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Just be yourself BeWoman - Du bist schön wie du bist.

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MODELS
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BeWoman - Zeit, um Frau zu sein:

Casting-Shows sind eine Goldgrube und Menschen, die solche Events organisieren - ob es sich dabei nun um aktuelle US-Präsidenten oder um ehemalige deutsche Top-Models handelt - gelten gemeinerhand als "Macher", die "es geschafft" haben.

Manch einer bezeichnet solche Sendungen und Shows als moderne Märchen, was sie ja auch tatsächlich sind - wenn man mal davon ausgeht, dass der Erzähler heutzutage ein Moderator ist, der Zauberer ein Fotograf, und dass es nicht eine, sondern zehn, zwanzig, dreißig bezaubernde Prinzessinnen gibt, die von einer bösen dreiköpfigen Hydra (die Jury) bedroht werden.

Andere halten weit weniger von solchen Unterhaltungsformaten: die Models sind viel zu jung, die ihnen gemachten Hoffnungen nicht realistisch und sowieso der ganze Zauber ekelhaft und sexistisch.

Und manch einer lässt sich sogar dazu verleiten, gegen die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger zu wettern, eine Aussage, die der Autor des vorliegenden Textes für überspitzt hält. Die Wahrheit liegt vermutlich mal wieder in der Mitte und eins ist klar: es geht mal wieder ums ganz große Geld, denn am Rummel um die Schönheit verdienen ganze Wirtschaftszweige mit.

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Schönheit war bereits ein Thema, noch ehe es den Menschen gab. Nehmen wir das Balzverhalten der Tiere als Beispiel: hier punktet vor allem, wer gesehen wird. Nur jene, die es wirklich verstehen, auf sich aufmerksam zu machen, kriegen auch die besten Partner. Als sich dann der Mensch zu entwickeln begann, stand er vorerst noch auf "äffisch".

Entwicklungsforscher sind heute zunehmend der Ansicht,dass sich unsere frühesten Vorfahren nicht nur mit ihren Cousins, den Menschenaffen, einließen,sondern sich auch mit diesen vermehren konnten. Mit der fortschreitenden Evolution jedoch legte der Mensch nach und nach seine Vorlieben für Affen ab und wendete sich immer mehr seiner eigenen Rasse zu.

Ein anderes Beispiel stammt ebenfalls aus der grauen Vorzeit und spielte sich am Rande der Antike ab; zu jener Zeit fand nämlich eine kleine Völkerwanderung aus Asien nach Europa statt: dem ungehobelten, affenähnlichen Neanderthaler stand plötzlich der, dem heutigen Menschen ähnelnde, Homo Sapiens gegenüber. Komischerweise kam es nicht, wie man eigentlich hätte erwarten können, zur Vermischung beider Rassen. Der Neanderthaler starb aus.

Man kann heute nur spekulieren, warum es nicht zu Vermischungen zwischen den beiden
Menschengruppen kam. War der Homo Sapiens bereits derart fortschrittlich, dass er sich nicht mit dem Neanderthaler vermischen konnte? Oder hatte der Mensch bereits jenes Gefühl für Schönheit entwickelt, das es ihm untersagte, sich mit den unansehnlichen Ur-Europäern einzulassen.

Gab es hier erstmals unverbindliche gesellschaftliche Normen, die den damaligen Menschen einen gewissen Lebensstil zuschrieben, dessen Nicht-Einhaltung die soziale Ächtung mit sich brachte? Wie gesagt, man kann hier nur spekulieren. Was man allerdings ziemlich genau weiß ist, wie es weiterging.

Nach den antiken Großmächten, die allesamt ihr eigenes Schönheitsbild besaßen, wurde Europa feodal. Zeigten sich Griechen und Römer noch freizügig - schöne Frauen gingen in Griechenland noch barbusig einher, während in Rom Kaiser Nero öffentlich die biegsamen Leiber seiner Lustknaben besang - so wurde bereits unter den fränkischen Herrscher ein kompliziertes System eingesetzt, das bestimmen sollte wer mit wem, wann und wo.

Unbedingt zu beachten war das, teilweise ungeschriebene, Gesetz: "man heiratet nicht unter seinem Stand".

Einem Adligen war es wohl erlaubt, sich mit einer Bürgerlichen zu vergnügen, allerdings durfte dies nicht öffentlich gemacht werden und keine Skandale daraus entstehen (was Frauen anging, so war fremdgehen natürlich verboten und wurde streng bestraft). So entstanden langsam aber sicher, Normen, welche den Menschen, besonders aber den Frauen, vorschrieben, wie sie sich zu kleiden und zu benehmen hatten.

Der Sinn des Ganzen: jeder sollte auf den ersten Blick sehen können, welchem Stande die ihm gegenüberstehende oder entgegenkommende Person angehört. Diese Normen ziehen sich durchs gesamte Mittelalter und finden ihren albernen Höhepunkt unter den Bourbonen, wo sich Frauen von Stand derart pudern, schminken und in Korsette schnüren, dass man sie heute wohl in der Rocky Horror Picture Show auftreten lassen würde.

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Erst die sexuelle Revolution 1968 hat diese rigiden Schönheitsidealen aufgeweicht. Was aber nicht bedeutet, dass es heute keine Schönheitsideale mehr gibt; im Gegenteil. Dank Jugendzeitschriften, Casting-Shows und YouTube-Videos verändern sich Mode und Schönheitsbilder derart schnell, dass einem schwindlig werden kann.

Es stellt sich die Frage: war die Mode am Hof eines Louis XIV wirklich so albern? Oder sind wir gerade dabei, uns zum Affen zu machen? Back to the roots, back to Neanderthal. Schönheit geht also immer mit gesellschaflichen Normen und Zwängen einher. Doch was ist mit jenen Menschen, die nicht schön sind? Diese Frage stellt sich nicht; Menschen, die nicht schön sind, gibt es nicht.

Dieser Ansicht bin ich jedenfalls. Für mich ist Schönheit etwas rein subjektives. Oder warum halten es so viele Menschen in einer Partnerschaft aus, auch wenn die Partnerin Tag ein, Tag aus, mit Küchenschürze und Lockenwickler im Haus umher rennt und die Kinder anschreit?

Warum rennen Frauen, die gelegentlich mal zu den Chippendales gehen, nicht schreiend aus dem gemeinsamen Heim, wenn ihr fettleibiges Alter-Ego mal wieder mit der Männergrippe kämpft? Weil die Chippendales den gesellschaflichen Normen folgen, ihre Partner aber nicht. 

Weil wahre Schönheit nicht unbedingt das Six-Pack unter dem T-Shirt ist. Weil Schönheit
überhaupt irrelevant ist, weil man sie immer und überall findet. Man muss nicht immer gleich nach Disneyland! Manchmal genügt es einfach, im eigenen Garten zu sitzen und die vertraute Umgebung auf sich einwirken zu lassen. 

Und genau solche Erfahrungen sind es, die mich und mein BeWoman-Projekt (www.bewoman.lu) wieder auferstehen lassen wollen.

Die Idee ist einfach: ein Foto-Shooting - und jeder kann mitmachen. Egal ob mollig oder dünn, groß oder klein, lang- oder kurzhaarig - jeder kann mitmachen. Es wird kein stundeslanges Styling geben, keine Schminkorgie und kein verbessernder Photoshop. Und wir sagen Euch allen: auch ohne diese Hilfsmittel seid Ihr dennoch schön. Lasst es uns euch beweisen. Mädels, es ist Zeit, dass wir von den überholten Schönheitsidealen unserer Gesellschaft loskommen. 

It's time to be youself - it's time to bewoman!

Weitere infos gibt es hier auf meiner Page - Gordon Meyrath

Alle Bilder aus diesem Beitrag stehen unter Copyright.

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