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Weiblich, 30. Keine Familie oder lieber keine Karriere?

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Weiblich, 30. Keine Familie oder lieber keine Karriere? - Ein Frauenportrait als Antwort auf den "Artikel Männlich, 30 Jahre alt: Kein Auto. Kein Haus. Keine Yacht"

Wer das Selbstverständnis der heutigen jungen Frau verstehen und analysieren möchte, muss sich erst einmal mit einer großen Reihe geschichtlicher Bedingungen auseinandersetzen, die die heutige Sicht auf die Frauenrolle prägten und prägen: Jahrhundertelange Unterwerfung, dann die Suffragetten.

Die Frauen, wir 80er Bitches, die wir aufgewachsen sind im völligen Bewusstsein unserer Gleichberechtigung bezüglich der Anforderungen: Klar, Abi. Dann Studium: Karriereaussichten in Chefpositionen? Alle Mädels schreien: Hier!

Aufgewachsen im Bewusstsein des regredierenden Feminismus, der Heuchelei. Karriere in Chefposition? Yes, Baby, du bekommst aber trotzdem niemals soviel Lohn wie dein männlicher Kollege. Aufgewachsen in der Furcht vor dem biologiebasierenden Wirtschaftsfaschismus: Frau wirft zwangsläufig irgendwann und fällt daraufhin aus.

Und ständig wächst das Angebot an Arbeitnehmerinnen: Sogar Desiree B. aus N. hat heutzutage studiert. Darum ist zu erwarten, dass nach dreijähriger Babypause der Posten dahin ist.

Aufgewachsen auch im Bewusstsein der unbedingten Wichtigkeit unseres Aussehens und der prinzipiellen Anforderung, trotz des biologiebasierenden Wirtschaftsfaschismus irgendwann Kinder zu bekommen.

An dieser letzten Aufgabenstellung scheiden sich die Geister. Oder zerschellen die Schiffe. Marlene Dietrich oder das Mutterkreuz? Lillith oder Eva?

Generell betrachtet wirkt es ziemlich bescheuert, Kinder zu bekommen. Wer möchte sich zehn Jahre in Ausbildung befinden um danach als Chirurgin und späte Mutter immer nur den Routine-Blinddarm entfernen zu können? Also bekommt man keine Kinder. Oder noch schlimmer: Wer möchte sich nicht mal zehn Jahre in Ausbildung befinden, um jung Kinder zu bekommen und daraufhin im Biedermeier der 50er zu vergammeln? Eben.

Den konsequenten Frauen aber, die sich aus eben genannten und zahlreichen Gründen nicht mehr fortpflanzen, denen setzen der Organismus oder die Biologie irgendwann um den 30. Geburtstag Flöhe ins Ohr des Unbewussten. Erst wenige, dann zunehmend mehr. Frau kann sie ignorieren. Kann weiter im Job vorankommen, kann die in der Grundschule versprochene Chefposition wirklich bekommen.

Frau kann weiter Saufen oder andersartigen Interessen nachgehen, hat kein Problem mit Problemzonen, weil sie sich nie via Schwangerschaft die Figur versaut hat.
Sie kann den anderen zusehen, wie sie sich schlieĂźlich ergeben und sich fortpflanzen, sich die Elternzeit teilen. Kolleginnen, Freundinnen, Schwestern. Noch mit afterbabybody zurĂĽck ins BĂĽro und zack! Auf ein Neues gechallenged: BMI 17,6

Man beobachtet sie im Kampf gegen einen Gladiatorenalltag, der folgendes abverlangt:

1. Eine saugute Mutter sein, Selbstgebackenes als Pausenbrot und Motto-Kindergeburtstage inklusive.
2. Eine saugute Berufstätige sein, frau möchte schließlich trotz Familie im Job vorankommen.
3. Saugut auszusehen.

Man möchte sich gratulieren zur eigenen Freiheit, man möchte sich übergeben bei all den Gesprächen, die sich um Stillprobleme oder Kleinkindernahrung drehen. Und irgendwann will man heulen, weil man nur noch alleine an der Bar sitzt.
Weil einen die Eltern an Weihnachten daran erinnern, dass die Uhr aber tickt, Mädel!

Es liegt auf der Hand, manche von uns müssen sich vermehren. Wenn wie alle Chirurginnen in Chefpositionen werden, sterben wir einfach aus.Das würde zwar alle Probleme überhaupt auf einen Schlag lösen, soll aber hier nicht näher erörtert werden.

Erörtert werden sollte dringend: Warum ist es der Gesellschaft bis heute nicht gelungen, die Symboliken der Lillith und der Eva zu vereinen?

Unser Ziel sollte sein, mehr Egalität zu produzieren und zu verteilen. Egal, in welche Richtung.

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