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Trotz Rana Plaza steigert die Billigmode ihren Umsatz - die Politik muss endlich Unternehmen zur Haftung verpflichten

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RANA PLAZA
Getty Images
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Das Entsetzen war einmal gro├č: 1138 Tote. Begraben unter dem Hochhaus Rana Plaza mit f├╝nf Fabriken, das am 24. April 2013 in Bangladesch einst├╝rzte. Gen├Ąht wurde f├╝r Europa und die USA: ├ťber 1500 Arbeiter_innen ├╝berlebten, teilweise schwer verletzt, vielen wurden Beine oder Arme amputiert, um sie aus den Tr├╝mmern bergen zu k├Ânnen, viele bleiben f├╝r immer arbeitsunf├Ąhig. Sie ben├Âtigen langfristige Hilfe.

Die notleidenden N├Ąherinnen in Bangladesch, die Schmerzen der ├ťberlebenden von Rana Plaza sind weit weg - aber die Ums├Ątze von Billigketten brechen nicht etwa ein, im Gegenteil: Sie feiern Triumphe ob bei Primark, KiK, NKD, Adler oder Walmart. Nur wenn Hilferufe pl├Âtzlich in der Kleidung gefunden werden, wie k├╝rzlich bei Primark , gibt es ein vor├╝bergehendes Aufschrecken - danach geht es zur n├Ąchsten Primark Filialer├Âffnung so wie im Mai in K├Âln und im Juli in Berlin. Primark geht es gl├Ąnzend, der Umsatz des Textildiscounters belief sich 2013 auf rund 4,2 Milliarden Euro. Auch KiK hat seinen Umsatz im Jahr 2013 mit 1,5 Milliarden Euro um 6,8 Prozent gegen├╝ber dem Vorjahr gesteigert.

Beide Textildiscounter lie├čen im eingest├╝rzten Rana Plaza in Bangladesch produzieren, beide haben inzwischen 1 Million US-Dollar Entsch├Ądigung in den von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gef├╝hrten Entsch├Ądigungsfonds eingezahlt. Primark hat zus├Ątzlich sieben Millionen direkt an die N├Ąherinnen der Fabrik New Wave Bottom ausgezahlt, die f├╝r den Discounter gen├Ąht haben. Immerhin Primark kommt seiner Verantwortung nach, die Entsch├Ądigungssumme von KiK ist angesichts seines Umsatzes jedoch immer noch zu niedrig. Walmart hat offenbar einen so l├Ącherlichen Betrag in den Fonds eingezahlt, dass der gr├Â├čte Einzelh├Ąndler der Welt (mit einem Gewinn von 27 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013) sich scheute, die Summe bekannt zu geben. Auch Gap mit einem Gewinn von 1,1 Milliarden US-Dollar hat f├╝r die N├Ąherinnen offenbar nur Brotsamen ├╝brig.

Bis heute ist der Entsch├Ądigungsfonds nur bis zu einem Drittel (17,7 Millionen US-Dollar) gef├╝llt, es werden aber 40 Mio US-Dollar ben├Âtigt. Dieser Bedarf ist f├╝r die Entsch├Ądigung von Familienangeh├Ârigen und Verletzten anhand von Lohnausf├Ąllen gem├Ą├č der ILO Konvention 121 (Leistungen bei Arbeitsunf├Ąllen und Berufskrankheiten) von einem unabh├Ąngigen Komitee ermittelt worden. Alle 29 Unternehmen, die in Rana Plaza produzieren lie├čen, haben zusammen ├╝ber 22 Milliarden Dollar Gewinne gemacht. Weniger als 0,2 Prozent dieser Summe w├Ąre n├Âtig, um die Opfer von Rana Plaza halbwegs w├╝rdig zu entsch├Ądigen.

Immer noch gibt es Unternehmen, die sich verweigern, darunter auch teure Marken-Unternehmen wie Benetton, das einen Gewinn von 24 Mio EUR im letzten Jahr machte - f├╝r die N├Ąherinnen haben sie keinen Cent ├╝brig. Und Li & Fung, einer der weltweit gr├Â├čten Eink├Ąufer f├╝r Warenh├Ąuser und Handelskonzerne mit Sitz in Hongkong lie├č in Rana Plaza produzieren und zahlte bisher ebenfalls keinen Cent. Es ist emp├Ârend und eine Schande, dass sie alle sowie deutsche Firmen wie Adler (Gewinn von 18 Mio Euro im Jahr 2013) oder auch NKD nicht bereit sind, in den Fonds einzuzahlen. Der Appel der sieben Regierungen von D├Ąnemark, Deutschland, Frankreich, Gro├čbritannien, Italien und Niederlande am 26. Juni 2014 an die Unternehmen, in den Entsch├Ądigungsfonds einzuzahlen bzw. ihre Einlage zu erh├Âhen scheint bisher nicht zu fruchten.

Weil dies so ist, muss die Politik endlich gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen, damit Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden k├Ânnen. Unternehmen m├╝ssen bei Verletzung ihrer Vorsorgepflicht in ihrer Lieferkette endlich haften. Frankreich hat hierzu gerade eine Gesetzesvorlage erarbeitet. Bisher sind alle Selbstverpflichtungen der Unternehmen auf rein freiwilliger Basis; das Ergebnis sehen wir nun bei Rana Plaza: Es ist in das Belieben des einzelnen Unternehmens gestellt, ob und wie viel es an Entsch├Ądigungen zahlt - einige eben gar nichts und viele zu wenig. Die in Artikel 14 des Grundgesetzes festgeschriebene Gemeinwohlbindung des Eigentums bietet den verfassungsrechtlichen Rahmen, denn: Eigentum verpflichtet.