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Übergewicht ist kein Kündigungsgrund

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Tuomas Marttila via Getty Images
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Auch wenn der Anschein dafür sprechen mag, dass stark Übergewichtige in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit gemindert sind -  für eine Kündigung reicht das in der Regel nicht.

Ein 200 Kilo schwerer, gut 1,90 Meter großer Mitarbeiter eines Gartenbaubetriebs hatte über die Jahre so an Fülle zugelegt, dass er bei der Fahrt zum Kunden im Transporter zwei Plätze beanspruchte.

Zudem, führte der Arbeitgeber aus, war es für ihn aufgrund seines Gewichts unmöglich, auf eine Leiter zu steigen. Auch sonst könne sich der Mann nur noch mehr schlecht als recht bewegen, von der Erfüllung der üblichen Anforderungen an einen Arbeiter im Garten- und Landschaftsbau konnte zuletzt keine Rede mehr sein, argumentierte das Unternehmen - und kündigte.

Es fehlten konkrete Beispiele

Dagegen reichte der Arbeitnehmer eine Kündigungsschutzklage ein und forderte zudem eine Entschädigungsforderung wegen Diskriminierung. Die Klage hatte Erfolg. Die behauptete mangelnde Leistungsfähigkeit aufgrund der Ausmaße seines Mitarbeiters konnte der Arbeitgeber nicht hinreichend konkret darlegen, lautete die Urteilsbegründung.

Die angeführten Kündigungsgründe lassen den objektiven Schluss nicht zu, dass der Mann nicht in der Lage gewesen sei, die geschuldete Arbeitsleistung zu erbringen.

Eine Entschädigung sah das Gericht jedoch nicht als angemessen an. Dafür hätte der Kläger als an Adipositas Erkrankter eine Anerkennung als Schwerbehinderter haben müssen. Das aber hatte er nicht nur nicht angestrebt, sondern im Rahmen der Kündigungsschutzklage nachgerade bestritten (Arbeitsgericht Düsseldorf, Az.: 7 Ca 461/15).

"Aus Mangel an Beweisen"

Detaillierte Aufzeichnungen und konkrete Beispiele sowie belegbare Aussagen von Kollegen und Kunden hätten durchaus ein anderes Urteil zur Folge haben können. Da die Beweispflicht grundsätzlich beim kündigenden Arbeitgeber liegt, musste das Gericht zugunsten des Klägers entscheiden.

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