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An den Typen, der meine beste Freundin betrogen hat

27/09/2015 14:18 CEST | Aktualisiert 27/09/2016 11:12 CEST
Tetra Images - Yuri Arcurs via Getty Images

Hey J,

wir kennen uns nicht gut. Aber ich weiß viel von Dir. Ich weiß, dass Du es magst, wenn man Dich am Nacken krault. Ich weiß, dass man Dich beim Fußball gucken nicht ansprechen darf. Das du Makkaroni liebst. Ich kenne die Namen deiner Geschwister und weiß, was es bei dir zuhause zu Weihnachten gibt.

Aber vor allem weiß ich, dass du eine ziemlich tolle Frau mal sehr glücklich gemacht hast. Meine beste Freundin. Alleine deswegen mochte ich dich schon, als ich dich noch gar nicht kannte.

Du hast ihr gut getan

Du hast sie zum Lachen gebracht. Du hast für sie gekocht, obwohl du es gar nicht konntest. Du hast eure Initialen unter die Theke eurer Lieblingsbar in das Holz geritzt. Und du hast für sie deinen alten Käfer geschrottet. Diese Geschichte habe ich sehr oft schon gehört.

Und du hast ihr gesagt, dass ihr alles schafft, weil ihr es für euch macht. Für euch. Das hast du ihr jeden Tag gesagt. Ich habe es ihr auch gesagt. Obwohl ich mir manchmal gar nicht so sicher war.

Ihr habt nur wenig gemeinsame Zeit miteinander gehabt und dann in unterschiedlichen Städten gelebt. Viel gesehen habt ihr euch nicht. Aber ihr wart beide so verliebt und hattet ein solches Vertrauen in diese Liebe. Ich habe geglaubt, dass ihr das schon schafft. Geglaubt und gewünscht. Und ich habe es auch dir geglaubt.

Doch dann hast du alles zerstört

Bis zu diesem einen Tag, du weißt genau, welchen ich meine. Diesen verdammten Horror-Tag, den ich jetzt noch verfluche. (Ich hoffe, Du auch.) Der Tag an dem sie diese Email bekam. Von deiner Ex-Freundin, die aber zu dem Zeitpunkt schon gar nicht mehr deine Ex-Freundin war. Sondern deine Wieder-Freundin oder Nie-ganz-Ex-Freundin. Oder was auch immer sie für dich war und ist.

An diesem Tag jedenfalls ging alles viel zu schnell. Alles überschlug sich. Wir alle sind an dem Tag aufgewacht in der Gewissheit, dass es zumindest diese eine Gewissheit gibt, nämlich dass ihr einander habt. Und am Ende des Tages war nichts mehr wie vorher.

Ich kann dich einfach nicht verstehen

Ich konnte sie am Telefon kaum verstehen, so sehr hat sie geweint. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Ich konnte nur immer wieder: "Das ist so ein A****" murmeln. Und feststellen, dass ich das alles einfach nicht verstehen kann.

Wie du sie über Monate mit deiner Ex betrogen hast. Wie du auch deine Ex-Freundin angelogen hast. Und wie du meine Freundin angelogen hast.

Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie man so etwas überhaupt organisiert. Dieses lügenhafte Leben. Das muss ganz schön anstrengend gewesen sein. Kein Wunder, dass es irgendwann rauskam. Wie lange wolltest Du das eigentlich noch durchziehen?

Deine Entschuldigungen habe ich nicht verstanden. Es waren auch eigentlich keine echten Entschuldigungen. Es waren nur Ausflüchte. Es wäre einfach passiert, es wäre auch gar nicht so ernst, die Entfernung. Du hättest nichts gesagt, weil du keinen verletzen wolltest. Als ich das hörte, musste ich laut lachen. Ein ziemlich bitteres Lachen.

Denn du hast jemanden verletzt. Sehr verletzt. Es ist jetzt über ein halbes Jahr her. Aber die Wunden, die du geschlagen hast, die heilen langsam.

Vieles hat sich geändert

Ich kann dich einfach nicht verstehen. Aber manchmal gibt es Momente, da möchte ich dich verstehen. Da möchte ich einfach wissen, WARUM du das alles gemacht hast. Warum du die Beziehung zu meiner Freundin so weggeworfen hast.

Denn ihr wart ja auch glücklich. Das glaube ich immer noch. Ich glaube dir sogar, dass du sie geliebt hast. Umso weniger kann ich nachvollziehen, warum du ihr das angetan hast.

Du weißt doch, musst wissen, was für ein toller Mensch sie ist. Ich kenne eigentlich niemandem, der mit sich und seiner Zeit so großzügig umgeht. Der einfach immer so selbstverständlich für einen da ist, wenn der Schuh drückt. Der so herzlich ist und der so treu ist. Und der immer der optimistischste Mensch war, den ich kannte. Der immer das halbvolle Glas gesehen hat, und den Sonnenstrahl, der sich durch die Regenwolken gebrochen hat.

Aber weißt du was? Das hat sich geändert. Zum ersten Mal, in den 15 Jahren, in denen ich sie kenne, blickt sie nicht mehr so froh in die Zukunft. Es ist, als läge über allem ein Schatten. Ein grauer Schleier, durch den sie auf einmal anders auf die Welt blickt. Es ist, als wäre sie ein kleines Stück gebrochen. Und ich gebe mir alle Mühe, aber ich weiß auch nicht, wie ich ihr wirklich helfen kann.

Ich bin wütend

Das macht mich rasend. Es macht mich traurig. Und es ist der Grund dafür, dass ich dir jetzt schreibe.

Denn weißt Du, es ist mir völlig egal, mit wie vielen Frauen du was hast. Wie oft, wie lang, wie viel. Du kannst heiraten, Kinder kriegen, dich scheiden lassen. Bitte, dein Leben. Du kannst dabei auch Menschen verletzen. Das bleibt nicht aus, beim Leben, beim lieben.

Aber du hast sie nicht einfach nur verletzt. Du hast sie betrogen.

Du hattest so viele Möglichkeiten und so viele Gelegenheiten, es anders zu machen. Es nicht zu machen. Es zu beenden. Du hast aber keine davon genutzt.

Und als es dann herauskam, hattest du noch nicht mal den Mut, es ehrlich zuzugeben. Du hast dich nur Stückchen für Stückchen auf die Wahrheit eingelassen. Bis es dann so klar war, dass du nicht mehr anders konntest.

Eine Bitte habe ich an dich

Ich will nichts von dir. Ich will keine Entschuldigung, keine Erklärung. Denn ich glaube, ehrlich gesagt, dass du es selber nicht genau weißt. Weil du einfach überhaupt noch nicht weißt, was dir wichtig ist. Und weil du einfach noch nicht reif genug bist, dein Leben mit offenem Visier zu leben. Sorry, das darf ich dir sagen. Ich bin einfach so sauer auf dich.

Und trotzdem habe ich eine Bitte an dich. Und ich hoffe, dass du sie mir nicht abschlägst:

Halte dich fern von ihr. Für immer.

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