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Gordon Müller-Eschenbach

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Den ADAC jetzt zwingen, sich neu zu erfinden

Veröffentlicht: 23/01/2014 10:08

Es ist Zeit für eine grundlegende Erneuerung! Mauscheleien bei der Stimmzählung des „Gelben Engel"? Unklarheit, ob die Testergebnisse des ADAC nicht doch geschönt wurden? Erste Automobilkonzerne flüchten schon und distanzieren sich vom ADAC als einem ihrer stärksten Förderer im Lobby-Dschungel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Super-Gau ist da: Das Vertrauen in den ADAC ist gebrochen, weil ein formal neutrales Bewertungs- und Begutachtungs-Institut ertappt wurde, nicht sauber gearbeitet zu haben.

Wem kann man noch vertrauen?
Gibt es noch Moral und Anstand in den Managementetagen Deutschlands - und in den gemeinnützigen Vereinen? Wenn sich ein Vorstand des ADAC hinstellt und behauptet, er hätte nichts davon gewusst und nur der Kommunikationschef hätte eigenmächtig gehandelt, dann glaube ich ihm das persönlich nicht. Vor ein paar Jahren habe ich über Ecken einige kleine Einblicke in die politischen Nebenkriegsschauplätz des Club-Managements bekommen: Seilschaften, politische Intrigen und vor allem eine komplette Abschottung innerhalb des Unternehmens wurden sichtbar. Ich traute meinen Augen nicht: Der ADAC ist ein Unternehmen, dass riesige Geldmengen bewegt (man spricht von Milliarden) und als e.V. keinerlei Rechenschaft ablegen, geschweige denn die Zahlen veröffentlichen muss. Haben Sie als ADAC-Mitglied schon mal darüber nachgedacht, warum Sie nicht den Vereinsvorstand bzw. die Geschäftsführer direkt wählen können wie in jedem anderen Verein? In seiner gegenwärtigen Struktur eine tolle Plattform für den „Egotrip eines machtbesessenen Managers". Gut für die hauptamtlichen Geschäftsführer des ADAC, die eigentlich nichts zu befürchten haben. Sie müssen die Sache nur aussitzen und warten, bis eine andere Meldung die Schieflage in ihrem Verein wieder überdeckt.

ADAC hat noch andere Probleme als den Vertrauensverlust

Doch die schwindende Glaubwürdigkeit ist nicht das einzige brenzlige Problem des gelben Riesen. Wussten Sie, dass bei der Mitglieder-Akquise in den Fußgängerzonen und Einkaufszentren heftige Provisionen gezahlt werden? Und dass dort gar nicht Mitarbeiter des ADAC stehen, die Ihnen von den Unterstützungsmaßnahmen berichten, sondern professionelle Anwerber?

Und dann gibt es die größten strategischen Probleme des ADAC: Die Überalterung seiner Mitglieder und das Aussterben zahlungswilliger Unterstützer. Denn welcher 18jährige wird heute noch automatisch ADAC Mitglied, wenn man bequem spontan bei der ersten Panne ADAC-Mitglied werden kann? Der technische Fortschritt hat in den letzten Jahren außerdem dafür gesorgt, dass die neuen Autos gar nicht mehr liegenbleiben. Also weniger Arbeit für die „Gelben Engel". Und wenn jetzt noch der Trend in allen Metropolen der Welt hinzukommt, dass Autofahren uncool, sogar sozial abgestraft wird, was passiert dann mit dem ADAC wenn immer weniger junge Menschen ein Auto besitzen, nicht nur der Umwelt wegen.

Ich selbst bin seit dem 18. Lebensjahr ADAC-Mitglied und bin es geblieben, obwohl ich in Berlin wohne und inzwischen kaum mehr Auto fahre. Die ADAC-Motorwelt fliegt bei mir automatisch in den Papiermüll, jeden Monat. Wer will all die Anzeigen lesen für Rollatoren, Treppenlifte, Butterfahrten und Potenzmittel? Und trotzdem bin ich ein Beispiel für das eigentliche Geschäftsmodell des ADAC: Langjährige Mitglieder zahlen ewig und treu, weil sie vergessen haben, dass jährlich der Betrag abgebucht wird und sie die Serviceleistungen gar nicht mehr brauchen. Ein schönes Abo-Modell der alten Zeit - der ADAC profitiert von unserer Trägheit.

Und jetzt? Revolution starten!

Und was sollten die ADAC Mitarbeiter oder Mitglieder machen? Ja, eine Revolution starten. Denn eins ist klar: Auch im ADAC gibt es sehr engagierte, motivierte und um „die größere Sache" bemühte Mitarbeiter, die sich jeden Tag für ihre Mitglieder mit voller Kraft engagieren. Diese gilt es zu fördern, und mehr Transparenz im Unternehmen zu fordern und der Vetternwirtschaft und Klüngelei hinter verschlossenen Türen den Kampf anzusagen. Die tollen Helfer auf der Straße, die „gelben Engel", sind längst selbständige Unternehmer. Sie erledigen jeden Tag bei Eis, Schnee, Regen und Sturm ihren Dienst - genau wie die Rettungspiloten und Ärzte in den Hubschraubern, die jeden Tag Leben retten. Diese Menschen sind die wahren Helden des ADAC. Für ihre Leistungen wollen die Millionen Mitglieder auch gern zahlen, nicht aber für die abgeschotteten selbstverliebten Manager ohne strategischen Weitblick. Sie sollten bei der Neuaufstellung des ADAC im Mittelpunkt stehen. Der ADAC braucht eine neue Unternehmenskultur. Eine, die auf Kommunikation beruht - nach innen wie nach außen. Zum Wohle einer ehrwürdigen Organisation, die dafür gegründet wurde, Menschen zu helfen und sogar zu retten.

 

Gordon Müller-Eschenbach auf Twitter folgen: www.twitter.com/gordon_me

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