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Warum du dein Herz an ein Scheidungskind verlieren solltest

22/01/2016 10:41 CET | Aktualisiert 22/01/2017 11:12 CET

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Ich bin eigentlich gar kein Scheidungskind. Zumindest nicht im engeren Sinne. Als meine Eltern sich trennten, war ich erst wenige Monate alt und meine Eltern waren nie verheiratet. Mir wurde also viel Schmerz erspart.

Meinen Papa habe ich erst mit sechs Jahren kennengelernt und dann die Wochenenden bei ihm und meiner kleinen Halbschwester verbracht. Anfangs war es nicht leicht. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich in dieser neuen Situation, dieser neuen Familie zurechtfinden sollte.

Ich weiß noch, dass ich ganz lange darüber nachdachte und dann eines Abends meinen ganzen Mut zusammennahm und meinen Vater fragte, ob ich ihn Papa nennen dürfe.

Für eine Sechsjährige waren es viele neue Situationen, Gefühle und Ängste. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und ich weiß, dass ich ein andere Mensch wäre, wenn meine Kindheit anders verlaufen wäre.

Natürlich wünscht sich niemand diese Erfahrung. Aber sie zu machen, sie machen zu müssen, macht uns Scheidungskinder noch lange nicht zu psychischen Wracks mit Vaterkomplex, die zu keiner Beziehung fähig sind. Auch wenn es ein paar Studien gibt, die uns nicht gerade in ein gutes Licht rücken.

Scheidungskinder kämpfen angeblich häufiger mit Depressionen und gesundheitlichen Problemen. Laut Forschern sollen sie weniger erfolgreich sein. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst eine Scheidung durchmachen, ist angeblich hoch.

Ich persönlich halte davon nicht besonders viel. Ich glaube sogar, dass Liebe, Beziehungen und Familie für Scheidungskinder einen noch viel höheren Stellenwert haben als für Menschen, die in intakten Familien aufgewachsen sind.

Scheidungskinder sind mit beiden Extremen der Liebe konfrontiert worden. Sie haben die Liebe ihrer Eltern gespürt, haben gesehen, auf welche Art sie sich ihre Liebe als Mann und Frau zeigen. Und dann haben diese Kinder dabei zugesehen, wie die Liebe auseinandergebrochen ist. Sie haben gesehen, was das mit den beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben gemacht hat.

Scheidungskinder haben erlebt, wie aus Liebe Wut und Hass wurde. Sie haben an der Liebe gezweifelt. Sie haben erfahren, was für einen Schmerz Liebe hinterlassen kann.

Aber all das hat ihren Wunsch nach einer erfüllenden, aufrichtigen und tiefgehenden Liebe nur stärker gemacht. Natürlich haben wir Scheidungskinder ein paar Macken und Eigenheiten. Vielleicht machen gerade sie uns zu besseren Partnern.

Denn: Scheidungskinder lieben anders.

Aufgrund der Erfahrung, die wir früh in unserem Leben gemacht haben, sind wir vorsichtig. Wir gehen nicht leichtfertig mit unseren Gefühlen um und brauchen Zeit, um Vertrauen zu jemandem aufzubauen. Wenn wir lieben, dann nehmen wir das sehr ernst.

Ein Scheidungskind gewinnt man durch Hingabe und Engagement. Leere Worte überzeugen uns nicht.

In einer Beziehung stellen wir uns ganz bewusst allen Problemen, die möglicherweise auftauchen. Wir suchen das Gespräch und den Konflikt, sobald wir das Gefühl bekommen, dass irgendetwas nicht stimmt.

Wir wissen, wie wichtig Kommunikation ist, schließlich haben wir bei unseren Eltern gesehen, was passieren kann, wenn man nicht miteinander spricht.

Außerdem brauchen Scheidungskinder ständig die Bestätigung, dass alles in Ordnung ist. Dass wir noch immer geliebt werden, obwohl es gerade einen Riesen-Zoff gab. Wir müssen es einfach wissen, sonst verschwindet dieses ungute Gefühl über dem Zwerchfell nicht.

Wir glauben an die wahre Liebe, auch wenn uns das Leben eine andere Realität gezeigt hat. Um sie zu erhalten, würden wir fast alles tun.

Verliere dein Herz an ein Scheidungskind, denn es wird dich mit allem lieben, was es hat.


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