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Kann gute Zahnpflege Leben retten?

18/11/2015 12:34 CET | Aktualisiert 18/11/2016 11:12 CET
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Plötzlich beginnt die Brust zu brennen, die Schmerzen strahlen bis in die Arme aus. Auf der Stirn glänzen Schweißperlen, die Übelkeit wird immer stärker. Es fühlt sich an, als würde ein Elefant über die eigene Brust laufen. Diese Szene spielt sich jeden Tag in Deutschland ab. Tatsächlich stirbt alle zehn Minuten jemand in Deutschland an einem Herzinfarkt. Was haben die Zähne damit zu tun?

Wenn Bakterien in den Blutkreislauf eindringen

Wer seine Zähne vernachlässigt, schafft gute Bedingungen für Bakterien. Sie lagern sich vor allem in den Zahnzwischenräumen an, dort, wo die Zahnbürste kaum hinkommt. Hier dringen sie ins Zahnfleisch ein und gelangen in den Blutkreislauf, wo sie Entzündungen hervorrufen können. Mit der Zeit werden die Gefäßwände hart und beginnen zu bröckeln.

Zwar sind die Forschungen noch nicht abgeschlossen, doch bisherige Studien lassen vermuten, dass eine schlechte Mundhygiene mehr negative Auswirkungen haben könnte als lange gedacht, und im Verbund mit anderen Risikofaktoren wie Tabakkonsum, fettreicher Ernährung und Übergewicht einen Herzinfarkt begünstigen könnte.

Andersherum konnte eine Studie des Lübecker Universitätsklinikums zeigen, dass Parodontitis-Patienten nach einer zahnärztlichen Behandlung elastischere Gefäße hatten als vorher. Gleichzeitig sank ihr Blutdruck. Eine gute Mundhygiene zahlt sich also doppelt aus!

Parodontitis erhöht das Schlaganfall-Risiko

Auch der Schlaganfall ist eine weit verbreitete Herz-Kreislauferkrankung - er zählt zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland. Eine Studie der Universität Witten-Herdecke konnte zeigen, dass Zähne und Zahnfleisch auch hier eine Rolle spielen.

So haben Patienten mit einer schweren Parodontitis ein 2,8-mal höheres Schlaganfall-Risiko als Menschen, deren Zahnfleisch kerngesund ist. Besonders Patienten, die bereits unter anderen Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Herzkrankheiten leiden, profitieren also von einer optimalen Mundhygiene in vielerlei Hinsicht.

Besonders Ältere sind in Gefahr

Schlechtes Zahnfleisch birgt viele weitere Risiken für die Allgemeingesundheit. So fanden Wissenschaftler der Universität von Barcelona heraus, dass Parodontitis-Patienten fast zehnmal häufiger an einer Lungenentzündung erkranken.

Die ist besonders für ältere Menschen gefährlich, deren Abwehrkräfte weniger aktiv sind als in jüngeren Jahren. In Deutschland sterben jährlich fast genauso viele Menschen an Lungenentzündungen wie an Schlaganfällen.

Ältere Menschen leiden auch häufiger unter Rheuma, Arthritis und Diabetes, die ebenfalls mit Parodontitis im Zusammenhang stehen. Obwohl eine gute Mundhygiene so wichtig ist, zeigen viele Senioren Nachholbedarf: Rund 80 Prozent leiden in Deutschland bereits unter einer Parodontitis. Aber das muss nicht so sein!

Tipps für eine gute Mundhygiene

Parodontitis kann viele Gründe haben: Genetische Veranlagung, Stress, unausgewogene Ernährung, Immunstörungen, Diabetes und eine schlechte Mundhygiene gehören dazu. Einige Risikofaktoren können Patienten aber direkt selbst beeinflussen.

Wer seine Zähne beispielsweise zweimal täglich gründlich reinigt - nicht nur mit der Zahnbürste, sondern auch mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten - schafft bereits gute Voraussetzungen. Zahnseide ist in vielen deutschen Badezimmern allerdings noch nicht angekommen, benutzt ein Erwachsener durchschnittlich doch nur 1,5 Meter Zahnseide pro Jahr. Bei korrekter Pflege wären es 180 Meter.

Darüber hinaus gehört die professionelle Zahnreinigung vor allem für Parodontitis-Patienten zur optimalen Vorsorge. Dabei entfernt der Dentalhygieniker Bakterien, die sich trotz häuslicher Zahnpflege an den Zähnen eingenistet haben, und gibt Tipps für die individuelle Zahnreinigung zu Hause.

Eine gute Mundhygiene sorgt nicht nur dafür, die eigenen Zähne bis ins hohe Alter zu erhalten, sondern stärkt auch die Allgemeingesundheit. Auf seine Zähne zu achten lohnt sich!

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