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An die Wetter-Moderatorin, die einen "Tipp" f├╝r Menschen mit Depressionen hat

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
DEPRESSIONEN MODERATORIN
iStock
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Heute Morgen um kurz nach sieben Uhr hatte die Wetter-Moderatorin eines gro├čen bayerischen Radiosenders einen Tipp f├╝r Menschen mit Depressionen: einfach jeden Tag mindestens 30 Minuten an der frischen Luft verbringen. Denn Tageslicht helfe gegen "Herbstdepri", wie sie es nannte.

Es mag ja sogar sein, dass es so etwas wie eine "Herbstdepression" gibt und auch Studien, die das belegen. Doch im Gegensatz zu einer "Herbstdepression" verschwindet eine echte Depression nicht, sobald die B├Ąume im Fr├╝hling wieder gr├╝n werden.

Begriffe wie "Herbstdepression" verharmlosen die Krankheit

Es sind Bezeichnungen wie diese, die leider dazu f├╝hren, dass die meisten Menschen das Thema Depressionen immer noch verharmlosen. Zu viele Menschen glauben nach wie vor, dass Depressionen nur ein vor├╝bergehender Zustand sind, ein Stimmungstief, das sich verscheuchen l├Ąsst, wenn man sich nur M├╝he gibt.

Aber von "Herbstdepri" zu sprechen, setzt dem ganzen wirklich die Krone auf.

Mir ist klar, dass die Wettermoderatorin niemanden verletzen wollte. Sie hatte nur wenige Sekunden Zeit, um in ihre Moderation ein paar S├Ątze einzubauen, die nur indirekt mit dem Wetter zu tun haben. Vermutlich war sie sich der Wirkung ihrer Worte nicht bewusst.

Depressionen werden 2020 die zweith├Ąufigste Todesursache sein

Aber wir m├╝ssen uns bewusst machen, was Depressionen sind und was es bedeutet, darunter zu leiden. Und wir m├╝ssen uns die Zeit nehmen, dar├╝ber zu sprechen - und wenn es nur ein paar Sekunden auf Sendung sind, um klarzumachen, dass Depressionen eine echte, ernstzunehmende Krankheit sind.

Insbesondere dann, wenn man mit einer Sendung am Morgen jeden Tag ├╝ber eine Million Menschen erreicht.

Ô×Ę Mehr zum Thema: 7 Dinge, die nur Menschen mit Depressionen verstehen

Wir sprechen hier von einer Krankheit, die nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2020 bereits die zweith├Ąufigste Todesursache der Welt sein wird. Wir k├Ânnen das nicht l├Ąnger ignorieren und wir m├╝ssen so schnell wie m├Âglich anfangen, ein Verst├Ąndnis f├╝r diese Volkskrankheit zu entwickeln.

Depressionen werden auch deshalb so gnadenlos untersch├Ątzt, weil so viele von uns sie immer noch f├╝r eine Schw├Ąche halten. Wir haben Vorurteile und oft fehlt uns schlicht die Fantasie, um eine Vorstellung zu entwickeln, wie Depressionen sich anf├╝hlen.

F├╝r Menschen mit Depressionen ist die Welt ein anderer Ort

Menschen, die unter dieser heimt├╝ckischen Krankheit leiden, leben in einem Paralleluniversum. Und es gibt Phasen - manchmal l├Ąngere und manchmal k├╝rzere -, in denen sie es nicht schaffen, aus diesem Universum auszubrechen.

Egal, wie sehr sie sich anstrengen - an diesem Ort f├╝hlt sich das Laufen an, als w├╝rde man unter Wasser rennen. Das Atmen f├╝hlt sich an, als w├╝rden Steine den Brustkorb beschweren. Die Zeit dehnt sich endlos aus. Es herrscht Dunkelheit und Verzweiflung, die die Gedanken vergiften und es unm├Âglich machen, das Licht zu sehen.

HuffPost-Blogger Jamie Flexman hat Depressionen sehr treffend als Vampir unter den Krankheiten beschrieben:

"Sie lauern im Verborgenen und warten nur darauf, zuzuschlagen. Du h├Ârst sie nicht kommen. Daf├╝r sind sie zu schnell und zu listig. Sie versenken ihre Z├Ąhne in deiner Psyche, saugen deine Zuversicht aus, deine Energiereserven und dein Selbstwertgef├╝hl.

Du bist machtlos, denn du kannst es nicht verhindern. Hat es dich einmal in seinen Klauen, wirst du nie wieder der Mensch sein, der du einmal warst.

Du wurdest 'verwandelt'. Dein erstes Gef├╝hl sagt dir: Behalte es f├╝r dich, niemand darf es erfahren.

Die Sonne brennt vom Himmel. Die Dunkelheit ist dein Spielplatz."

Wir m├╝ssen die Symptome erkennen - und ernst nehmen

Die wenigsten schaffen es, sich selbst daraus zu befreien. Trotzdem suchen sich nur wenige Betroffene Hilfe. Und das liegt auch daran, dass Depressionen immer noch ein Stigma anhaftet. Kaum einer traut sich, offen dar├╝ber zu sprechen.

Ô×Ę Mehr zum Thema: 12 Dinge, die du wissen musst, wenn du einen Menschen mit Depressionen liebst

Niemand w├╝rde zum Beispiel auf die Idee kommen, morgens im B├╝ro anzurufen und sich wegen Depressionen krankzumelden. Stattdessen w├╝rde man eine Krankheit erfinden. Eine "echte" Krankheit, etwas Greifbares wie eine Erk├Ąltung oder Magenschmerzen.

Es ist schon erstaunlich, dass wir etwas vergleichsweise so L├Ącherliches wie einen Schnupfen benutzen, um eine schwere Erkrankung zu kaschieren.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir lernen, die Symptome von Depressionen zu erkennen. Und noch wichtiger ist es, sie sehr ernst zu nehmen.

Es geht darum, Menschenleben zu retten. Das muss es doch wert sein, seine Worte mit Bedacht zu w├Ąhlen.

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(lk)