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Medienerziehung für Kleinkinder

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IPAD KID
Mike Kemp via Getty Images
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Kinder unter drei Jahren brauchen keine Medien, also weder Fernsehen noch Radio und auch kein elektronisches Spielzeug aus dem Bereich der Medien, ich denke da an Telefone, iPads und Mini-Computer. Das ist die Lehrmeinung der Pädagogen, die wir auch in der Ausbildung zur Kindertagespflegeperson vermittelt bekommen haben.

Eigentlich wäre damit dieser Artikel schon beendet, denn aus Sicht eines Pädagogen ist jede weitere Diskussion an dieser Stelle überflüssig und dieser Meinung schließe ich mich auch an:

Kinder unter drei Jahren brauchen keine Medien...

...aber die Eltern brauchen diese. Wir haben zu Hause die Regel: Der Fernseher ist aus, wenn Piet an ist. Damit ich trotzdem nicht von der Welt abgeschnitten bin, verwende ich ein iPad für Nachrichten und E-Mails. Nun wäre es naiv anzunehmen, dass unser Sohn dieses kleine Gerät, mit dem Papa da spielt, ignorieren würde. (Wenn es so aussieht, als könnte es mich interessieren, ist es meins.)

Wir haben dann auch schon früh Fotos mit ihm auf dem Pad angesehen. Er lernte sehr schnell, wie man die, für mich teuerste Fernsehzeitschrift der Welt, korrekt bedient.

Für ihn war es so selbstverständlich, dass er verzweifelt versuchte in einem gedrucktem Magazin die Bilder größer zu zoomen, was natürlich nicht ging. (Remember: A magazin is an iPad that does not work)

Mit etwas über zwei Jahren habe ich ihn dann das erste Mal einen Pixar Kurzfilm ansehen lassen (Birds). Es dauerte nicht lange und ich ließ ihn eine Folge von „Der kleine rote Traktor" anschauen, die dauert ca. 9 Minuten. Unser Sohn hatte es vorher noch nie geschafft, eine längere Zeit, also für ihn eine Zeitspanne von über einer Minute, still sitzen zu bleiben.

Man konnte ihn auch nicht länger unbeobachtet lassen, sonst wunderte man sich über die neue Dekoration im Wohnzimmer. Aber die Folge auf dem Pad nagelte ihn regelrecht am Sessel fest. Das war die Gelegenheit, um:

  • zu duschen, Zähne zu putzen, und sich umzuziehen
  • die Spülmaschine aus- und wieder einzuräumen
  • das Wohnzimmer zu putzen
  • die Wäsche zu falten

Also wurde es schnell in unseren Tagesablauf integriert, denn so konnte ich, ohne Überraschungen, das eine oder andere erledigen. Mir ist klar, das dies nicht für unseren Sohn gut ist, aber es ist gut für mich. Der zeitliche Rahmen bleibt dabei aber fest abgesteckt, auch wenn es natürlich immer im Geschrei endet, wenn Piet „eine letzte Folge" fordert.

Es gibt zahlreiche Angebote für recht kleine Kinder, ich fand die meisten auch unbedenklich. Bei „Pink Panther" hatten wir dann die ersten Diskussionen, ich hielt das für unbedenklich, meine Frau war dagegen. Als Piet dann von der Folge „Das Gespenst" einen Albtraum hatte, wurde „Pink Panther" für lange Zeit gestrichen. In der Jugendherberge sah er im Kino zum ersten Mal „Shaun the Sheep", seitdem ist das auch ganz oben auf der Liste der Lieblingsserien.

Natürlich ist es nicht toll, Kinder vor die Mattscheibe zu setzen, aber in Ruhe zu duschen ist auch schön.

Was man als Elternteil noch vertreten kann, muss jeder selbst mit sich ausmachen, in der Tagespflege hat so was übrigens nichts zu suchen, auch Musik vom Band oder Radio sind bei mir tabu. Hinweis: „Der rosarote Panther" ist übrigens FSK 0, im Gegensatz zu „Tom und Jerry", was eine FSK 6 Einstufung hat.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog des Autoren.

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