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Rucksack statt Schreibtisch - So reisen und arbeiten Digitale Nomaden

01/05/2015 10:25 CEST | Aktualisiert 01/05/2016 11:12 CEST
Soft_Light via Getty Images

Selbstständig, unabhängig, frei sein: Ein Traum, den die meisten für nicht realisierbar halten. Zu festgefahren ist die Annahme, dass man nur an einem einzigen Ort arbeiten kann und dass allein der Nine-to-Five-Job Sicherheit verspricht. Digitale Nomaden beweisen: das muss nicht stimmen.

Meist nur mit dem Rucksack unterwegs, haben sie ihr Büro quasi immer bei sich und arbeiten, wann, wie und wo es ihnen gerade passt. Alles, was sie dafür brauchen, ist ein Laptop und eine Internetverbindung. Ihr Jobs sind vielfältig: einige arbeiten als Übersetzer, Fotografen oder Webdesigner, andere verdienen ihren Lebensunterhalt durch Online-Marketing oder, und da gibt es überraschend viele, mit persönlichen Reiseblogs.

Conni Biesalski zum Beispiel reist mit "Rucksack, Zen und Laptop um die Welt" und veröffentlicht ihre Eindrücke, Tipps und Tricks auf ihrem Blog Planet Backpack. Mit 100.000 Lesern pro Monat und rund 18.000 Fans auf Facebook ist Planet Backpack einer der einflussreichsten Reiseblogs Deutschlands. Laut eigenen Angaben ist der Blog mittlerweile die Haupteinnahmequelle der digitalen Nomadin. Wie kann das funktionieren?

Entspannung ja - Müßiggang nein

Auch wenn Webworker gern auf Weltreise sind und multi-lokal zwischen Asien und Afrika hin- und herjetten, darf die Arbeit trotzdem nicht zu kurz kommen - das ist die goldene Regel. Egal, ob man nun Autor, Blogger oder Grafiker ist: ein paar Stunden pro Tag sollte man definitiv für die Arbeit einplanen.

Entspannung ist zwar gut und schön, füllt aber das Konto nicht. Gerade Blogger können sich aber auch passiv einen Zuverdienst sichern; gesponsorte Posts und Werbung spülen zusätzlich etwas Geld in die virtuelle Kasse. Zudem gibt es, gerade für bekanntere Blogger mit vielen Besuchern, die Möglichkeit des Affiliate Marketings.

Dabei promotet der Betreiber Produkte, zum Beispiel via Amazon, und erhält eine Provision, wenn jemand nach Besuch des Links ein Produkt kauft. Es gilt, einen gesunden Mittelweg zu finden: langfristig kommt fast kein Blog ohne gezielte Produktplatzierungen aus, allerdings wirkt eine mit Werbung und Sponsored Posts überladene Website schnell billig. "Ich promote und integriere nur Produkte, die ich auch selbst verwende", schreibt auch Conni auf ihrem Blog. "Alles andere spricht gegen meine persönliche Philosophie und wäre eine Verarschung meiner Leser."

Organisation, Sicherheit, Gesundheit

Neben dem digitalen Alltag müssen sich Digitale Nomaden freilich mit allenmöglichen anderen Notwendigkeiten herumschlagen. Das hat man sich zu Beginn anders vorgestellt: das Weltreise-Management beginnt beim umständlichen Abmelden des eigenen Wohnorts und endet bei der Suche nach funktionierendem WLAN.

Von Späßen wie einer Reisekrankenversicherung und Problemen mit dem Finanzamt einmal ganz abgesehen. In seinem über 500 Seiten starken Buch "Ein Webworker auf Weltreise" gibt der digitale Nomade Nils Römeling einen umfangreichen Einblick für Webworker, die eine größere Reise planen.

Dabei wird auch klar: ungefährlich ist eine Reise ganz und gar nicht. Das beginnt bei der Reiseapotheke: Römeling warnt zum Beispiel vor abgelaufenen oder gefälschten Medikamente in China. Auch in Indien ist - vor allem auf dem Land - Vorsicht geboten, wenn es um medizinische Versorgung geht.

Besser, man nimmt eine gut gefüllte Reiseapotheke mit. Außerdem zählt zu den medizinischen Vorkehrungen einer Reise der richtige Impfschutz. Welcher Schutz für welche Regionen der Welt empfehlenswert ist, sollten Sie im Zweifel bei einem (Tropen-)Mediziner erfragen.

Auch skurrile Situationen warten in Sachen Gesundheit auf Reisende: So schreibt Römeling im Thailand-Kapitel seines E-Books: "Wer auf bestimmte Medikamente angewiesen ist, sollte unbedingt den Beipackzettel mitnehmen, um in Apotheken nicht den Eindruck eines Drogensüchtigen zu machen". Nützlicher Hinweis...

Mobil arbeiten - mit den richtigen Tools

Die wenigsten digitalen Nomaden bleiben länger als ein paar Wochen am selben Ort und meiden die "klassischen" Touristenziele. Schließlich gibt es noch viel mehr zu entdecken als das ewige Kanaren-Malediven-Ibiza-Hopping.

Ob es nun mit dem Flugzeug, dem Mietwagen oder dem Fahrrad weiter gehen soll - so lange Sie Ihr mobiles Büro bei sich tragen, ist Ihr Lebensunterhalt gesichert - vorausgesetzt, das digitale Business spielt bereits genug Einnahmen ein. Für alle anderen hat Autor Nils Römeling ebenfalls einen Tipp parat: warten und auf ein sattes Reise-Finanzpolster sparen, das vor finanziellen Engpässen unterwegs schützt.

Ausrüstung: Von Adapter bis Versicherung

Aber welches Equipment benutzen erfolgreiche Webworker unterwegs? Conni Biesalski setzt vor allem auf platzsparende Utensilien: am liebsten nur mit Handgepäck unterwegs, hat sie ihr "Office im Rucksack" immer dabei und spart sich damit jede Menge Gewicht und Zeit.

Kein stundenlanges Packen, kein Einchecken, keine Wartezeit an der Gepäckausgabe. Neben einem ultraleichten Macbook Air und einer externen Festplatte hat auch ein eBook-Reader einen festen Platz in ihrer Reisetasche gefunden.

Achtung, wichtig: ein Reiseadapter muss mit! Ohne Strom bringt nämlich auch das tollste Notebook nichts. Nils Römeling empfiehlt außerdem eine Geräteversicherung, damit Sie eine eventuelle Reparatur Ihres Laptops, Smartphones, etc. nicht selbst zahlen müssen. Bei den meisten Versicherungen ist ein Diebstahlschutz ebenfalls inklusive.

Gute Planung ist die halbe Miete als digitaler Nomade

Sie packt die Reiselust und mit Internet und so kennen Sie sich auch ganz gut aus? Jetzt einfach die Koffer zu packen und loszuziehen ist nicht das Mittel der Wahl. Es benötigt Ausdauer, Planung und Kalkulation, um als digitaler Nomade zu leben.

Wie Nils Römeling, empfiehlt auch Bloggerin Conni Biesalski, vor dem Aufbruch mindestens sechs Monate, besser aber ein Jahr Lebensunterhalt auf dem Konto zu haben. Ein ständiger Puffer von einigen tausend Euro eliminiert unnötige Geldsorgen - so können Sie auch in "schlechten" Zeiten kreativ und frei leben und arbeiten.

Vernetzen Sie sich mit anderen gleichgesinnten Webworkern, tauschen Sie sich aus, lernen Sie mehr über das Leben eines digitalen Nomaden: jeder Tipp und jede Erfahrung kann Ihnen weiterhelfen.

Am Ende steht das Wichtigste: Einfach machen! Auch, wenn Sie jetzt noch fleißig planen und sich Ziele setzen, müssen Sie irgendwann den ersten Schritt tun. Viel Spaß und Erfolg auf Ihrem Weg!


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