hat eine lange innereuropäische Mißachtungsvorgeschichte und könnte uns alle in noch schwierigere Zeiten schleudern.

Bis 1945 war die europäische Geschichte die einer Zeit von Nationalstaaten, die auch um kriegerische Auseinandersetzungen mit den jeweiligen Nachbarn keinen Bogen machten. Die beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts standen für diese Art der Konfliktlösung besonders dramatisch.

Sieben Jahrzehnte steigender Wohlstand in scheinbar dauerhaften sicheren Zuständen haben diese Geschehnisse verblassen lassen. Der Mensch bleibt das, was er schon immer ist: Ein Narr, der nur eigene Erfahrungen dauerhaft bewahrt.

Der Brexit wird die Briten durcheinanderwirbeln und am Ende vielleicht von Großbritannien nur England übrig lassen. Wer weiß? Das Gegenteil lässt sich mit Sicherheit auch nicht behaupten.

Die (europäische) Welt wird nicht untergehen, die Kriegsepochen werden nicht zwangsläufig wiederkommen. Wer das alles behauptet, hat ebenfalls nichts, aber auch gar nichts gelernt. Drohkulissen werden allgemein abgelehnt. So auch diese. Oberlehrerhafte Belehrungen von Brüssel und aus den (westeuropäischen) Hauptstädten nach London werden die Zentrifugalkräfte überall stärken.

EU muss kommende Verhandlungen fair führen

Für die EU kommt es jetzt darauf an, die kommenden Verhandlungen nach klaren Regeln fair zu führen. Des weiteren muss Brüssel ganz fix lernen, dass die Ungleichbehandlung und -wertung mittelosteuropäischer Staaten gegenüber westeuropäischen Staaten wie Dänemark in der Regelung von Flüchtlings- und Asylfragen der Vergangenheit angehören muss. Die Ungarn, Polen, Slowaken haben genau so viel Recht wie bspw. die Dänen. Letzteren wird ihre restriktive Politik nachgesehen, die anderen werden öffentlich beschimpft.

Auch geht es nicht, Griechenland immer und immer wieder „Staubzucker reinzublasen" und denen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, wie die Mittelosteuropäer es erfolgreich taten, mit finanziellen Sanktionen im Falle des Nichtbefolgens Brüsseler Verteilungsmodelle zu drohen.

Der Brexit ist alles andere als okay. Ein tiefblaues Auge für die EU hätte genügen sollen. Die Briten haben anders entschieden und zwingen die EU über die innereuropäische Behandlung der eigenen Partner gründlich nachzudenken.

Aus Europa wird nie ein Bundesstaat

Wer das immer noch will, gefährdet den Staatenbund Europa. Der quicklebendige Spatz in der Hand ist immer besser als die Tontaube in der Luft. Bauen wir keine Luftschlösser an den Bevölkerungen vorbei. Machen wir das besser, was wir haben und was akzeptiert wird: Nicht noch mehr Brüssel sondern: Die Hauptstädte und Brüssel!

So gesehen widerspreche ich an dieser Stelle ganz klar dem Punkt 1 zweiten Absatz im Artikel Sechs Vorhersagen über die Zeit nach dem Brexit (Süddeutsche Zeitung 24.6.2016)

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Passend zum Thema: Alle Entwicklung rund um den Brexit erfahrt ihr in unserem News-Blog

2016-06-22-1466588952-5629450-HUFFPOST1.jpg

Mehr zum Thema Brexit findet ihr hier.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Nicola Sturgeon: "Schottland sieht seine Zukunft als Teil der EU"

Sponsored by Trentino