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Appell an die zukünftige Bundesregierung: Endlich mehr Einsatz für den Mittelstand

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Bild: Deutscher Bundestag (Bildquelle: www.pixabay.com)

Deutschland hat gewählt und noch steht die Frage im Raum: Wer regiert künftig? Die nächsten Wochen und Monate werden voraussichtlich von einer langwierigen Regierungsbildung geprägt sein, mit der eine politische Ungewissheit einhergeht.

Unabhängig davon, ob sich eine Jamaika-Koalition bildet, doch eine große Koalition entsteht oder sogar Neuwahlen anstehen - die zukünftige Regierung übernimmt eine große Verantwortung in Zeiten des Wandels und der wirtschaftlichen Herausforderungen. Mit Blick auf die Zukunft Deutschlands als wirtschaftlicher Vorreiter muss das neue Kabinett nun mit klaren Forderungen in die Pflicht genommen werden.

Denn eines ist sicher: Wer die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands sichern will, der muss in die Zukunft des Mittelstands und auch des Einzelhandels investieren. Ohne einen klaren politischen Fokus auf die Herausforderungen und Bedürfnisse des Handels werden wir in den nächsten Jahren ein Massensterben von kleinen und mittleren Unternehmen erleben.

Angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Mittelstands und seiner zentralen Rolle in der Ausbildung von Fachkräften ist das bisherige Engagement der politischen Parteien nicht ausreichend und, vor allem, nicht zukunftsorientiert.

Insbesondere in Bezug auf die digitale Transformation muss ein Umdenken stattfinden, wenn Deutschland seinen Status als Spitzenwirtschaftsnation nicht gefährden will. In den Bereichen Qualifizierung von Arbeitskräften, Datenschutz und -sicherheit, digitale Infrastrukturen und Innovationsmanagement sind grundlegende Maßnahmen notwendig, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die neue Bundesregierung muss die Chance nutzen, aus den Versäumnissen der Vergangenheit zu lernen und sich endlich den Herausforderungen des Einzelhandels zu stellen.

Qualifizierung forcieren

Um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein und einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken muss die Nachwuchsförderung ganz oben auf der politischen Agenda stehen - insbesondere in Bezug auf die Digitalisierung.

Denn für alle Unternehmen gilt: Die Berufsbilder und Kompetenzen, die mit der digitalen Transformation etwa in den Bereichen IT und Datensicherheit aufkommen, werden immer wichtiger. Auf der einen Seite ist eine verstärkte Förderung von betrieblich integriertem Wissenstransfer notwendig, um Fachpersonal nachhaltig zu binden.

Auf der anderen Seite muss die digitale Kompetenz des Lehrpersonals ausgebaut werden, um mit Blick auf die nachfolgenden Generationen international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ausbau der digitalen Infrastruktur

Im Bereich der digitalen Anbindung hinkt Deutschland - einstiger Vorreiter im Bereich der Infrastruktur - weit hinterher. Eine umfassende und flächendeckende digitale Infrastruktur ist jedoch die Basis für die Förderung von Fachkräften, für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.

Die gerade diskutierte Breitbandversorgung mit 50 Mbit/s, kann nur ein Etappenziel darstellen und muss langfristig einer flächendeckenden Versorgung mit 100 Mbit/s und mehr weichen. Der Ausbau des Glasfasernetzes muss daher dringend beschleunigt und die Voraussetzungen für funkbasierte Netze geschaffen werden.

Gerade der ländliche Raum, Sitz zahlreicher Mittelständler und Handelsunternehmen, muss hierbei Vorrang haben.

Vor dem Hintergrund der Wettbewerbsfähigkeit des Handels muss die Politik zudem die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich der Handel in Verbundgruppen digital zusammenschließen und professionalisieren kann.

Dazu gehört beispielsweise der gemeinsame Zugriff auf Kundendaten, der durch die sogenannte EPrivacy-Verordnung verhindert wird. Nur durch eine zentrale Distributions- und Preispolitik kann der Handel zukunftsfest bleiben.

Klare Vorgaben bei der Datensicherheit

Gleichzeitig müssen von der Politik endlich klare und praxisorientierte Regelungen für das Thema Datenschutz und -sicherheit vorgelegt werden. Die aktuellen Vorgaben sind oft überregulierend, extrem komplex und stellen besonders kleine Unternehmen vor große Herausforderungen, die einem fairen Wettbewerb mit Großunternehmen entgegenstehen.

Die Politik muss daher schnellstmöglich einen übersichtlichen und leicht umsetzbaren Handlungsrahmen entwickeln, der sowohl Rechtssicherheit und Schutz vor Cyberkriminalität gewährleistet als auch kleinen und mittelständischen Unternehmen einen gewissen rechtssicheren Spielraum bei der Nutzung von Daten lässt.

Innovationskraft fordern und fördern

Die Politik muss zudem durch die Forderung und Förderung von Innovationskraft Anreize für den Mittelstand schaffen, selbst zu forschen und zu entwickeln.

Es muss ein Bewusstsein für die Notwendigkeit aber auch Attraktivität von unternehmensinternen Future Labs geschaffen werden. Das Ziel ist ein innovativer deutscher Mittelstand, auch in forschungsarmen Branchen wie dem Handel.

Die Politik muss handeln

Kleine und mittlere Unternehmen erwirtschaften über ein Drittel des gesamten Umsatzes aller deutschen Unternehmen. Sie beschäftigen mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten - mehr als 16 Millionen. Und: Mittelständische Betriebe sind verantwortlich für mehr als 80% aller Auszubildenden in Deutschland.

Die Aussage, der Mittelstand sei Deutschlands Zukunft, ist daher keine Leerformel sondern ein volkswirtschaftlicher Fakt.

Die zukünftigen politischen Entscheidungsträger müssen die Bedürfnisse des Mittelstandes ernst nehmen und eine gezielte Politik für den Mittelstand vor dem Hintergrund der digitalen Transformation betreiben.

Dazu gehört auch eine Antwort auf die Frage, wie man gegen den Mehrwertsteuerbetrug durch global agierende Internetplattformen vorgehen will, der den Wettbewerb zu Lasten des heimischen Mittelstands verzerrt. Die Politik muss handeln.

Über Günter Althaus:
Als Präsident des Mittelstandsverbundes ZGV und als Vorstandsvorsitzender der ANWR Group vertritt Günter Althaus die Interessen von tausenden kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland. Die Digitalisierung versteht er als essentiellen Schritt in die Zukunft, denn sie verändert rasant alle Geschäftsmodelle und die gesamte Arbeitswelt. Für kleinere und mittlere Unternehmen, die mit dieser Herausforderung am stärksten kämpfen, sieht er die besten Chancen in gemeinschaftlichen Aktivitäten und einer konkreten Zielsetzung. Günter Althaus ist außerdem Aufsichtsratsvorsitzender der DZB Bank und der AKTIVBANK und Mitglied im Präsidium des Handelsverbandes HDE.

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