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Das ist das Wertvollste, das Eltern ihrem Kind mitgeben können

10/04/2017 17:57 CEST | Aktualisiert 10/04/2017 17:57 CEST
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Meine Tochter Tish kam einmal aus der Schule nach Hause und erzählte mir, die Eltern einer Freundin würden sich scheiden lassen. "Mama, wird uns das auch passieren?", fragte sie. Ich sah ihr ins Gesicht und sagte "Nein, mein Schatz. Wird es nicht. Bei uns ist alles gut."

Ein Jahr später trennten ihr Vater und ich uns. Als wir unseren Kindern die Nachricht überbrachten, sah ich die Fassungslosigkeit im Gesicht meiner Tochter, als ihr dämmerte, dass das, wovor sie sich gefürchtet hatte, eintreten würde - trotz meiner Versicherung, dass es nicht passieren würde.

Als sie zu verstehen begann, was das für unsere Familie bedeutete und dass ich mein Versprechen nicht gehalten hatte, fühlte ich mich, als würde ich Zeugin davon werden, wie ihre Kindheit zu Ende ging. Es war der mit Abstand schwierigste Augenblick in meinem Leben, weil er für sie so schlimm war.

Meine größte Angst ist es, dass ich meine Kinder enttäusche. Ich bin mit Jaqueline Kennedy einer Meinung, die mal sagte: "Wenn du es versaust, deine Kinder zu erziehen, ist alles andere nicht mehr wirklich was wert." Ich hätte es fast versaut. Ich fühlte mich wie eine Versagerin.

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Wir taten unser Bestes, würdevoll und respektlos unsere intakte Familie aufzulösen. Wir aßen sonntags zusammen zu Mittag, mein Exmann zog in ein Haus nur ein paar Minuten entfernt und wir sprachen freundlich übereinander.

Nichts davon machte das einfacher, was meine Kinder durchmachten. Sie litten jeweils auf ihre eigene Weise. Ich gab auf, das Beste zu versuchen - als neue Mutter, die ich nun war: eine Versagerin.

Ungefähr zu dieser Zeit hielt ich einen Vortrag bei einer Konferenz. Eine Frau im Publikum stand auf und sagte: "Glennon, meine Familie ist kaputt. Es gibt keinen Weg, wie ich sie retten kann. Mein kleiner Junge leidet. Jeden Tag sehe ich ihn an und denke 'Ich hatte nur einen Job'. Der bestand darin, ihn vor Schmerz zu bewahren und ich habe es nicht geschafft. Ich fühle mich so sehr wie eine Versagerin."

Ich sah sie an und schluckte. Meine Augen wanderten durch das Publikum. Viele andere Frauen nickten zustimmend. Keine von uns konnte ihre Kinder vor Unglück schützen. Dann kam mir ein Gedanke: 'Warte. Was, wenn wir unseren Job als Eltern gar nicht versauen? Was, wenn wir uns nur einfach die falschen Jobbeschreibungen auferlegt haben?'

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Ich wandte mich an die Frau, die aufgestanden war und fragte sie: "Können Sie mir in drei Worten beschreiben, welche Art von Mann Sie erziehen wollen?"

Sie antwortete: "Ich möchte, dass er liebenswert ist. Ich möchte, dass er klug ist. Und ich möchte, dass er belastbar ist."

"Ja", sagte ich, "dann sagen Sie mir: Womit muss ein Mensch im Leben konfrontiert werden, damit er diese Eigenschaften erlangt?"

Absolute Stille im Publikum. Die Frau starrte mich an.

"Schmerz!", sagte ich. "Anstrengung. Es geht nicht darum, dass es nichts gibt, über das man hinwegkommen muss. Es geht darum, zu bewältigen, erneut zu bewältigen und dann wieder zu bewältigen. Kann es also sein, dass wir unsere Kinder vor der einen Sache beschützen wollen, die sie zu den Menschen machen wird, die wir uns wünschen? Und kann es auch sein, dass wir uns als Eltern als Versager fühlen, weil wir die falsche Rolle angenommen haben?

Vielleicht war es nie unser Job - oder unser Recht -, unsere Kinder vor jedem kleinen Schlag oder jeder Beule zu beschützen? Vielleicht ist es im Gegenteil unsere Pflicht, sie auf die unvermeidbaren Tests und Hindernisse des Lebens zuzuführen und ihnen zu sagen 'Schatz, diese Herausforderung ist für dich.

Es mag ein bisschen schmerzen, doch es wird deine Lebenserfahrung, deinen Mut und deinen Charakter stärken. Ich kann sehen, was du durchmachst und es ist nicht leicht. Aber ich kann auch deine Stärke sehen und die ist viel größer als dein Schmerz. Das wird nicht einfach sein, aber du schaffst es.'"

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Kurz nachdem meine Scheidung durch war, rief ich eine gute Freundin an und bat sie um Rat, wie ich meinen Kindern durch die Krise helfen sollte. Sie hat selbst keine Kinder und genau deshalb vertraue ich auf ihren Rat.

Ich frage grundsätzlich nur Freunde um Rat in Erziehungsfragen, die keine Kinder haben, denn sie sind die Einzigen, die genug bei Verstand sind und den Kopf frei haben, um wirklich sinnvoll weiterzuhelfen.

Sie sagte: "Glennon, deine Familie sitzt jetzt zusammen im Flugzeug und es gibt schwere Turbulenzen. Die Kinder haben Angst. Was tun wir, wenn wir im Flugzeug sitzen und Angst haben? Wir gucken auf die Flugbegleiter. Wenn sie ängstlich wirken, geraten wir auch in Panik. Wenn sie die Ruhe bewahren, bleiben auch wir ruhig.

Du bist in diesem Szenario die Flugbegleiterin und du hast schon so viele Turbulenzen überstanden, dass du weißt, dass ihr es überstehen werdet. Deine Kinder sind noch nicht oft geflogen, also gucken sie auf dich, um zu sehen, wie du dich verhältst. Dein Job jetzt ist es, ruhig zu bleiben, zu lächeln - und weiter die verdammten Erdnüsse zu verteilen."

Das Leben ist nicht immer sicher, und deswegen ist es nicht unsere Aufgabe, unseren Kindern zu vermitteln, es gebe keine Turbulenzen. Unsere Aufgabe ist, ihnen zu versichern, dass, wenn die Turbulenzen kommen, wir uns alle an den Händen halten werden und sie gemeinsam überstehen.

Wir versprechen ihnen kein Leben ohne Schmerz, doch wir versichern ihnen, dass die kleinen Hürden und Missgeschicke sie nicht umbringen werden - denn letztlich machen sie sie zu liebenswerteren, klügeren, widerstandsfähigeren Menschen. Wir schauen ihnen in die Augen und sagen ihnen: "Hab keine Angst. Du kannst das schaffen."

Dann lächeln wir. Und verteilen weiter die Erdnüsse.

Dieser Blog erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Lea Kosch aus dem Englischen übersetzt.

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(ame)

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