BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Glennon Doyle Melton Headshot

Der nächtliche Kampf: Die Kinder ins Bett bekommen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KIND
Shutterstock
Drucken

Ich ließ Craig gestern die nächtliche Runde von „Hau-den-Maulwurf" [Whack-a-mole] (auch bekannt als Schlafenszeit) bewältigen und machte es mir um 19.45 auf der Couch bequem. Das ist wie meine Siegerrunde - auf der Couch liegen.

Der Tag ist vorbei, weg ist der Sohn, weg sind die Mädchen, vorbei die Streitereien und das Gejammer. Alles ist still - Bravo - Schlaf ist nah...

Eines der unzähligen Probleme mit dieser Eltern-Sache ist, dass einen der härteste Teil erst am Schluss erwartet. SCHLAFENSZEIT. Schlafenszeit sollte morgens stattfinden - wenn wir frisch sind und nett und lieb - und ordentliche Erziehung immer noch als eine durchaus reale Möglichkeit erscheint. Aber nein, die härtesten Aufgaben - Abendessen und Badezimmer- und Schlafenszeit - kommen erst am Ende des Tages, wenn wir keine Energie mehr haben. Die Wahrheit ist: Wir zählen die Minuten. Wir zählen die Momente, bis niemand mehr unser Boss ist. Bis wir in unsere Couch, unser Buch, das Internet oder in ein Glas Wein versinken können - was auch immer unsere Siegerrunde beinhaltet.

Es hilft nicht, dass wir in unseren Mami-Köpfen diese Idee haben, dass die Schlafenszeit die friedlichste und liebevollste Zeit des Tages sein sollte. Dass wir unsere Lieblinge mit Liedern, Geschichten, sanften, lieblichen Stimmen und ihr Engelshaar streichelnd ins Traumland schicken sollten. Manchmal sieht die Schlafenszeit tatsächlich so aus. Nicht oft.

Jedes unserer Kinder bekommt eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Sie suchen sich niemals eine gute aus, sie suchen sich immer die längste aus.

Und die Kleinste will uns helfen, ihr Buch zu „lesen". Also, mal sehen. Sie braucht ungefähr sechs Minuten, um jedes einzelne Wort zu erraten, und wenn das Buch hundert Wörter hat, nun, ich bin keine Mathespezialistin, aber ich kann euch sagen: Ich bin in diesem Raum FÜR IMMER gefangen. Es fühlt sich an, als müsste ich dieses Buch mit Amma lesen, bis ich sterbe. Und ich weiß, ich sollte ihre Leseversuche eigentlich UNTERSTÜTZEN. Ich meine, es ist gut - das ist eine gute Sache, dass sie lesen will. Ich habe als Lehrerin Lesen unterrichtet, ich weiß, dass das eine GUTE Sache ist, über die ich mich FREUEN sollte. Aber in meinem Fall zerstört Erschöpfung jedes einzelne Mal die Freude. Und ich kann mir nicht helfen, aber ich bemerke, DASS DIE EINZIGE ZEIT, IN DER SIE SICH WIRKLICH DAFÜR INTERESSIERT, SELBST ZU LESEN, DIE SCHLAFENSZEIT IST. Wenn sie mich als Geisel halten und mit jedem ausgesprochenen Wort sechs Minuten länger wach bleiben kann. Und so denke ich, während ich eigentlich nur süße Gedanken im Kopf haben sollte, nur: OH MEIN GOTT. ICH WERDE STERBEN. ICH FAHRE AUS DER HAUT. DU BIST SO SCHLECHT IM LESEN. SO SCHLECHT SO SCHLECHT SO SCHLECHT. BITTE GOTT. MACH, DASS DIESES BUCH... einfach... einfach VERSCHWINDET, sodass ich meine Siegerrunde bekomme. ICH VERDIENE MEINE SIEGERRUNDE!

Aber nein. Nein. Keine Hilfe von oben. Und so geht es weiter. Und weiter. „U....uun.....uuunnnd s-oooo....g...giiiii....giiinnng?", sagt Amma. Ich werde 45 Minuten lang als Geisel gehalten. Wenn sie endlich fertig ist, beschließe ich, dass es nach diesem Debakel KEINE MÖGLICHKEIT gibt, dass das Universum von mir auch noch erwartet, das „Lied" zu singen, das ebenfalls Teil ihres „Zubettgeh-Rituals" ist. Ich sage gute Nacht und bete, dass sie es vergessen wird.

Aber sie vergessen nie etwas. Sie TUN NUR SO, als würden sie vergessen, damit sie eine weitere Entschuldigung haben, um aus ihren Zimmern zu schlüpfen und dich daran zu erinnern, was du vergessen hast.

Also kommt drei Minuten später, wenn ich denke, die Luft ist rein, mein kleinster Maulwurf. „Du hast mein Lied vergessen", sagt sie. Und starre sie eine lange Sekunde lang an und gestehe mir zweierlei Dinge ein.

1. Sie ist unglaublich süß und lieb und eines Tages werde ich diese Besuche vermissen, vor allem, wenn sie anfangen wird, sich heimlich aus ihrem Zimmer zu schleichen, um mit ihren Freunden Party zu machen und nicht, um mich darum zu bitten, ihr Lieder zu singen.

2. Es ist egal. Ich raste gleich aus.

Und so singe ich ihr ihr Lied. Aber ich singe es wie eine Geisteskranke. Augen weit aufgerissen, Zähne zusammengebissen, ein wenig zu laut. Nicht lieblich. Wie ein Roboter. "You. Are. My. Sun. SHINE. My. Only. Sun. SHINE." Ich singe es, als wären Schimpfwörter zwischen den Zeilen versteckt.

Und dann. Dann bin ich fertig. Es ist Zeit. Ich bin ein Freiheitskämpfer und ich habe lange Zeit hart für meine EIGENE FREIHEIT gekämpft und nun ist sie hier. Nun ist die Zeit gekommen, ich der ich meine Mami-Arme in die Luft werfen kann und tief durchatmen und alleine Kekse essen. Meine Hand ist auf der Türklinke des Kinderzimmers. Ich kann sie sehen ich kann sie fühlen ich kann sie hören ich kann sie SCHMECKEN diese Sofakissen. Und dann. Spricht Amma wieder. Ich erstarre.

„Maaaamiii. Erzähl mir von Gott."

NEIN. DAS HAT SIE NICHT GESAGT. OH NEIN, DAS HAT SIE NICHT GESAGT.

WARUM WIRD JEDES KIND AUF EINMAL EIN VERDAMMTER THEOLOGE UND NATURFORSCHER UND WILL ALLE PROBLEME DER WELT LÖSEN WENN SCHLAFENSZEIT IST??? ICH DENKE, WIR WISSEN WARUM. Oh ja. Ich denke, wir wissen warum. Denn da ist ein geheimer Übergangsritus, von dem wir nichts wissen. Wenn sie noch Babys sind, schmuggelt irgendein älteres Kind ein Buch in deren Kinderwagen mit dem Titel: „GEISELBEFRAGUNG WÄHREND DER SCHLAFENSZEIT: Eine Sammlung von Fragen, die deiner Mama ein zu schlechtes Gewissen bereiten werden, wenn sie sie nicht beantwortet." Auf der Rückseite steht: „Verschafft dir garantiert zehn Minuten extra jede Nacht - mit Geld-Zurück-Garantie."

Aber ich kenne den Drill. ICH KENNE DIESEN DRILL. UND ICH LIEBE GOTT, SICHER. Ich liebe es, Kinder über Gott zu unterrichten - ich bin eine verdammte Sonntagsschullehrerin, um Gottes Willen (wortwörtlich). ABER GOTT LIEBT MICH AUCH. UND GOTT WILL, DASS ICH JETZT AUF DIESER COUCH SITZE, DAMIT JEDER MENSCH IN DIESEM HAUS SEIN LEBEN WEITERLEBEN KANN.

Also schaue ich Amma an und sage: „Liebes, ich würde liebend gerne mit dir über Gott sprechen. Wenn du morgen während DEINER FERNSEHZEIT immer noch Interesse hast, können wir reden. WIE FINDEST DU DAS?" DAS GEHT DANN AUF DEINE ZEIT, BA-BÄM. WIE FINDEST DU DAS NUN, AMMA????

Sie versteht es. Sie geht endlich schlafen. Sie wissen, wenn Mami nicht mehr kann. Wenn ich anfange, wie ein Boxer zu gestikulieren anstatt wie eine Mama, wissen sie, es ist Zeit. Es ist nicht schön, aber es ist effektiv. Ich bin Glinda, die gute Hexe bis 19.45 und ab 19.46 nichts als grüne Gesichter, Warzen, Gekicher und Drohungen. Und oft ist dies das beste, was ich tun kann.

Also wartete ich letzte Nacht auf Craig, der den letzten „Maulwurf" „haute", ich hörte halb, wie die Schlafzimmertür sich wieder öffnete und eine typische Maulwurf-Entschuldigung ertönte: „Ich kann nicht schlafen, weil mein Ellbogen weh tut!" „Ich brauche EISKALTES Wasser, nicht normal kaltes Wasser." „Meine Schranktüren sind offen." „Da ist ein Elefantenschatten auf meinem Fenster." Hau-hau-hau-hau. Nichts neues. Die Maulwürfe sind heute Nacht nicht besonders kreativ, dachte ich. Aber dann höre ich, wie sich eine Tür öffnet und eins der Kinder zu Craig sagt (immer noch den Holzhammer in der Hand, sitzt er gegen die Wand im Flur gelehnt): „Ich kann nicht schlafen, weil mein Finger riecht, weil ich die ganze Zeit meinen Po kratze."

Hmm. Nicht schlecht, dachte ich und kicherte, denn es ist witzig, wenn du nicht an der Reihe bist. Craig sagt: „OK. Geh deine Hand waschen." Ich höre das Wasser laufen, Schritte im Flur, Kind geht zurück in sein Zimmer. Zwei Minuten später geht die Tür wieder auf, Maulwurf-Kind taucht wieder auf. „Mein Finger...." „GEH DEINE HAND NOCH EINMAL WASCHEN", sagt Craig in diesem sehr gleichmäßigen, kontrollierten Ton, der bedeutet, dass die Hau-den-Maulwurf-Maschine gleich EXPLODIERT. Wasser läuft, Maulwurf-Kind schlurft langsam in sein Zimmer zurück. Eine Minute später, die Tür öffnet sich wieder. Maulwurf-Kind sagt: „Mein Finger..." „DANN HÖR AUF DEINEN PO ZU KRATZEN. UND HÖR AUF AN DEINEM FINGER ZU RIECHEN! ODER STECK IHN UNTER DEIN KISSEN. HALT DEN ATEM AN. EGAL WAS. ABER GEH. JETZT. SCHLAFEN!"

Maulwurf-Kind versteht. Es hat keine Münzen mehr. Papi ist pleite. Die Maschine ist fertig für heute.

Keine Tür geht mehr auf.

Craig kommt runter.

Er setzt sich zu mir mit Tee und wir schauen „House of Cards" während unserer Siegerrunde. Innerhalb von zehn Minuten ist er eingeschlafen.

Alle Maulwürfe sind in ihren Löchern. Ich und meine Kekse und Stille. Glinda ist zurück.

Bleibt stark, ihr Kämpfer.

In Liebe,
die schlimmste Schlafenszeit-Familie in der Geschichte des gesamten Universums


Dieser Beitrag erschien zuerst auf Momastery


Auch auf HuffingtonPost.de: Junge Eltern legen coole Performance von Disney-Lied im Auto hin


TOP-BLOGS


MEHR ZUM THEMA BEI UNSEREM PARTNERPORTAL NETMOMS.DE

2014-02-25-Unbenannt.png

NetMoms ist DAS deutschsprachige Portal für Mütter im Internet. NetMoms bietet hochwertige Informationen zu allen Themen rund um Kinder und Familie.