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5 Wege aus der Krise: Wie Einzelhandel und Innenstädte auch in Zukunft attraktiv bleiben

29/04/2017 17:48 CEST | Aktualisiert 29/04/2017 17:49 CEST

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(Bildquelle: www.pexels.com)

Unsere Innenstädte verlieren aktuell zunehmend an Attraktivität. Traditionsgeschäfte verschwinden, immer gleiche Filialketten und Billigmodehäuser machen sich breit und abseits des Feiertagsgeschäfts bleiben in vielen Geschäften die Kunden aus. Grund dafür ist vor allem die wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel.

Um den Teufelskreis aus schwindenden Umsätzen, Ladensterben und zunehmend gesichtslosen Einkaufsstraßen zu durchbrechen, müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden. Die Digitalisierung ist dabei der wichtigste Schlüssel zum Erfolg. ANWR-Chef Günter Althaus erklärt, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, damit Einzelhändler und Innenstädte wettbewerbsfähig bleiben.

1. Gemeinsam agieren

Zuerst einmal: Die Innenstädte attraktiv zu halten, ist nicht allein Aufgabe der Einzelhändler. Städte und Kommunen, Immobilieneigentümer, Dienstleister und Geschäfte müssen zusammen an einem Strang ziehen. Denn auch horrende Parkgebühren und schlechte Orientierungsmöglichkeiten schrecken Kunden ab.

Ergänzend sollten Immobilieneigentümer ihre Mietangebote anpassen, um individuelle Händler und Gastronomen anzusiedeln und ihre eigenen Flächen attraktiv zu halten. Auch beim Thema „verkaufsoffene Sonntage" müssen alle Beteiligten - Städte, Kommunen, der Handel und zunehmend auch die Gewerkschaften - dringend den Weg für einen fairen Wettbewerb ebnen.

Denn während online die meisten Käufe am Wochenende getätigt werden, müssen sich stationäre Händler strikt an Ladenöffnungszeiten halten.

2. Digitale Sichtbarkeit

Stationäre Geschäfte, egal wie klein oder groß, müssen digital sichtbar sein. Ein Geschäft, das man bei Google nicht findet und das im schlechtesten Fall in einer Seitengasse liegt, wird kein neuer Kunde aufsuchen. Im Gegenteil: Kunden agieren heutzutage nach dem ROPO-Prinzip: Research Online, Purchase Offline.

Daher sind gelungene Websites und Social-Media-Auftritte als digitales Schaufenster ein absolutes Muss! Das Gleiche gilt für Städte und Quartiere, die ebenfalls als Marktplätze online sichtbar sein müssen und zwar mit allen wichtigen Einrichtungen: Geschäften, Parkmöglichkeiten, Gastronomie, Serviceeinrichtungen etc. Denn der Kunde nimmt den Weg in die Stadt nur in Kauf, wenn er weiß, dass - und vor allem wo - er alles finden kann.

3. Realtime-Verfügbarkeit und Sharing Economy

Auch die digitale Abbildbarkeit von Warenbeständen und logistischen Prozessen ist enorm hilfreich. Realtime-Verfügbarkeit heißt das Zauberwort: online zeigen, was es offline zu kaufen gibt.

Im besten Falle kann der Kunde die online entdeckten Produkte auch gleich reservieren und anschließend vor Ort abholen. Am POS geht diese „digitale Regalverlängerung" im besten Falle noch einen Schritt weiter: mithilfe von Plattformen können Händler ihre Warenbestände mit denen anderer Kollegen oder der Industrie vernetzen und damit die Verfügbarkeit im einzelnen Geschäft deutlich erhöhen.

Vorteil für die Kunden: Gibt es einen Artikel bei Händler A nicht, so kann er auf das Warenangebot von Händler B zurückgreifen, ohne das Geschäft wechseln zu müssen. Auf diese Weise können Unternehmen größtmöglichen Service bieten, ohne den Kunden an den Onlinehandel zu verlieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Händler Netzwerke bilden und Daten wie Warenbestände füreinander offenlegen.

4. Kundenbindung: Ohne Daten keine Zukunft

Um aus Neukunden Stammkäufer zu machen, müssen Händler möglichst viele Daten über sie sammeln, zum Beispiel mithilfe von Kundenkarten. Viele Händler scheuen noch den Aufwand oder wissen mit den gesammelten Daten nicht umzugehen. Doch wer seine Kunden nicht kennt, wird langfristig nicht überleben. Nur wer Informationen hat, kann die Käufer passgenau beraten, Empfehlungen geben und so mit dem E-Commerce mithalten.

Es wird Zeit, die gesamte Customer-Journey zu berücksichtigen, und das funktioniert nur digital. Die Ansprache des Kunden muss schon beginnen, bevor dieser das Geschäft betritt, ihn also zu Hause oder unterwegs via E-Mail, Social Media oder sogar WhatsApp erreichen.

Nur so schaffen Händler Anreize für einen Besuch. Kleine Unternehmen können dabei ganz einfach auf Anbieter von Digitalmarketing zurückgreifen, um den zeitlichen und technischen Anforderungen gerecht werden und sich ihrem Kerngeschäft widmen zu können.

5. Raum für Innovationen schaffen

Nur wer neue, attraktive Technologien und innovative Prozesse einführt, kann langfristig mit der Onlinekonkurrenz mithalten. Moderne Trackingsysteme beispielsweise können helfen, die Frequenz und Bedürfnisse der Kunden vor Ort zu erkennen. Neue Scantechnologien werden es in Zukunft ermöglichen, das optimal passende Kleidungsstück in kürzester Zeit zu finden. Und im virtuellen Spiegel können Kunden Kleidung anprobieren, ohne sich umziehen zu müssen.

Gleichzeitig gehen mit neuen Technologien auch große Veränderungen einher. So ist es denkbar, dass durch elektronische Preisschilder schon bald flexible Preise angeboten werden - wie bereits jetzt im Onlinehandel. Händler müssen sich dringend auf diesen Wandel einlassen, sonst werden wir in Zukunft ein massives Sterben von kleinen und mittleren Geschäften in Deutschland erleben. Und damit den endgültigen Verlust von attraktiven und lebendigen Innenstädten.

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