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An alle, die sich ĂĽber kleine Kinder im Flugzeug beschweren

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BABY AIRPLANE
Klaus Vedfelt via Getty Images
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Als ich neulich im Flugzeug von München nach Hamburg saß, passierte es schon wieder. Eine Mutter mit Baby im Tragetuch kam den Mittelgang entlang auf mich zu. Und während sie noch nach dem richtigen Sitzplatz suchte, hörte ich schon das Gemurmel hinter mir.

"Hoffentlich setzt sie sich nicht zu uns", flüsterte eine Frau hinter mir. Kurz darauf folgte ein genervtes Stöhnen, als die Frau mit dem Baby ihren Platz in unmittelbarer Nähe fand.

Und ja - als das Flugzeug beschleunigte und abhob, als jeder Passagier den Druck auf den Ohren spürte - fing das Baby an zu weinen. Und noch bevor seine Mutter überhaupt eine Chance hatte, es zu beruhigen, hörte ich die Stimme hinter mir sagen:

"Ich verstehe auch nicht, warum man mit einem Baby ins Flugzeug steigt."

Situationen wie diese machen mich unglaublich wĂĽtend. Denn es ist doch so: Niemand verreist mit Babys im Flugzeug, weil es so viel SpaĂź macht.

Manchmal lässt es sich einfach nicht vermeiden. Auch, wenn es den ein oder anderen überraschen dürfte: Auch Eltern sind Menschen, die Termine wahrnehmen müssen. Auch Eltern wollen gerne außerhalb der eigenen Landesgrenzen Urlaub machen.

Und - Überraschung! Manchmal weinen Babys. In Flugzeugen kommt das wahrscheinlich sogar noch häufiger vor - aber nicht, weil sie es so gerne tun, und ganz sicher auch nicht, weil ihre Eltern einen schlechten Job machen.

Babys weinen in Flugzeugen, weil ihre Ohren wehtun. Weil das komische Ding ziemlich laute Geräusche macht. Es riecht sonderbar und so viele Menschen drängen sich aneinander. Sie weinen, weil sie sich nicht so bewegen dürfen, wie sie gerne möchten - und das verstehen sie nicht. Vielleicht weinen sie auch, weil sie spüren, wie angespannt ihre Eltern sind.

Und daran seid ihr Schuld. Ihr, die den Eltern schon genervte Blicke zuwerft, wenn sie mit Baby auf dem Arm das Flugzeug betreten. Ihr, die halblaut und sarkastisch fragt, ob "man das Ding vielleicht mal abstellen kann".

Eltern sind sich darüber bewusst, dass ihr schreiendes Baby andere stört. Und gerade in der Öffentlichkeit setzt es sie extrem unter Druck.

Aus diesem Grund ist es inzwischen schon ein Trend unter reisenden Eltern, Goodie Bags an Mitreisende zu verteilen, mit denen sie sich vorab dafür entschuldigen, dass ihr Kind möglicherweise anfangen könnte, zu weinen:

"Hallo Fremder! Mein Name ist Melani, ich bin ein Jahr alt und das ist mein erster Flug. [...] Ich versuche, mich gut zu benehmen, aber ich möchte mich schon mal vorab entschuldigen, falls ich ungeduldig werde, Angst bekomme, oder meine Ohren wehtun."

Melanis Eltern haben es bestimmt nett gemeint, aber ganz ehrlich: In was fĂĽr einer Welt leben wir eigentlich?

Eltern mĂĽssen heute dauerhaft fĂĽrchten, von jedem menschlichen Wesen im Umkreis von hundert Metern kritisiert zu werden. Ja, Babys schreien. Das bedeutet aber nicht, dass sie schlecht erzogen sind.

Es bedeutet, dass sie ihren Eltern etwas mitzuteilen haben. Und es muss ziemlich frustrierend sein, wenn man keine Worte hat, um auszudrĂĽcken, was los ist.

Wie wär's mit ein wenig Empathie?

Keine Mutter und kein Vater sollte sich dafür schämen müssen, dass ein Kind sich seinem Alter entsprechend verhält. Und dass unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht so unkooperativ ist, trägt nicht gerade dazu bei, dass junge Menschen sich darauf freuen, Kinder in die Welt zu setzen.

Nachdem sie von Eltern gehört hat, die Zettel und Goodie Bags an andere Passagiere verteilt haben, schrieb Bloggerin Becky Vieira: "Liebe Mitmenschen, ihr macht mir Angst vor dem Muttersein."

Eltern haben es auch ohne eure giftigen Kommentare und bösen Blicke schon schwer genug. Sie geben jeden Tag alles, um aus hilflosen, kleinen Wesen vernünftige Menschen zu machen. Sie bringen jeden Tag Opfer. Sie schlafen wenig und arbeiten viel. Sie lesen Ratgeber in der Hoffnung, alles richtig zu machen.

Und dann kommt ihr und gebt ihnen zu verstehen, dass sie alles falsch machen.

Das ist nicht fair und es bringt weder euch noch die betroffenen Eltern voran.

Vielleicht versucht ihr das nächste Mal, einfach ruhig zu bleiben und euch darüber zu freuen, dass ihr kein schreiendes Kind beruhigen müsst.

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Mit dieser Methode hören Babys innerhalb von Sekunden auf zu schreien

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