Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Gregor Gysi Headshot

Wir dürfen jetzt nicht die gleichen Fehler machen wie Frankreich

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NICE
Pascal Rossignol / Reuters
Drucken

Der Anschlag von Nizza ist ein furchtbares Ereignis. Es wurden völlig unschuldige Menschen getötet oder schwer verletzt. Das macht fassungslos. Und wir können noch nicht erahnen, welche Folgen dieser Anschlag für Europa und Deutschland haben wird.

Es muss Schluss sein mit immer schärferen Sicherheitsmaßnahmen. Sie helfen uns nicht weiter. Ein Mann konnte trotzdem mit einem LKW an einem Festtag in eine Menschenmenge rasen.

Es muss Schluss sein damit, dass wir Menschen ausschließen, statt sie zu integrieren. Wir dürfen jetzt nicht die gleichen Fehler machen wie Frankreich. In Pariser Vororten haben sich Ghettos und Parallelgesellschaften gebildet. Die Hoffnungslosen von heute sind die Terroristen von morgen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass Europäer dem IS beitreten

Es schockiert mich natürlich, dass Menschen aus Europa dem IS beitreten. Das dürfen wir nicht zulassen, auch wenn es wahnsinnig anstrengend ist. Vor allem dann, wenn eine Million Migrantinnen und Migranten im vergangenen Jahr gekommen sind. Sie müssen die deutsche Sprache lernen, sich qualifizieren und für den Arbeitsmarkt fit machen. Andernfalls tauchen diese Menschen unter, werden kein Teil der Gesellschaft. Die Rechnung zahlt jeder von uns mit Anschlägen wie in Nizza.

Wer jetzt wieder fordert, die Grenzen dicht zu machen oder Flüchtlinge auszuweisen, hat das nicht verstanden. Und von diesen Menschen gibt es viele in Deutschland - ihnen müssen wir die Ängste vor dem Islam nehmen.

Nur ein Beispiel: In meiner Nachbarschaft sollte eine Moschee gebaut werden. Damals haben sich sehr viele Menschen sehr laut darüber beschwert. Jetzt steht die Moschee - und keiner regt sich mehr auf. Bis dahin war es aber ein langer Überzeugungskampf. Er kostet Zeit und Kraft, aber es lohnt sich.

Schluss mit dem Krieg in Syrien

Es muss auch Schluss sein mit der Kriegstreiberei in Syrien. Wer jetzt fordert, noch mehr Truppen gegen den syrischen Staatschef Assad zu schicken, geht den falschen Weg. Eskalation bringt uns nicht weiter. Ganz im Gegenteil, sie ist ein Teufelskreis: Noch mehr Krieg führt zu noch mehr Terror - und daraus müssen wir ausbrechen.

Russland und die USA müssen sich endlich verständigen und auf den Kampf gegen den Islamischen Staat konzentrieren. Dann wären wir schon einen Schritt weiter.

Ich kann ja verstehen, dass das nicht einfach ist. Putin und Obama mögen sich nicht. Aber wir können den Terror nicht ohne Russland besiegen. Deswegen waren die Sanktionen falsch, sie sollten sofort aufgehoben werden.

Außerdem müssen wir verhindern, dass immer mehr Menschen zum IS überlaufen. In Bagdad hat man mir erzählt, dass George W. dafür gesorgt hat, dass jedes Mitglied der Baath-Partei bestraft wird. Außerdem werden Taxifahrer, die Terroristen fahren, hingerichtet. Selbst dann, wenn sie nicht wissen, wen sie gerade fahren. Diese Dinge müssen wir vor Ort ändern, um den Syrern ein Gefühl der Sicherheit zu geben.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Terroranschlag in Nizza - Lastwagen rast in Menschenmenge

Lesenswert: