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Es gibt eine Sache, die schlimmer ist, als Single zu sein

29/08/2015 09:32 CEST | Aktualisiert 29/08/2016 11:12 CEST
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Sommer. Ich sitze neben einer guten Freundin auf dem Balkon. Wir trinken kühlen Weißwein. Reden und lachen. Und manchmal blinzeln wir einfach nur in die sonnige Hitze über der Stadt und seufzen wohlig.

Es ist eine dieser Abende, in einem langen, satten Sommer, in denen das Leben scheint wie mit Zuckerguß bepinselt: Süß, dekadent, unwiderstehlich gut.

Doch ich weiß, dass nicht alles gut ist. Denn ich ahne, was meine Freundin Alex denkt, wenn sie auf das Pärchen auf dem Balkon uns schräg gegenüber schaut. Dass sie sich wünscht, sie wäre nicht das, was sie ist. Das sie nicht immer wieder danach gefragt würde. Das sie endlich etwas anderes sagen könnte, wenn sie jemand fragt: Hast Du einen Freund? Das die Antwort einfach wäre: Ja.

Aber Alex ist Single. Genauso wie ich. Und ich wünschte, von ganzem Herzen, ich könnte ihr endlich diesen Makel nehmen, unter dem sie leidet. Ich wünsche überhaupt, das dieses Single-Sein endlich aufhört, wie ein unsichtbarer Makel über uns zu schweben.

Ein Makel, der stets leise zu flüstern scheint: Was ist wohl falsch an Dir? Und dann skeptisch die Augenbraue hochzieht. Das muss aufhören!

Denn wir leben in einer Welt, in der vieles ganz modern ist. In der viele, bunte Beziehungsformen akzeptiert werden. In der über Sex so offen wie nie geredet wird. Männlicher Sex, aber auch weiblicher. Wir haben, hoffentlich, gute Freunde, ohne die nichts ginge. Und wir haben, vielleicht, Sex wenn wir wollen. Wie schön!

Wir sind im Prinzip frei, ein Leben zu führen, wie wir es für richtig halten. Wir alle kennen verheiratete und geschiedene Paare, kinderlose und alleinerziehende, Schwule und Heteros. Es gibt nichts, dass es nichts gibt. Und doch lassen wir uns immer wieder einreden, dass eine Sache eben doch nicht geht: Single sein.

Dabei ist nichts falsch an uns. Im Gegenteil. Ich glaube sogar, wir sind ganz schön glücklich. Die Sonne scheint, verdammt nochmal! Ich wünschte nur, wir könnten das auch endlich mal so richtig genießen. Und nicht einem Ideal hinterherlaufen, was zwar gut ausgeleuchtet verlockend erscheint, was aber vor allem eins ist: Ein Ideal.

Alex zum Beispiel. Sie war jahrelang in einer Beziehung. Aber was ist eine Beziehung wert, die mit Betrug und abgeblasenen Umzügen endet? Was war eine Beziehung wert, wenn man alles daran setzt, diesem Menschen niemals im Leben mehr begegnen zu müssen?

Aber es muss nicht immer so ein schlimmes Beispiel sein. Es gibt auch Beziehungen, da schaffen die Partner einfach kein Glück. Nicht weil sie sich nicht mögen, nicht weil sie es nicht wollten. Einfach weil nichts mehr stimmt und nichts mehr passt.

Und so eine Beziehung wird nur noch härter, wenn man aus Angst vor dem Single-Sein darin steckenbleibt. Wenn man sich zu sehr an das Ideal klammert, was einem doch tagtäglich widerlegt wird.

Wenn man irgendwie weitermacht und die Jahre hinter sich herzieht wie eine müde Schleppe und vielleicht eines Abends nachts im Bett liegt und panikartig rätselt: Was machen wir da nur?

Wenn sich zwei Menschen so sehr an die ganz eigene Art des Unglücks gewöhnt haben, dass sie die Fantasie für eine Alternative verlieren.

Wenn man es schafft, sich daraus zu befreien, sich davon zu befreien, dann wird auch der Sommerabend so gut, wie er sein sollte. Und das sage ich auch Alex, mit Nachdruck. Single sein ist nicht schlimm. Es ist wie es ist. Und im Zweifel ist es sogar besser.

Denn ja, es gibt eine Sache, die auf jeden Fall schlimmer ist, als Single zu sein: In einer unglücklichen Beziehung zu sein.


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