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Werte - was hat das mit Management zu tun?

22/01/2016 09:43 CET | Aktualisiert 22/01/2017 11:12 CET
Portra Images via Getty Images

Frau Susanne Klatten, Aufsichtsrätin von BMW und der SGL Group, die reichste Frau der Welt, erhebt in DER WELT vom 15.02.2014 die (An-)Klage: „Wir sind nicht hier (auf dieser Welt), um still zu stehen. Daher muss heute umweltgerechtes Wachstum und ressourcenschonender Fortschritt im Fokus unserer Anstrengungen stehen. In den Unternehmen muss eine neue Führungskultur Einzug halten."

Leider ist dies aber mit der „alten" Managergarde nicht zu machen, weil hohe Gewinne, Renditen und „schöne Bilanzen" wichtiger sind. Der Wirtschaftsprofessor Erik Brynjolfsson an der Harvard University (MIT) mahnt daher dringend „ein neues Bildungssystem" an, wo Menschen zusätzlich kreative, umwelt- und zwischenmenschliche Fertigkeiten erlangen, die auf das Überleben der Menschheit ausgerichtet sind.

Von einem Wissens- und Innovationsmanagement sind viele noch weit entfernt.

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Leider werden diese Fächer in Führungstrainings und in unseren (Hoch-)Schulen nur eingeschränkt vermittelt. Von einem Wissens- und Innovationsmanagement sind viele noch weit entfernt. Die Planlosigkeit für unsere Zukunft muss ein Ende haben.

So klagt die dt. Wirtschaft über den Mangel an kompetenten Fach- und Führungskräften. Tut sie aber genügend für den Nachwuchs? Von einer individuellen Förderung können die Mitarbeiter nur träumen. Insbesondere spielt zukunftsfähige Persönlichkeitsbildung (von Mitarbeitern und Führungskräften) in Deutschland fast keine Rolle.

Festgefügte hierarchische und kapitalistische Strukturen widersprechen der vom Mitarbeiter geforderten Werte, wie Ehrlichkeit, Empathie, Respekt und ethisch-moralische Reflexion und Solidarität. Letztlich leitet sich der erreichbare Grad der Realisierungsfähigkeit einer Organisation von den genotypischen Werten (Vorbildverhalten) der Manager ab.

Menschlich-ethische Werte spielen fast keine Rolle

„Der Markt zwingt uns (das heißt die Manager) zu gar nichts... es ist nur ihr Wachstumswahn". Es ist folglich nicht unmöglich, moralisch (auch für die Umwelt) zu handeln (Prof. Dr. Peter Ulrich Wirtschaftsethiker, Uni St. Gallen/Schweiz). Leider spielen aber menschlich-ethische Werte bei Entscheidungen, Innovationen und Veränderungsprozessen in den Betrieben fast keine Rolle - sondern ökonomische Werte, wie „abgehobene(s)" Profitstreben, Ebitda, Bedürfnisbefriedigung und Willfährigkeit (siehe VW Group u.a.).

Firmen fahren seit Jahren die allerhöchsten Gewinne ein. Aktienkurse, Boni und Prämien steigen durch die Decke, jedoch müssen dafür immer „die Anderen" zahlen, weil sie:

Auf Kosten der Gemeinschaft bewusst Gesetzeslücken ausnützen, um Manipulationen, Steuervermeidung, Rabattschlachten und Nutzer- und Verbrauchertäuschung als die „höchsten Güter" ihrer Führungs- und Unternehmenskultur zu realisieren.

Compliance-Regeln sind gut für's Hochglanzpapier - Der Deutsche Corporate Governance Kodex basiert auf „freiwilligem" Commitment - sogenanntes schuldhaftes Organverhalten ist nur schwer nachzuweisen.

Illegale Absprachen treffen (wie z.B. Preiskartelle), die enorme Strafen nach sich ziehen. Wobei die Belegschaften die Schadensersatzkosten und Geldstrafen (sogenannte Transaktionskosten) wieder herein arbeiten müssen (zum Beispiel Autohersteller, Autozulieferer, Banken, Investmentfonds Energieversorger, Deutsche Bahn, Deutsche Bundeswehr, Textilhandel und -hersteller, Versicherer, etc.).

Zu wenig in die persönliche Fort- und Weiterbildung Ihrer Führungskräfte investieren. Auch sind nur ca. 1/3 der Mittelständischen Unternehmen überhaupt noch an „echten" Innovationen interessiert. So schrumpften die Innovationsausgaben auf durchschnittlich ca. 2-3% des Unternehmensumsatzes. Budgets für Fort- und Weiterbildung werden dabei immer weiter heruntergefahren (siehe VDI-Nachrichten vom 06.03.2015).

Besessen sind „gut aussehende Zahlen" abzuliefern, unabhängig davon, welchen Schaden das darunterliegende Arbeitssystem und die Unternehmenskultur nehmen (Prof. Dr. Thomas Johnson, BWL-Professor an der Portland University, im Harvard Business Manager vom 04.08.2014: „Wie Zahlen Manager in die Irre führen...").

Deutschland hat nur noch zwei Vorzeigesektoren

Selbst das managermagazin 08/2014 konstatiert auf Seite 78, dass Deutschland nur noch zwei Vorzeigesektoren hat, nämlich „Automobil und Logistik". Banken, Start-up-Investoren, Versicherungen, Gesundheitswesen sowie Telekom-, Informations- und Medienindustrie liegen gegenüber den Branchenvorreitern weit zurück (Studie BCG 2014, Martin Hecker).

Bei der Eroberung des Weltmarktes nehmen sich zwischenzeitlich unsere Wettbewerber eine Kernbranche nach der anderen vor. In den 80er/90er-Jahren waren es Unterhaltungselektronik- / Chip- / Mobilfunk-, Uhren-Industrie, heute die Fahrzeug-, ITK-/Software-, Medizin-, Solarindustrie, morgen die Bio-, Chemie-, Pharma-, Energie- und Umwelttechnik, und so weiter.

Die Studie von PwC (Norbert Winkeljohann) „The World in 2050" zeigt, dass Deutschland auf den Platz 10 abrutschen wird. Da unsere Gesellschaft, so wie sie ist, nicht zukunftstauglich ist. Vom schnellen Umdenken + Handeln in den Führungsetagen (auch in Ämtern, Instituten, Parlamenten, Schulen und Verbänden) wird es abhängen, ob Deutschland den Innovationswettbewerb noch gewinnen kann.

So ist Frau Dr. Angela Merkel beunruhigt über die Sorglosigkeit vieler Deutschen: „wovon will Deutschland in Zukunft leben, wenn unsere Wirtschaft in zehn Jahren nicht mehr so stark ist wie heute..."(AZ München am 03.07.2012).

Ich selbst unterrichte und entwickle (angehende) Führungskräfte und die haben zum Teil wenig Lust auf hohe Einsatzbereitschaft und Kreativität. Vor allem sehen Sie, dass Versprechen von führenden Politikern und Managern für „echte" (Umwelt-) Reformen seit über 10 Jahren leider „nur Versprechen" geblieben sind und weiterhin blockiert werden (siehe Automobil-, Banken-, Chemie-, Pharma-, Lebensmittel- und Versicherungsbranche, etc.).

Die Kriegsflüchtlinge sind erst der Anfang

„Die Folgen von mangelnder Ethik werden uns, durch unsere mutwillige Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage, noch teuer zu stehen kommen. Die Kriegsflüchtlinge sind erst der Anfang. Die Klimaflüchtlinge werden uns noch weit mehr kosten..." (Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung(PIK): „Selbstverbrennung", C. Bertelsmann Verlag 2015).

Wenn wir als Gesellschaft, die zu erwartenden Turbulenzen in Zukunft überstehen und das Überleben auf unserer Erde sichern wollen, dann müssen Frauen (die gefördert werden müssen) und Männer ihre Energie und Kreativität gemeinsam in die anstehenden unternehmerischen und gesellschaftlichen Aufgaben stecken. Wobei Lobbyismus (auch unsoziale Handelsabkommen) und unsere Totalbürokratie für das Überleben des Menschen nicht zielführend sind.

Somit betrifft der bevorstehende Wandel nicht nur neue (digitale) und nachhaltige Geschäftsmodelle, sondern auch die Qualität unserer Führungskulturen (sogenannte Doppelte Transformation, siehe Prof. Günther H. Schust „Führung 5.0: Intelligent vernetzen - unterstützen - entfalten", Verlag Bookboon 2015).

Es gibt nur einen Weg, im Wettbewerb mithalten zu können: Das Etablieren einer Führungskultur, die auf Glaubwürdigkeit der Produkte/Dienste, Vertrauen und „umweltadäquatem" Arbeiten beruht und damit das Miteinander (Wir-Gefühl) und den Mut zur Umkehr aus unserer verschwenderischen Denk- und Lebensweise erzeugt.

Menschen ändern aber Ihre Wertepräferenzen (und damit Ihr Verhalten) erst, wenn Vorgänge passieren, die sie nicht „kalt lassen" und/oder „ihnen unter die Haut gehen" (Prof. Dr.rer.nat., Dr. med. habil. Gerald Hüther, Neurobiologe Uni Göttingen: „Was wir sind und was wir sein könnten", Fischer Verlag 2013.

Aktuelles Beispiel: Frau Dr. Angela Merkel bei der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie). Führung ist somit heute kein Machtmittel mehr, sondern die Fähigkeit 360-Grad zu denken plus zu handeln sowie „Core Values" konsequent einzufordern. Es ist das Ganze, in dem alle Teile beziehungsweise Organe auf komplexe Weise vernetzt sind: der qualitativ wirtschaftliche und der ethische Erfolg (siehe Zitat oben: Frau Susanne Klatten).

„Ich wünschte, wir würden besser mit unserem Planeten umgehen. Ich hoffe, dass endlich alle am selben Strang ziehen, wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels geht. Die extremen Wetterphänomene überall auf der Welt sind wirklich beängstigend" (Leonardo DiCaprio, Schauspieler und Umweltschützer, Interview tz München vom 07.01.2016).

US-Managerin teilt ihr Erfolgsgeheimnis - es besteht aus nur zwei Worten!

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