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Liebe Mami, bitte hab mich trotzdem lieb

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MAMI HAB MICH TROTZDEM LIEB
iStock
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Das Wasser fühlt sich eiskalt an. Langsam steige ich hinein und bewege vorsichtig die Füße. Mami sagt, ich ziere mich wie ein Goldfisch. Ich weiß nicht genau, was das heißt, aber ich glaube, ich soll schnell ins Wasser springen.

Am Beckenrand stehen Mami und Papi. Sie sprechen mit der Bademeisterin. Ich kann sie nicht verstehen, aber sie sieht immer wieder zu mir herüber und nickt.

Dann geht es los. Mami sagt, jetzt muss ich mich anstrengen.

Ich schwimme los und die Frau geht neben mir her. Ich bewege meine Arme und Beine so schnell ich kann. Das andere Ende ist sehr weit weg, aber ich mache immer weiter.

Mama klatscht in die Hände. Nur noch ein Stück, ruft sie. Konzentrier dich!

Endlich stoßen meine Finger gegen den Beckenrand. Ich hab es geschafft! Mama und Papa freuen sich.

Aber noch ist es nicht vorbei. Das Schlimmste kommt erst noch. Das, wovor ich mich am meisten fürchte.

Ich muss von dem hohen Turm springen.

Die Bademeisterin sagt, ich muss keine Angst haben. Aber ich habe trotzdem Angst. Mami merkt es. Sie kniet sich zu mir herunter und sieht mich an. Das schaffst du schon, sagt sie. Das ist ganz schnell vorbei, sagt sie.

Papa klopft mir auf die Schulter. Na komm, reiß dich zusammen.

Ich hole tief Luft und fange an, die Leiter hochzuklettern. Nicht runtergucken, ruft Mami und lacht.

Mein Bauch verkrampft sich, als ich am Rand über dem Wasser stehe. Meine Zehen kribbeln. Ich kann da nicht runterspringen. Aber ich muss.

Nur einmal springen, dann hast du es geschafft, ruft Mami. Die Bademeisterin guckt zu mir hoch. Alle warten. Aber ich kann einfach nicht. Ich zittere. Mir ist kalt. Es ist zu hoch.

Ich gehe einen Schritt zurück. Ich will nicht springen, rufe ich Mami zu. Ich merke, dass meine Augen heiß werden. Ich ziehe die Nase hoch und schlucke. Nicht weinen, befehle ich mir selbst. Es klappt.

Mami spricht mit der Bademeisterin. Dann guckt sie wieder zu mir hoch. Du willst doch dein Abzeichen bekommen, oder nicht?, fragt sie.

Ja, das will ich. Aber ich kann nicht springen. Ich will wieder runter. Warum merkt Mami das nicht?

Dein Bruder hat das auch geschafft, erinnert mich Mami.

Papa ist weggegangen.

Ich gehe noch einmal bis zum Rand. Sofort ist da wieder dieses Kribbeln. Na los, gib dir einen Ruck. Sonst war alles umsonst und wir müssen wieder nach Hause fahren.

Ich höre Mamis Stimme aus der Ferne. Ich will unbedingt springen. Aber ich schaffe es einfach nicht. Warum ist Mami nicht hier, um mich zu beschützen?

Ich klettere die Stufen herunter. Meine Augen werden wieder heiß. Mami mag das nicht, aber diesmal kann ich die Tränen nicht runterschlucken.

Die Bademeisterin lächelt mich an. Das ist nicht schlimm, sagt sie. Ganz viele Kinder haben Angst. Mami schüttelt langsam den Kopf. Du hättest doch nur einmal springen müssen, dann hättest du auch dein Abzeichen bekommen.

Ich weiß auch nicht, warum ich das nicht geschafft habe. Ich bin wohl ein Angsthase.

Jetzt zieht Mami mich hinter sich her. Wir gehen in die Dusche und sie sagt jetzt gar nichts mehr. Warum konnte ich nicht einfach springen?, frage ich mich. Wie hat Jonas das geschafft?

Ich glaube, Mami ist böse auf mich. Als sie mich abtrocknet, zwinge ich mich, ihr in die Augen zu sehen.

Mami?, frage ich. Sie sieht mich an. Bitte hab mich trotzdem lieb.

Diese Reise durch die Gedankenwelt eines kleinen Jungen beruht auf einer echten Beobachtung.

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