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Männlich, 30 Jahre alt: Kein Auto. Kein Haus. Keine Yacht

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MAN CRAZY
FelixRenaud via Getty Images
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Männerstammtisch. Die wohl geborgenste Form von gesellschaftlichen Austausch. Mit den Kumpels einmal in der Woche in die Stammkneipe um die Ecke und die Seele baumeln lassen. Bei Bier und Schnaps lässt es sich am einfachsten über den Chef, die andauernde Männergrippe oder den schwierigsten FIFA-Gegner ever sinnieren. Ein aber nicht ganz unwesentlicher Faktor bringt auf einmal den gesamten Männerkosmos aus dem Gleichgewicht. Ein Tag, der alles ändert. Eine weitere Kerze auf der Geburtstagstorte.

Ein Ende einer Ära. Der erste Lausbub aus der Runde feiert seinen 30-igsten Geburtstag. Aus jugendlicher Leichtigkeit, wird eine erwachsene Depression. Von Null auf Hundert in die Erwachsenenwelt. Und das auch noch auf der Überholspur. Die wilden Zwanziger sind nun endgültig vorbei.

PlayStation vs. Bausparvertrag

Muss die PlayStation jetzt gegen einen Bausparvertrag eingetauscht werden? Wird der Stammtischabend jetzt gegen ein Pärchenabend mit Wein und Käse ersetzt? Gibt es denn keine Gnade? Die Kirchensteuer wird doch monatlich vom Gehalt abgebucht. Wie verändert sich nun der Alltag? Ein Ausblick für alle, die meinen, in der Blüte der Zwanziger ewig schwelgen zu können:

Montagmorgen: Der Wecker klingelt. Gestern war zwar der heilige Sonntag, aber dennoch gibt es auch am Montagmorgen einen Kater. Hat man mit 30 jetzt Gewissensbisse? Umgibt einen eine schlechte Aura? Schwierige Frage, die man sich zur Not auch noch am nächsten Montagmorgen beantworten kann. Eines steht aber fest: Der StarWars-Klingelton des Weckers bleibt bestehen. Auch noch mit 40. Vermutlich auch mit 50. Tiefe innerliche Zustimmung überkommt einen. Duschen und auf zur Arbeit. Ein Routinegang, bei dem sich mit 30 auf einmal merkwürdige Fragen in den Raum stellen.

Gebügelte Hemden und Schnürschuhe

Ist mein Hemd gebügelt? Müssen mit dreißig die Klettschuhe gegen Schnürschuhe ausgetauscht werden? Wieder Fragen, die auf eine Antwort am nächsten Montagmorgen warten müssen. Voller Elan wird der Kühlschrank aufgerissen. Solch eine Leere gab es das letzte mal während dem verlorenen WM-Finale 2002. Hier wurde über vier Wochen hinweg nur beim Pizzalieferanten um die Ecke bestellt. Bedeutet: ohne Frühstück auf ins Büro. Die Stärke mit 30: Der Montagmorgen-Kater wird von den Arbeitskollegen nicht mehr angesprochen. Ein Erfolg der männlichen Emanzipation und eine Entwicklung, die selbst der Playboy mit angezogenen Nacktmodels nicht aufhalten kann.

Mittagspause. Jetzt trifft der drei Jahrzehnte-Vorschlaghammer einen mitten ins Gesicht. Um einen drum herum werden nur vegane Produkte gekauft. An der Gemüsetheke ist ein dichtes Drängen und an der Kasse diskutieren zwei Mit-Zwanziger über Craft-Produkte. Bitter. Zwei 5-Minuten-Terrinen werden trotzdem gekauft und fast ungesehen unter dem Mantel versteckt. Im Kreise der Kollegen wird in der Mittagspause über kulturelle Wochenendereignisse gesprochen. Das einzige eigene kulturelle Ereignis am Wochenende war die mitternächtliche DSDS-Wiederholung am Samstag. Eintrag für Siri: Theaterstücke im nächsten Monat recherchieren. Endlich Nachmittag erreicht und der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu.

Anstatt sich Gedanken zu machen, ob der Haushalt mal nicht wieder an erster Stelle stehen sollte, steht stattdessen das Handy nicht still. Begriffe wie „Feierabendbier", „Fast-Bergfest" oder „Stammtisch" fallen im Chat mit dem Namen „Wenn ich dreißig wäre, stürze ich mich von der Brücke". Dennoch erster Erfolg mit dreißg. Die Vernunft siegt und es wird um den Haushalt gekümmert. In den eigenen vier Wänden angekommen, entwickelt sich der Vorschlaghammer zum Presslufthammer.

Beschwerde-Post

Seit wann hat eine Waschmaschine so viele Knöpfe? Und warum stehen da so viele Zahlen drauf? Unverständlich. Reicht nicht ein An- und Aus-Schalter? Beschwerde-Post auf der Siemens-Facebook Seite ist bereits vorbereitet. Da siegt erneut die Vernunft aus dreißig Jahren Erfahrung. Bei dreißig Grad geht alles. Was für eine Ironie. Da man sich aber nicht entscheiden kann, in welche Öffnung das Waschpulver eingefüllt werden soll, werden einfach alle Öffnungen mit kleinen Bergen von Pulver befüllt. Soll ja schließlich sauber werden. Läuft.

Zum Feierabend darf dann doch wohl der Fernseher eingeschaltet werden. Das macht ja wohl noch mit dreißig, oder? Beim Durchzappen wird dann festgestellt: Fernsehen zum Feierabend kann man machen, muss man aber nicht. Entweder entscheidet man sich für eine Hitler-Dokumentation auf N24 oder für eine Promi-Trash-Show auf VOX. Natürlich fällt hierbei die Wahl auf VOX, aber der Bericht, der auf einmal zwischen Promi-Exzessen gesendet wird lässt einen ad hoc stutzig werden „Sie sind ein Mann? Dreißig Jahre alt? Besitzen kein Auto, kein Haus und keine Yacht?". Ganz bitter.

Fernseher wird sofort ausgeschaltet und frustriert wird zu Bett gegangen. Vorher werden natürlich die Klamotten für den nächsten Tag rausgelegt. Macht man schließlich so mit dreißig.
Der letzte Gedanke des Tages ist dann aber wieder philosophischer Natur: Lass mich morgen aufwachen und wieder Ende zwanzig sein...

Das Gesellschafts-Echo ist eine überregionale und deutschsprachige Nachrichten- und Bildungsplattform, gegründet in 2015. Mit redaktionellem Sitz in Hamburg, steht das Gesellschafts-Echo seither für politische Neutralität, Zynismus und Satire und erhebt dabei keinerlei Anspruch auf tagesaktuelle oder gar wahrheitsgemäße Berichterstattung. Es werden unumstößliche Fakten und gesellschaftliche Kleinst-Ereignisse humoristisch aufbereitet, mit dem Ziel der einfachen Unterhaltung. Das Gesellschafts-Echo ist politisch in der Partei DIE PARTEI organisiert und engagiert sich daher politisch in keinster Weise.

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Es werden unumstößliche Fakten und gesellschaftliche Kleinst-Ereignisse humoristisch aufbereitet, mit dem Ziel der einfachen Unterhaltung. Das Gesellschafts-Echo ist politisch in der Partei DIE PARTEI organisiert und engagiert sich daher politisch in keinster Weise.

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